Kategorie: Belondrade

Der Verdejo, der Rueda auf die Weinkarte brachte

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Als ein Franzose auf der kastilischen Hochebene erstmals einen im Barrique vergorenen Verdejo abfüllte, hielt kaum jemand in Spanien das für eine gute Idee. Die Kritiken bewiesen das Gegenteil, und Rueda hatte über Nacht einen Platz an der Tafel der großen Weißweine der Welt.

Auf einen Blick

Belondrade ist ein Weingut in La Seca in der DOP Rueda auf der kastilischen Hochebene, gegründet 1993 von Didier Belondrade und seiner damaligen Frau Brigitte Lurton, aus deren berühmter Bordeaux-Winzerfamilie der zweite Teil des Namens stammt. Der erste Jahrgang des Signature-Weins Belondrade y Lurton entstand 1994 und kam 1996 auf den Markt, ein reinsortiger Verdejo, fassvergoren und auf der Hefe ausgebaut nach dem Vorbild großer weißer Burgunder, ein Ansatz, für den sich zuvor niemand in Rueda gewagt hatte. Der Wein schlug von Beginn an ein und verschaffte der Region einen Platz unter den wenigen spanischen Weißweinen von internationalem Format. Das Weingut Quinta San Diego in La Seca, entworfen vom französischen Architekten Vincent Dufos du Rau, wurde im Jahr 2000 eröffnet und umfasst heute 22 Parzellen auf rund 40 Hektar, die seit 2010 offiziell biologisch zertifiziert sind. Die Jahresproduktion des Hauptweins liegt bei rund 80.000 bis 100.000 Flaschen, was Belondrade trotz internationaler Bekanntheit zu einem vergleichsweise kleinen, konsequent qualitätsorientierten Betrieb macht. Favino.de führt Weine von Belondrade aus Rueda im Sortiment.

Die Idee eines Franzosen in Spanien

Didier Belondrade, geboren 1951 in der Nähe von Toulouse, arbeitete zunächst bei Air France, entwickelte jedoch bereits Anfang der 1990er Jahre eine tiefe Leidenschaft für Spanien und den spanischen Wein. Den entscheidenden Moment beschreibt er selbst als Verkostung eines ungewöhnlichen, ihm zugesandten Verdejo im Jahr 1993, ein Wein mit Finesse und Eleganz sowie einer charakteristischen, leicht bitteren Note, die ihn sofort faszinierte. Auf seiner nächsten Spanienreise besuchte er daraufhin erstmals Rueda und erkannte in den steinigen Böden der Region eine Ähnlichkeit zur Rhône, während die großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht während der Reifezeit ideale Voraussetzungen für eine kräftige, natürliche Säure boten. Zu einer Zeit, als in Spanien kaum jemand über Weißweine sprach, ließ sich Belondrade in Nava del Rey nieder und gründete gemeinsam mit seiner damaligen Frau Brigitte Lurton, aus der renommierten Bordeaux-Winzerfamilie, sowie deren Cousins, den bekannten "fliegenden Winzern" Jacques und François Lurton, das Weingut. Sein önologischer Berater Jacques Lurton legte mit dem ersten Jahrgang 1994 die Grundlage für einen in der Region bis dahin unbekannten Weinstil. 1998 zog Didier Belondrade dauerhaft nach Spanien, wo er seither lebt und das Weingut nach der späteren Trennung von Brigitte Lurton eigenständig weiterführt.

Philosophie und Vinifikation

Das erklärte Ziel von Belondrade war und ist es, Weißweine mit echter Tiefe, Struktur und Reifepotenzial zu erzeugen, Weine, die über die jugendliche Frische eines typischen Rueda-Verdejo hinaus eine eigenständige Persönlichkeit entwickeln. Die Trauben für den Belondrade y Lurton stammen von 10 bis 75 Jahre alten, von Hand gelesenen Rebstöcken der eigenen Lage Quinta San Diego, deren 22 Parzellen sich über unterschiedliche Bodentypen erstrecken, von sandigem Kalk bis zu steinigem, tonhaltigem Schwemmland. Seit rund 2005 bis 2007 setzt das Weingut zudem konsequent auf Spontangärung mit eigens entwickelten, weinbergseigenen Hefekulturen, ein bewusster Bruch mit der in Rueda sonst verbreiteten Praxis kontrollierter Reinzuchthefen. Vergoren und ausgebaut wird der Wein in französischen Eichenfässern, überwiegend neuen 300- bis 500-Liter-Barriques, wobei jede Parzelle separat vinifiziert wird, um den individuellen Charakter jeder Lage getrennt herauszuarbeiten. Nach rund 9 bis 12 Monaten im Fass, mit 2 Verkostungsdurchgängen im Januar und Juli zur Selektion der besten Fässer, erfolgt die finale Assemblage, eine präzise Komposition aus rund einem Dutzend unterschiedlicher Fasslose, die Eleganz, Balance und Textur zu einem harmonischen Ganzen vereint. Das Ergebnis ist ein Verdejo von seltener Tiefe mit Noten von reifen Birnen, weißen Blüten, Kräutern und dezenten Röstaromen, getragen von feiner Cremigkeit und einer perfekt eingebundenen Säure, die dem Wein Länge und ein für Verdejo ungewöhnliches Alterungspotenzial verleihen.

