Kategorie: Viognier

Die Rebsorte, die nur noch 8 Hektar Land besaß

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  • Philipp Kuhn - Viognier Réserve 2024 BIO
    eingut Philipp Kuhn, Pfalz Laumersheim, Viognier VDP.ORTSWEIN, grüne Flasche mit weißem Etikett, Wappen-Prägung und Schriftzug
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1968 gab es weltweit nur noch 14 Hektar Viognier, manche Quellen sprechen sogar von nur 8 Hektar allein im Condrieu-Gebiet. Eine Rebsorte, die heute auf über 16.000 Hektar rund um den Globus wächst, stand damit buchstäblich einen Rebstock vor dem endgültigen Verschwinden.

Auf einen Blick

Viognier ist eine weiße Rebsorte mit historischer Heimat im nördlichen Rhônetal, deren genaue Herkunft, ob im Ort Condrieu oder im benachbarten Ampuis, sich bis heute nicht eindeutig klären lässt. Erste schriftliche Erwähnungen reichen bis ins Jahr 1781 zurück, der Legende nach soll bereits der römische Kaiser Probus die Rebe nach Condrieu gebracht haben. Genetische Analysen zeigten eine enge Verwandtschaft zur piemontesischen Sorte Freisa. Nach der Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts schrumpfte die Anbaufläche dramatisch, bis 1968 nur noch 14 Hektar in ganz Frankreich verzeichnet waren, in Condrieu selbst zeitweise sogar nur 8 Hektar. Seit der Renaissance der Rhône-Weine ab Mitte der 1980er Jahre erlebt Viognier eine bemerkenswerte weltweite Wiederbelebung und wächst heute auf über 16.000 Hektar, mit bedeutenden Anbauflächen unter anderem in Kalifornien, Australien, Chile, Südafrika und zunehmend auch in Spanien. In den nördlichen Rhône-Appellationen Condrieu und Château-Grillet ist Viognier bis heute die einzig zugelassene Rebsorte.

Herkunft und Geschichte

Die Wiege des Viognier liegt an der nördlichen Rhône, entweder in Condrieu selbst oder im benachbarten Ampuis, Forscher sind sich über die genaue Herkunft bis heute nicht vollständig einig. Der Legende nach brachte der römische Kaiser Probus die Rebe nach Condrieu, eine schöne, historisch jedoch nicht abschließend belegbare Erzählung. Erstmals schriftlich erwähnt wurde Viognier 1781, bis weit ins 20. Jahrhundert blieb die Sorte fast ausschließlich auf diese eine Region konzentriert, wo sie über eine Strecke von rund 200 Kilometern zwischen Vienne im Norden und Avignon im Süden angebaut wurde. Die Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts traf die Sorte besonders hart, da ihre steilen, schwer zu bearbeitenden Terrassenlagen nach der Krise vielerorts nicht wieder aufgeforstet wurden. Der historische Tiefpunkt war erreicht: 1968 verzeichnete Frankreich insgesamt nur noch 14 Hektar Viognier, manche Angaben zufolge lag der Bestand allein in Condrieu bei nur 8 Hektar um das Jahr 1978. Erst mit der allgemeinen Renaissance der Rhône-Weine ab Mitte der 1980er Jahre erholte sich die Rebsorte langsam, um in den folgenden Jahrzehnten geradezu explosionsartig zu wachsen, von 1990 bis 2016 verfünffachte sich die weltweite Anbaufläche auf rund 16.000 Hektar.

Charakter und typische Aromen

Viognier zählt zu den aromatischsten weißen Rebsorten überhaupt und bringt Weine mit kräftiger Farbe, meist hohem Alkoholgehalt und einem außergewöhnlich prägnanten, blumig-fruchtigen Duft hervor. Typische Aromen umfassen Aprikose, Pfirsich, Mango und Zitrusfrüchte, ergänzt durch florale Noten von Veilchen, Jasmin oder Maiglöckchen, die der Sorte ihren unverwechselbaren, oft als betörend beschriebenen Charakter verleihen. Am Gaumen zeigt sich Viognier meist vollmundig, aromatisch und extraktreich, mit einer für aromatische Weißweine ungewöhnlichen Verbindung aus Cremigkeit und Frische, bei moderater Säure. Im Weinberg gilt die Sorte als anspruchsvoll und wenig fehlerverzeihend: Die Erträge sind von Natur aus gering, die meisten Winzer reduzieren sie zusätzlich, um die charakteristische Aromenkonzentration zu erreichen. Viognier reift mittelspät, etwa 15 bis 20 Tage nach dem Gutedel, gilt damit im internationalen Vergleich aber noch als vergleichsweise früh reifend, zeigt sich anfällig für Echten Mehltau, kommt jedoch überraschend gut mit sommerlicher Trockenheit zurecht. Anders als viele aromatische Weißweine profitiert Viognier meist am stärksten vom jungen Genuss, während edlere Vertreter aus Toplagen wie Condrieu durchaus auch mit einigen Jahren Reife an Komplexität gewinnen können.

