Kategorie: Anselmo Mendes

Der Mann, der Alvarinho neu erfand

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Als Anselmo Mendes 1998 seinen ersten eigenen Wein abfüllte, galt Vinho Verde noch als leichtfüßiger, spritziger Sommerwein aus dem Supermarktregal. Heute trägt Mendes den Spitznamen "Mr. Alvarinho" und gilt als der Winzer, der die Region in eine ernstzunehmende Weißweinregion der Weltklasse verwandelte.

Auf einen Blick

Anselmo Mendes ist ein Weingut in der Gemeinde Melgaço im äußersten Norden Portugals, in der Unterregion Monção e Melgaço der DOC Vinho Verde, gegründet 1998 vom gleichnamigen Winzer nach einem Agrarstudium und einer Ausbildung in Önologie. Mendes zählte bereits in den 1980er Jahren zu den ersten Erzeugern, die das Potenzial der Rebsorte Alvarinho für trockene, komplexe Weißweine erkannten, weit über den damals üblichen leichten, spritzigen Vinho-Verde-Stil hinaus. Sein Weingut am Familiensitz Quinta da Torre in Monção umfasst mittlerweile über 60 Hektar Rebfläche, darunter mit rund 50 Hektar die größte zusammenhängende Alvarinho-Anlage Portugals, ergänzt durch weitere Parzellen im Lima-Tal für Loureiro und in der Unterregion Baião am Douro für Avesso. Bereits mit seinem ersten eigenen Jahrgang wurde Mendes vom portugiesischen Weinmagazin Revista de Vinhos zum Winzer des Jahres gekürt, eine Auszeichnung, die er seither mehrfach wiederholte. Favino.de führt ausgewählte Weine von Anselmo Mendes aus Vinho Verde im Sortiment.

Das Weingut

Anselmo Mendes wuchs in Monção im äußersten Norden Portugals als Kind einer Landwirtsfamilie auf, die wie die meisten Familien der Region nebenbei etwas Wein für den Eigenbedarf anbaute und die Trauben ansonsten an die örtliche Genossenschaft lieferte. Mit 18 Jahren ging er zum Studium der Agrarwissenschaften nach Lissabon, wo seine Leidenschaft für den Weinbau zunehmend wuchs, geprägt durch seine akademischen Lehrer Pedro Belchior und Virgílio Loureiro. Nach dem Abschluss 1987 sammelte er zunächst Erfahrung bei der Comissão de Viticultura Regional dos Vinhos Verdes, bevor er 1988 zum bekannten Handelshaus Sociedade dos Vinhos Borges wechselte, wo er als erster verantwortlicher Önologe des Betriebs unschätzbare Erfahrungen in der Weinproduktion sammelte, eine Beratungsfunktion, die er bis heute innehat. Parallel dazu beriet er weitere Weingüter in Portugal, darunter Gaivosa im Douro-Tal und Quinta do Ameal in Vinho Verde, und avancierte zu einem der gefragtesten önologischen Berater des Landes. 1998 wagte Mendes schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit und produzierte mit dem Muros de Melgaço Alvarinho seinen ersten eigenen Wein, zunächst noch aus gepachteten Rebflächen in der Zone Monção e Melgaço. Sein konsequent trockener, mineralischer und ernsthafter Stil, damals höchst ungewöhnlich für die Region, verschaffte ihm auf Anhieb die Auszeichnung zum Winzer des Jahres sowie den bis heute gültigen Spitznamen "Mr. Alvarinho". Seit 2023 arbeitet Mendes zudem in einer Partnerschaft mit dem renommierten Portwein-Haus Symington zusammen, gemeinsam mit seinem Sohn Tiago, der ihm mittlerweile tatkräftig zur Seite steht und die Zukunft des Familienbetriebs mitgestaltet.

Die Lage und das Terroir

Die Region Vinho Verde im äußersten Nordwesten Portugals bildet topografisch ein nach Westen zum Atlantik geöffnetes Amphitheater, durch das feuchte, regenreiche Westwinde einströmen, im Jahresdurchschnitt fallen hier rund 1.200 Millimeter Niederschlag, deutlich mehr als etwa im deutschen Rheingau. Die Unterregionen Monção und Melgaço im äußersten Nordosten der Zone profitieren jedoch von einer schützenden Bergkette, die die Gebiete von den stärksten atlantischen Regenwinden abschirmt und dadurch höhere Reifegrade ermöglicht, die Voraussetzung für perfekt ausbalancierte Alvarinho-Weine. Die Böden unterscheiden sich dabei innerhalb der beiden Unterregionen deutlich: Melgaço ist von porphyrischen Granitböden geprägt, während in Monção vorwiegend Kalksteinböden vorherrschen, eine Kombination, die den Weinen ihre charakteristische mineralische Note verleiht. Mendes bewirtschaftet seine Rebflächen bewusst am traditionellen Guyot- oder Cordon-System statt der in der Region sonst üblichen Pergola-Erziehung und setzt zunehmend auf Biodiversität im Weinberg durch Gründüngung und die gezielte Pflanzung verschiedener Baumarten rund um seine Quinta da Torre. Sein Herzstück, die rund 50 Hektar große Alvarinho-Anlage der Quinta da Torre, gilt als die größte zusammenhängende Fläche dieser Rebsorte in ganz Portugal.

