Nachdem die Reblaus Mallorcas Weinberge verwüstet hatte, begann Melchor Oliver 1912 in Petra einfach von vorne. Über 4 Generationen später bewahrt seine Urenkelin Pilar Oliver fast 20 autochthone mallorquinische Rebsorten, von denen viele außerhalb der Insel kaum jemand kennt.
Auf einen Blick
Bodega Miquel Oliver, offiziell Vinyes i Bodegues Miquel Oliver, liegt in der Gemeinde Petra im Herzen der Herkunftsbezeichnung DO Pla i Llevant im östlichen Mallorca. Gegründet wurde der Betrieb 1912 von Melchor Oliver, der nach der verheerenden Reblauskatastrophe neue Rebstöcke pflanzte, seinen heutigen Namen erhielt das Weingut einige Jahre später nach seinem Enkel Miquel. Heute wird der Betrieb von Pilar Oliver, Urenkelin des Gründers und ausgebildete Önologin, in vierter Generation geleitet, gemeinsam mit ihrem Ehemann Jaume Olivella, der sich um die Weinberge kümmert, während mit Joan Pau Oliver bereits die fünfte Generation im Betrieb mitwirkt. 2012 feierte die Bodega ihr hundertjähriges Bestehen. Das Weingut bewirtschaftet rund 10 Hektar eigene Rebfläche in der Lage Ses Ferritges, ergänzt durch zugekaufte Trauben ausgewählter Erzeuger der Region, und produziert jährlich rund 220.000 Flaschen, wovon der Großteil auf Mallorca selbst verkauft wird. Seit 2014 findet die Produktion in einer modernen Kellerei am Ortsrand statt, während der historische Kellerbau von 1868 im Zentrum von Petra für Führungen und Veranstaltungen genutzt wird.
Herkunft und Idee
Als Melchor Oliver 1912 die ersten Reben für die heutige Bodega pflanzte, tat er dies zu einer Zeit, in der die Reblauskatastrophe des späten 19. Jahrhunderts die Weinberge Mallorcas weitgehend zerstört hatte und viele Winzer der Insel praktisch von vorne beginnen mussten. Die ersten Weine entstanden noch im historischen Kellergebäude im Zentrum von Petra, das bereits 1868 errichtet wurde und mit seinen Spitzbögen bis heute Besucher auf eine Reise durch die Zeit mitnimmt. In den 1970er Jahren begann Miquel Oliver Salas, Enkel des Gründers, mit einer akribischen Selektion und Bewahrung der besten Klone autochthoner mallorquinischer Rebsorten, eine Arbeit, die seine Tochter Pilar Oliver bis heute fortführt und um eine eigene Versuchsparzelle erweitert hat. Bodega Miquel Oliver zählte zudem zu den ersten Weingütern der Insel, die wichtige technologische Neuerungen einführten, darunter die kontrollierte Gärung im Edelstahltank, ein für Mallorca damals ungewöhnlich moderner Schritt. 1985 wurde der Son Caló Rosat des Weinguts von der spanischen Weinproduktionsgemeinschaft ausgezeichnet, der erste mallorquinische Wein überhaupt, der eine überregionale Anerkennung dieser Art erhielt. 2012 feierte die Familie das hundertjährige Bestehen der Bodega gemeinsam, mit Miquel Oliver, mittlerweile im Ruhestand, und seiner Urenkelin Pilar als treibender Kraft der Gegenwart.
Die Lage und das Terroir
Petra liegt im Pla de Mallorca, der zentralen Ebene der Insel, geprägt vom mediterranen Wind Embat sowie rötlichen, kalkreichen Lehmböden, die den Rebwurzeln eine gute Wasserspeicherung ermöglichen, eine wichtige Eigenschaft angesichts der zunehmend heißen und trockenen Sommer der Region. Die eigenen 10 Hektar Rebfläche in der Lage Ses Ferritges bilden das Herzstück des Weinguts, ergänzt durch sorgfältig ausgewählte Trauben von Vertragswinzern der Umgebung. Pilar Oliver treibt dabei ein bemerkenswertes Projekt zur Bewahrung der Rebsortenvielfalt voran: Neben den bekannteren mallorquinischen Sorten Callet, Mantonegro, Prensal Blanc und Giró kultiviert die Bodega auch nahezu unbekannte, historische Sorten wie Sabater, Esperó de Gall und Peu de Rata, insgesamt fast 20 verschiedene autochthone Rebsorten. Um den extremen Hitze- und Trockenheitsbedingungen der Insel besser zu begegnen, experimentiert Pilar Oliver zudem mit alternativen Erziehungssystemen, von der traditionellen vertikalen Drahtrahmenerziehung hin zu Halb-Pergolen und kreisförmig erzogenen Rebstöcken. Das Weingut ist zertifiziert biologisch zertifiziert und legt großen Wert auf die Biodiversität seiner Rebflächen.
Das Sortiment
Der Spitzenwein der Bodega ist ein reinsortiger Merlot, während die Cuvée Ses Ferritges, benannt nach der eigenen Lage, Callet, Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah zu einem kirschroten Aromenkonzert vereint. Der Wein "1912" erinnert an das Gründungsjahr der Bodega und würdigt damit das Erbe Melchor Olivers. Bei den Weißweinen setzt die Familie auf die autochthonen Sorten Giró und Moscatel, ergänzt durch weitere lokale Trauben wie Prensal Blanc, Fogoneu und Manto Negro. Die Rotweine des Hauses zeigen sich durchweg würzig und kraftvoll, während sich die Weißweine stilistisch deutlich unterscheiden: Der Muscat Original präsentiert sich mit einer zarten, floralen Nase, während der Orig Blanco ausgesprochen zitronig und frisch daherkommt. Diese Vielfalt an Rebsorten verschafft Pilar Oliver einen großen kreativen Spielraum für immer neue Weinkreationen, stets unter der geschützten Ursprungsbezeichnung DO Pla i Llevant und mit dem erklärten Anspruch, traditionelle mallorquinische Weinbereitung mit moderner Önologie und kreativer Finesse zu verbinden.
Häufig gestellte Fragen zu Miquel Oliver
Wo liegt die Bodega Miquel Oliver? Die Bodega liegt in Petra im östlichen Mallorca, im Herzen der Herkunftsbezeichnung DO Pla i Llevant.
Wann wurde das Weingut gegründet? Melchor Oliver gründete den Betrieb 1912, nachdem die Reblauskatastrophe die mallorquinischen Weinberge zuvor weitgehend zerstört hatte.
Wer führt das Weingut heute? Pilar Oliver, Urenkelin des Gründers und ausgebildete Önologin, leitet die Bodega in vierter Generation gemeinsam mit ihrem Ehemann Jaume Olivella.
Welche Rebsorten kultiviert Miquel Oliver? Neben bekannteren Sorten wie Callet, Mantonegro, Prensal Blanc und Giró bewahrt das Weingut fast 20 autochthone mallorquinische Rebsorten, darunter seltene Trauben wie Sabater und Peu de Rata.
Was ist die Cuvée Ses Ferritges? Ses Ferritges ist die zentrale Cuvée des Hauses aus Callet, Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah, benannt nach der eigenen, 10 Hektar großen Weinbergslage.
War Miquel Oliver ein Pionier auf Mallorca? Ja, das Weingut zählte zu den ersten Betrieben der Insel, die moderne Kellertechnik wie die kontrollierte Gärung im Edelstahltank einführten, und produzierte 1985 mit dem Son Caló Rosat den ersten mallorquinischen Wein mit überregionaler Auszeichnung.