In den frühen 1990er Jahren sorgte ein junger Winzersohn in Langenlois für echten Aufruhr: Er füllte Österreichs Sortenheiligtum, den Grünen Veltliner, ins Barrique und redete dem damals noch exotischen Chardonnay das Wort. Heute gilt Fred Loimer als einer der international bekanntesten Botschafter des österreichischen Weins.
Auf einen Blick
Das Weingut Fred Loimer liegt in Langenlois im niederösterreichischen Kamptal, wurde ursprünglich 1962 gegründet und wird seit 1997/1998 von Fred Loimer geleitet, der nach seiner Ausbildung an der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg in den elterlichen Betrieb einstieg. Bereits im Jahr 2000 errichtete er auf einem 150 Jahre alten, von Hand gegrabenen Lösskeller einen minimalistischen schwarzen Kubus, der zum Wahrzeichen einer neuen österreichischen Weinarchitektur wurde. Das Weingut bewirtschaftet heute rund 85 Hektar Rebfläche, davon 80 Prozent weiße Sorten, allen voran Grüner Veltliner mit rund 50 Prozent und Rheinriesling mit rund 20 Prozent, ergänzt durch Grauburgunder, Chardonnay und als wichtigste Rotweinsorte Pinot Noir. Seit 2006 stellte Fred Loimer seine Weingärten in Langenlois und im 2004 gepachteten Gumpoldskirchen auf biologisch-dynamische Landwirtschaft um und gründete 2007 gemeinsam mit Kollegen die Zertifizierungsgemeinschaft respekt-BIODYN. Die besten Weine stammen aus den von den Österreichischen Traditionsweingütern als Erste Lage klassifizierten Rieden Heiligenstein, Steinmassl, Seeberg und Käferberg.
Vom Rebellen zum Biodynamiker
Fred Loimer stammt aus einer traditionsreichen Langenloiser Winzerfamilie und sorgte bereits als junger Absolvent Anfang der 1990er Jahre für Aufsehen, als er den Grünen Veltliner, Österreichs Sortenheiligtum, entgegen der damaligen Konvention im Barrique ausbaute und sich zudem für die international geprägte Sorte Chardonnay einsetzte, zu einer Zeit, als beides in der konservativen Weinbauregion für Irritation sorgte. Nach seinem offiziellen Einstieg ins Familienweingut 1997/1998 setzte er diesen kompromisslosen Erneuerungskurs konsequent fort und ließ im Jahr 2000 auf dem historischen Lösskeller des Betriebs einen minimalistischen, schwarzen Kubus errichten, der dem beschaulichen Kellergassen-Ensemble Langenlois' völlig neue architektonische Akzente verlieh. Sein größter Wendepunkt kam jedoch 2006, als Fred Loimer die Umstellung auf biodynamischen Weinbau einleitete, überzeugt davon, dass nur naturnaher Weinbau wirklich individuelle Weine mit regionalem Charakter hervorbringen kann. 2007 gründete er gemeinsam mit gleichgesinnten Kollegen respekt-BIODYN, eine Zertifizierungsgemeinschaft, die ihm wichtiger war als das etablierte Demeter-Siegel, da sie neben biodynamischer Weinbergsarbeit auch verbindliche Qualitätsstandards im Keller einfordert. Diese Umstellung veränderte nicht nur seine Weine, sondern nach eigener Aussage auch ihn selbst als Winzer: In der Biodynamie stehe der Mensch im Zentrum, wodurch die emotionale Verbindung zur eigenen Arbeit spürbar wachse. Gemeinsam mit seiner Frau Birgit führt Fred Loimer das Weingut heute als das, was er selbst einen "geschlossenen Betriebsorganismus" nennt, einen Betrieb, der möglichst alle Elemente der landwirtschaftlichen Produktion, von Tieren über Pflanzen bis zu Naturpräparaten, in sich selbst hervorbringt.