Der Weinstil und das Sortiment

Im Zentrum des Sortiments steht die Rebsorte Alvarinho, die dem Wein Körper, Dichte und Struktur verleiht und in Portugal als die eleganteste weiße Rebsorte gilt. Ergänzt wird sie durch Loureiro aus dem südlicher gelegenen Lima-Tal, die für eine besonders intensive, blumige Aromatik sorgt, sowie durch Avesso aus der Unterregion Baião am Ufer des Douro, die dem Wein Säure und mineralischen Charakter verleiht. Alle Weine von Anselmo Mendes werden ausnahmslos trocken ausgebaut, ein bewusster Kontrast zum international verbreiteten Bild des leicht süßlichen, spritzigen Vinho Verde. Die Einstiegslinie Pássaros bietet einen zugänglichen, fruchtbetonten Einstieg in die 3 charakteristischen Rebsorten der Region, während die Linie Muros Antigos, übersetzt "alte Mauern", unoxidativ und ohne Holzeinsatz vinifiziert wird, mit langsamer, kühler Gärung bei indigenen Hefen und rund 4 Monaten Hefekontakt, was den Weinen Frische bei gleichzeitiger Konzentration und sortentypischem Charakter verleiht. Darüber hinaus experimentiert Mendes seit Jahrzehnten mit unterschiedlichem Schalenkontakt bei Alvarinho, von der Curtimenta mit nur 1 bis 2 Tagen Maischestandzeit, die dem Wein eine feine, an Orangenschale erinnernde Bitternote und lebendige Tannine verleiht, bis zum vollständig als Orange Wine vinifizierten Tempo mit rund einem Monat Standzeit auf Schalen und Stielen. Als Premiumlinien gelten die reinsortigen, maischevergorenen und im französischen Barrique ausgebauten Weine Parcela Única, Curtimenta und Expressões, während die neuere Cuvée A Torre, entstanden aus den besten Trauben verschiedener Bodentypen der Quinta da Torre, international regelmäßig Höchstbewertungen erhält. Insgesamt produziert das Weingut jährlich rund 700.000 Flaschen, die unter anderem nach Schweden, Belgien, England und Brasilien exportiert werden.

Warum Favino

Anselmo Mendes passt hervorragend in das Favino-Sortiment, weil kaum ein anderer Winzer so konsequent bewiesen hat, dass eine ganze Weinregion neu gedacht werden kann. Wo Vinho Verde international lange als einfacher, leicht süßlicher Sommerwein wahrgenommen wurde, zeigt Mendes seit über 35 Jahren, dass aus derselben Rebsorte auch mineralische, alterungsfähige Weißweine von internationalem Weltklasseniveau entstehen können. Seine kontinuierliche Experimentierfreude, von unterschiedlichen Schalenkontaktzeiten bis zum gezielten Barrique-Einsatz bei einer traditionell unkomplizierten Rebsorte, gepaart mit seiner tiefen Verwurzelung in der Herkunftsregion Monção, macht ihn zu einem Winzer, der Innovation und Terroir-Treue nicht als Gegensatz begreift. Für Favino steht Anselmo Mendes damit exemplarisch für portugiesischen Weißwein, der weit über das gängige Klischee hinausgeht.

Häufig gestellte Fragen zu Anselmo Mendes

Wo liegt das Weingut Anselmo Mendes? Das Weingut liegt in der Gemeinde Melgaço in der Unterregion Monção e Melgaço der DOC Vinho Verde im äußersten Norden Portugals, nahe der Grenze zum spanischen Galicien.

Warum wird Anselmo Mendes "Mr. Alvarinho" genannt? Der Spitzname geht auf seine Pionierarbeit seit den 1980er Jahren zurück, als er als einer der Ersten das Potenzial der Rebsorte Alvarinho für ernsthafte, trockene und mineralische Weißweine erkannte und konsequent umsetzte.

Welche Rebsorten baut Anselmo Mendes an? Im Zentrum steht Alvarinho, ergänzt durch Loureiro aus dem Lima-Tal und Avesso aus der Unterregion Baião am Douro, wobei alle Weine trocken ausgebaut werden.

Was ist die Linie Muros Antigos? Muros Antigos, übersetzt "alte Mauern", ist eine unoxidative, ohne Holz ausgebaute Weinlinie mit langsamer, kühler Gärung und rund 4 Monaten Hefekontakt, die Frische mit sortentypischer Konzentration verbindet.

Was bedeutet Curtimenta bei Anselmo Mendes? Curtimenta bezeichnet einen Alvarinho mit kurzem, 1- bis 2-tägigem Schalenkontakt während der Maischegärung, wodurch der Wein eine feine Bitternote und lebendige Tannine erhält, ohne die typische Schwere eines vollständigen Orange Wine.

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