Bereits im 12. Jahrhundert schenkte jemand dem Kloster Disibodenberg einen Weinberg, der heute als kalkreichste Lage Deutschlands gilt. Die Brüder Tobias und Björn Knewitz bewirtschaften diese Parzelle heute mit einer Präzision, die sie binnen weniger Jahre in den VDP katapultierte.
Auf einen Blick
Das Weingut Knewitz liegt in Appenheim im Welzbachtal im nördlichen Rheinhessen, einer bislang eher unterschätzten Unterregion, die weniger bekannt ist als der Wonnegau oder der Rote Hang. Der Betrieb wird von den Brüdern Tobias und Björn Knewitz gemeinsam geführt, Tobias gemeinsam mit seiner Frau Corina, wobei der Grundstock des heutigen Weinguts bereits vom Vater der Brüder gemeinsam mit ihrer Großmutter gelegt wurde. Das Weingut bewirtschaftet rund 25 Hektar Rebfläche, verteilt auf 6 Einzellagen: Hundertgulden und Eselspfad in Appenheim, Honigberg und Steinacker in Nieder-Hilbersheim sowie Goldberg und Laurenziberg in Gau-Algesheim. 2021/2022 wurde Knewitz in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter aufgenommen. Die Böden bestehen überwiegend aus kargem Korallenkalk, ein Relikt eines rund 65 Millionen Jahre alten Urmeeres, das den Weinen ihre charakteristische salzig-mineralische Note verleiht.
Eine Familiengeschichte mit klarem Vorbild
Die Wurzeln des heutigen Weinguts liegen beim Vater der Brüder Tobias und Björn Knewitz, der ihnen gemeinsam mit ihrer Großmutter die Liebe zum Wein vermittelte und den Grundstock für den heutigen Betrieb legte. Während ihrer Ausbildung ließen sich die Brüder von mehreren Vorbildern der deutschen und internationalen Weinszene inspirieren, darunter Kommilitonen wie Friedrich Keller vom badischen Weingut Franz Keller sowie Julian Huber. Besonders prägend war für Tobias Knewitz ein Praktikum bei Philipp Wittmann, der ihn für Themen wie Terroir-Riesling und ökologischen Weinbau sensibilisierte, ergänzt durch die Bewunderung für das Lebenswerk und die Konstanz von Winzerlegenden wie Helmut Dönnhoff und dem verstorbenen Bernhard Breuer. Mit dieser Mischung aus familiärem Erbe und externer Inspiration bauten Tobias und Björn Knewitz den Betrieb systematisch aus und konzentrierten sich früh auf ein klares Ziel: die bislang wenig bekannte Region rund um Appenheim und das Welzbachtal im nördlichen Rheinhessen stärker ins Bewusstsein der Weinwelt zu rücken. Diese konsequente Arbeit trug Früchte, 2021/2022 sprach der VDP eine Einladung zur Mitgliedschaft aus, womit das junge Weingut in die erste Liga der deutschen Prädikatsweingüter aufstieg.
Die Lage und das Terroir
Appenheim liegt im Welzbachtal im nördlichen Rheinhessen, wo die Böden von einem urzeitlichen Meer geprägt sind, das vor rund 65 Millionen Jahren über die Region hinwegzog und bis heute Spuren in Form von Muschelkalk und fossilen Ablagerungen hinterlassen hat. Die wertvollste Lage des Weinguts, Hundertgulden, wurde bereits im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, als sie dem Kloster Disibodenberg geschenkt wurde, ihren heutigen Namen erhielt sie im 14. Jahrhundert nach einem Verkauf für eine stattliche Summe rheinischer Gulden. Der Weinberg gilt bis heute als eine der besten Lagen Rheinhessens und ist die kalkreichste Einzellage Deutschlands überhaupt. Die zweite Appenheimer Lage, Eselspfad, wurde erstmals 1375 urkundlich erwähnt und trägt ihren Namen von den früher dort verlaufenden schmalen Eseltreibpfaden zu einer Mühle, ihr Untergrund besteht aus einer Kalksteinbasis mit leichter Löss-Lehm-Auflage. Ergänzt wird der Besitz durch Honigberg und Steinacker in Nieder-Hilbersheim sowie Goldberg und Laurenziberg in Gau-Algesheim, allesamt auf demselben kalkigen Grundgestein, jedoch mit jeweils eigenständigem Unterboden, Oberboden, Exposition und Charakter im fertigen Wein. Das relativ kühle Klima der Region in Kombination mit dem kargen Korallenkalk begünstigt elegante, vibrierende Weine mit klarer, unverwechselbarer Handschrift.
Der Weinstil und das Sortiment
Riesling bildet, wie in weiten Teilen Rheinhessens üblich, die Hauptrolle im Sortiment von Knewitz und zeigt sich auf dem kargen Korallenkalk knackig, strukturiert und salzig-mineralisch mit deutlichem Zug am Gaumen. Ergänzt wird das Sortiment durch reduktiv ausgebaute Chardonnays und Weißburgunder mit klarer Kalkprägung und burgundischer Anmutung. Einen vorläufigen Höhepunkt markierte der Riesling aus der Lage Honigberg, der mit dem Jahrgang 2024 erstmals als VDP.Grosses Gewächs abgefüllt wurde und auf Anhieb zu den besten Rieslingen des Jahrgangs zählte. Für Tobias und Björn Knewitz gilt Riesling dabei als die bedeutendste aller weißen Rebsorten, da keine andere Traube Boden, Klima, Ausrichtung, Hangneigung und Witterungsverlauf eines Jahrgangs derart präzise abzubilden vermag und zugleich ein Reifepotenzial über Jahrzehnte, mitunter sogar Jahrhunderte, besitzt. Die Weine des Hauses zeichnen sich durchgängig durch ihre charakteristische Salzigkeit, spürbaren Druck am Gaumen, ein feines Säurenetz sowie eine markante, hauseigene Würze aus, feingliedrige, subtile, kühle und puristische Weine, die stets als Spiegelbild ihrer nördlich-rheinhessischen Herkunft gedacht sind.
Häufig gestellte Fragen zum Weingut Knewitz
Wo liegt das Weingut Knewitz? Das Weingut liegt in Appenheim im Welzbachtal im nördlichen Rheinhessen, mit weiteren Lagen in Nieder-Hilbersheim und Gau-Algesheim.
Wer führt das Weingut? Die Brüder Tobias und Björn Knewitz führen den Betrieb gemeinsam, Tobias zusammen mit seiner Frau Corina.
Was ist die Lage Hundertgulden? Hundertgulden gilt als kalkreichste Einzellage Deutschlands, erstmals im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt, als sie dem Kloster Disibodenberg geschenkt wurde.
Seit wann ist Knewitz Mitglied im VDP? Das Weingut wurde 2021/2022 in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter aufgenommen.
Welche Böden prägen die Weinberge von Knewitz? Die Böden bestehen überwiegend aus kargem Korallenkalk, einem Relikt eines rund 65 Millionen Jahre alten Urmeeres, das den Weinen ihre salzig-mineralische Note verleiht.
Welche Rebsorten stehen im Zentrum des Sortiments? Riesling bildet die Hauptrolle, ergänzt durch reduktiv ausgebaute Chardonnays und Weißburgunder mit burgundischer Anmutung.