Die Lage und das Terroir
Langenlois, benannt nach dem Kampfluss und mit der größten Rebfläche der Stadt im gesamten Kamptal, liegt in einer klimatisch kühlen Zone, in der sich pannonische Wärme aus dem Osten und kühlere, waldreiche Einflüsse aus dem Waldviertel im Norden begegnen. Die Rebflächen von Fred Loimer wachsen auf einer außergewöhnlich abwechslungsreichen Bodenpalette aus Löss, Lehm, Urgestein und Kalkstein, die in Kombination mit dem kühlen Kamptaler Klima ideale Voraussetzungen für charaktervolle, vielschichtige Weine schafft. Zu den bedeutendsten Lagen zählt der Zöbinger Heiligenstein, eine der berühmtesten Rieden Österreichs auf einem geologisch einzigartigen Wüstensandstein- und Konglomeratboden, der Rieslingen von außergewöhnlicher Würze und Mineralität Ausdruck verleiht. Ergänzt wird das Terroir-Portfolio durch die Rieden Steinmassl, Seeberg und Käferberg, allesamt von den Österreichischen Traditionsweingütern als Erste Lage klassifiziert. 2004 erweiterte Fred Loimer sein Wirkungsgebiet zusätzlich um die Thermenregion, als er in Gumpoldskirchen die Rieden des ehemaligen Weinguts Schellmann pachtete, wo er seither mit eigenständigen Weinstilen experimentiert, unter anderem mit Blanc de Noirs aus lokalen roten Rebsorten.
Das Sortiment
Die klassischen Lagen-Rieslinge und Grünen Veltliner aus dem Kamptal bilden das stilistische Fundament des Sortiments, geprägt von Präzision, Klarheit und einer Mineralität, die an nassen Kalkstein erinnert, beim Grünen Veltliner mit einer Eleganz, die bewusst weit von den pfeffrig-rustikalen Klischees der Sorte entfernt ist. Daneben produziert Fred Loimer unter dem ironischen Label "mit Achtung!" eine Reihe naturnaher, weniger klassisch ausgebauter Weine: spontan mit natürlicher Hefe vergoren, mit teils wochen- bis monatelangem Maischekontakt, geduldig gereift und ohne önologische Eingriffe oder Zusätze, ein bewusster Warnhinweis an alle, die glattgebügelte Standardweine erwarten. Seit 2013 produziert das Weingut zudem international renommierte Schaumweine nach der traditionellen Flaschengärung, die mittlerweile rund 15 Prozent der Gesamtproduktion ausmachen und sich durch Vielschichtigkeit, Tiefe, Salzigkeit und Frische auszeichnen. 2018 brachte Fred Loimer seine erste Große Reserve Blanc de Blancs aus Langenlois auf den Markt, gefolgt von einem Blanc de Noirs aus Gumpoldskirchen, mit langer Hefelagerung und konsequentem Verzicht auf Dosage-Zucker. Diese puristische Sekt-Linie wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als Sekt des Jahres beim Gault&Millau für den Langenlois Große Reserve Blanc de Blancs Brut Nature.
Häufig gestellte Fragen zum Weingut Fred Loimer
Wo liegt das Weingut Fred Loimer? Das Weingut liegt in Langenlois im niederösterreichischen Kamptal, mit zusätzlichen Rebflächen seit 2004 in Gumpoldskirchen in der Thermenregion.
Seit wann führt Fred Loimer das Weingut? Fred Loimer stieg 1997/1998 in den 1962 gegründeten Familienbetrieb ein und prägte ihn seither mit einer konsequenten Neuausrichtung auf Qualität und Naturnähe.
Ist das Weingut Fred Loimer biodynamisch zertifiziert? Ja, seit 2006 wird biologisch-dynamisch gewirtschaftet, Fred Loimer ist zudem 2007 Gründungsmitglied der Zertifizierungsgemeinschaft respekt-BIODYN.
Welche sind die wichtigsten Lagen des Weinguts? Zu den von den Österreichischen Traditionsweingütern als Erste Lage klassifizierten Rieden zählen Heiligenstein, Steinmassl, Seeberg und Käferberg.
Was bedeutet das Label "mit Achtung!"? Unter diesem Namen vermarktet Fred Loimer seine naturnahen, spontan vergorenen Weine mit langem Maischekontakt und ohne önologische Zusätze, ein ironischer Warnhinweis an Liebhaber klassisch glattgebügelter Weine.
Produziert Fred Loimer auch Sekt? Ja, seit 2013 entstehen nach traditioneller Flaschengärung hergestellte Schaumweine, darunter die mehrfach ausgezeichnete Große Reserve Blanc de Blancs aus Langenlois.