Terroir und Klima

Rueda liegt auf einer Hochebene in rund 700 bis 750 Metern Höhe nordwestlich von Madrid, verteilt auf die Provinzen Valladolid, Segovia und Ávila. Die Lagen von Belondrade befinden sich im sogenannten Golden Triangle von Rueda, wobei das weitgehend fehlende Gebirge in der unmittelbaren Umgebung eine gute Luftzirkulation begünstigt und die Ansammlung von Feuchtigkeit verhindert, ideale Bedingungen für einen konsequent biologischen Weinbau. Heiße, trockene Tage wechseln sich mit kühlen Nächten ab, ein kontinentales Klima, das aromatische, konzentrierte Trauben mit lebendiger, frischer Säure hervorbringt. Bereits früh entschied sich Didier Belondrade gegen den Einsatz von Pestiziden und chemischen Produkten, bis das Weingut 2010 schließlich die offizielle Bio-Zertifizierung erhielt. Die autochthone Verdejo-Traube, heimisch in dieser Subzone der kastilischen Hochebene, findet gerade in diesem kontinentalen Klima und auf den kargen, humusarmen Böden aus Ton, Sand und Geröll ihre größtmögliche Ausdruckskraft.

Das Sortiment

Der Belondrade y Lurton bildet das unangefochtene Aushängeschild des Weinguts, ein zu mindestens 95 Prozent aus Verdejo gekelterter Wein, ergänzt durch geringe Anteile weiterer weißer Sorten, der nach rund 9 bis 12 Monaten Fassreife und weiterer Flaschenreife auf den Markt kommt und regelmäßig zu den besten Barrique-Weißweinen der gesamten Iberischen Halbinsel gezählt wird. Als Zweitwein etablierte sich die Quinta Apolonia, benannt nach einer von Didiers Töchtern, ein anderer Zugang zu Verdejo, der Frische und Struktur verbindet, teils im Barrique, teils im Edelstahltank ausgebaut, und der zugleich eine zusätzliche Selektionsmöglichkeit für die besten Fasslose des Hauptweins bietet. Ergänzt wird das Sortiment durch den Rosado Quinta Clarisa, benannt nach einer weiteren Tochter, eine limitierte Cuvée aus einer mit Tempranillo bestockten Einzellage. 2012 eröffnete Belondrade einen neuen, spektakulären Fasskeller als bewusst neutrale, unbeeinflusste Umgebung für die Vinifikation, und 2015 gründete der kunstversessene Didier Belondrade zusätzlich eine eigene Art & Wine Foundation, die sein Engagement weit über den reinen Weinbau hinaus verdeutlicht.

Warum Favino

Belondrade passt hervorragend in das Favino-Sortiment, weil kaum ein anderes Weingut so eindrucksvoll bewiesen hat, dass eine ganze Rebsorte neu gedacht werden kann. Wo Verdejo zuvor überwiegend als frischer, unkomplizierter Sommerwein galt, zeigte Didier Belondrade mit burgundischer Handwerkskunst, dass dieselbe Traube auch Tiefe, Struktur und jahrzehntelanges Reifepotenzial entwickeln kann. Die konsequente parzellenweise Vinifikation, der frühe Umstieg auf biologischen Weinbau sowie die Geduld und Präzision, die jeder Jahrgang erfordert, machen Belondrade zu einem Referenzpunkt für spanischen Weißwein auf höchstem Niveau. Für Favino steht das Weingut damit exemplarisch für die Verbindung französischer Winzerkunst mit spanischer Terroir-Identität.

Häufig gestellte Fragen zu Belondrade

Wer gründete das Weingut Belondrade? Belondrade wurde 1993 vom Franzosen Didier Belondrade gemeinsam mit seiner damaligen Frau Brigitte Lurton aus der bekannten Bordeaux-Winzerfamilie gegründet, deren Namen der Signature-Wein Belondrade y Lurton bis heute trägt.

Warum gilt Belondrade y Lurton als Revolution für Rueda? Der 1994 erstmals produzierte, im französischen Barrique vergorene Verdejo war der erste seiner Art in der Region und bewies, dass die Rebsorte Tiefe, Struktur und Reifepotenzial jenseits des klassischen frischen Sommerweinstils entwickeln kann.

Ist Belondrade biologisch zertifiziert? Ja, das Weingut stellte den Weinbau bereits früh auf Pestizidverzicht um und erhielt 2010 die offizielle Bio-Zertifizierung für seine 40 Hektar umfassende Lage Quinta San Diego.

Wie wird der Belondrade y Lurton hergestellt? Die Trauben werden parzellenweise gelesen und getrennt in französischen Eichenfässern spontan vergoren, bevor nach rund 9 bis 12 Monaten Fassreife eine präzise Assemblage aus den besten Fasslosen erfolgt.

Was ist die Quinta Apolonia? Die Quinta Apolonia ist der Zweitwein des Hauses, benannt nach einer der Töchter Didier Belondrades, der Frische und Struktur verbindet und teils im Barrique, teils im Edelstahltank ausgebaut wird.

Wie schmeckt der Belondrade y Lurton? Typisch sind Noten von reifen Birnen, weißen Blüten und Kräutern, ergänzt durch dezente Röstaromen, mit feiner Cremigkeit, gut eingebundener Säure und beachtlichem Alterungspotenzial.