Condrieu: Die Krönung der Rebsorte

Condrieu gilt als die eigentliche Bühne, auf der Viognier sein volles Potenzial entfaltet, und unterscheidet sich dabei bewusst von den zahlreichen, weiter südlich in der Rhône angebauten, eher modischen reinsortigen Viognier-Weinen. Nur hier, im Norden der Rhône, auf den steilen Granit- und Glimmerschieferterrassen der Appellation, erreicht die Sorte eine für sie ungewöhnliche Mineralität, Rasse und Spannung, die sie zu einem der großen Weißweine der Welt macht. Traditionell wird Condrieu in kleinen Eichenholzfässern ausgebaut, was dem ohnehin kräftigen, aromatischen Wein zusätzliche Struktur verleiht, ohne die florale Eleganz zu überdecken. Die benachbarte, noch kleinere Appellation Château-Grillet gilt als eine der raren Monopollagen Frankreichs und bringt ebenfalls ausschließlich Viognier hervor. Weiter südlich an der Rhône dient die Sorte zudem traditionell als kleiner, aber wirkungsvoller Verschnittpartner für den roten Côte-Rôtie, wo bereits geringe Anteile Viognier dem Syrah zusätzliche aromatische Finesse und Farbstabilität verleihen.

Viognier außerhalb der Rhône

Außerhalb ihrer französischen Heimat hat sich Viognier in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreichen Weinbauländern etabliert, darunter Kalifornien, Australien, Chile und Südafrika, wo die Sorte meist reinsortig und oft mit intensiverer, exotischer Frucht ausgebaut wird. In Spanien war Viognier noch 2010 kaum verbreitet, gilt inzwischen aber als eine der spannendsten Neuentdeckungen des Landes, insbesondere in den zentralspanischen Regionen Castilla-La Mancha und Rueda, wo Höhenlagen über 850 Metern strukturierte Weine mit reifer Frucht und Würze hervorbringen, sowohl reinsortig als auch im Verschnitt mit Garnacha Blanca, Macabeo oder Sauvignon Blanc. Auch in der Schweiz und in Deutschland finden sich mittlerweile kleinere Anbauflächen, ein Beleg dafür, wie weit sich die einst fast ausgestorbene Rebsorte über die vergangenen 4 Jahrzehnte wieder verbreitet hat.

Viognier als Speisebegleiter

Dank seiner aromatischen Tiefe und cremigen Textur eignet sich Viognier hervorragend als vielseitiger Speisebegleiter, besonders zu Edelfisch und Meeresfrüchten wie Hummer oder Kaisergranat, aber auch zu hellem Fleisch und leicht gewürzten Gerichten. Als frischer, trockener Stil überzeugt die Sorte zudem als eigenständiger Aperitif mit floraler Eleganz, während gehaltvollere, im Holzfass ausgebaute Varianten auch cremige Saucen und gastronomisch anspruchsvollere Gerichte tragen können.

Häufig gestellte Fragen zu Viognier

Woher stammt die Rebsorte Viognier? Die Wiege des Viognier liegt an der nördlichen Rhône, vermutlich in Condrieu oder Ampuis, mit ersten schriftlichen Erwähnungen aus dem Jahr 1781.

Warum stand Viognier kurz vor dem Aussterben? Nach der Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts wurden viele schwer zu bearbeitende Steillagen aufgegeben, sodass 1968 nur noch 14 Hektar Viognier in ganz Frankreich verzeichnet waren.

Was ist Condrieu? Condrieu ist eine nördliche Rhône-Appellation, in der Viognier die einzig zugelassene Rebsorte ist und dort außergewöhnlich mineralische, langlebige Weißweine hervorbringt.

Wie schmeckt ein typischer Viognier? Typisch sind Aromen von Aprikose, Pfirsich und Mango, ergänzt durch florale Noten wie Veilchen oder Jasmin, bei vollmundiger, cremiger Textur und moderater Säure.

Wird Viognier auch als Verschnittpartner verwendet? Ja, an der nördlichen Rhône wird Viognier traditionell in kleinen Mengen dem roten Côte-Rôtie beigemischt, um zusätzliche aromatische Finesse und Farbstabilität zu erzielen.

Wo wird Viognier außerhalb Frankreichs angebaut? Bedeutende Anbauflächen finden sich in Kalifornien, Australien, Chile, Südafrika sowie zunehmend in Spanien, insbesondere in Castilla-La Mancha und Rueda.