Fernando Remírez de Ganuza hatte keine önologische Ausbildung, dafür aber fast 2 Jahrzehnte Erfahrung im An- und Verkauf von Weinbergen. Diese Kenntnis der Rioja Alavesa wurde sein Geheimrezept: Er wusste genau, welche alten Parzellen wirklich etwas taugten, und erfand für sie eine Selektionsmethode, die es in der Region zuvor nicht gab.
Auf einen Blick
Bodega Remírez de Ganuza liegt im historischen Zentrum von Samaniego in der Rioja Alavesa, gegründet 1989 von Fernando Remírez de Ganuza, der zuvor knapp 2 Jahrzehnte als Vermittler beim An- und Verkauf von Weinbergen tätig war und dadurch ein außergewöhnliches Wissen über die besten Parzellen der Region gesammelt hatte. Ohne formale önologische Ausbildung, aber mit kreativem und mutigem Charakter, setzte er sich zum Ziel, Weine mit äußerst sorgfältiger Traubenselektion zu erzeugen, um im Keller so wenig wie möglich eingreifen zu müssen. Die Bodega besitzt heute rund 80 Hektar eigene Rebfläche, verteilt auf über 200 Parzellen in 9 Gemeinden am Fuß der Sierra Cantabria, darunter Samaniego, Leza, Elciego, Laguardia, Labastida und San Vicente de la Sonsierra, mit einem Durchschnittsalter der Rebstöcke von rund 60 Jahren, manche Stöcke sind bis zu 90 Jahre alt. Fernando Remírez de Ganuza verstarb 2024 im Alter von 72 Jahren, nachdem er noch die Ernte desselben Jahres persönlich geleitet hatte, die Bodega wird seither von José Ramón Urtasun weitergeführt, der über Jahre eng mit ihm zusammenarbeitete.
Herkunft und Idee
Während seiner Zeit als Weinbergsvermittler bemerkte Fernando Remírez de Ganuza, wie wenig Sorgfalt in der Region bei der Sortierung und Handhabung der Trauben aufgewendet wurde. Instinktiv überzeugt, dass nur beste Trauben Weine mit echter Langlebigkeit hervorbringen können, investierte er als Erstes in einen Selektionstisch, die Bodega war damit die erste in ganz Rioja, die ein Selektionsband installierte und konsequent Trauben minderer Qualität aussortierte und auf den Boden warf, statt sie mitzuverarbeiten. Diese innovative, unerschrockene Herangehensweise, kombiniert mit der sorgfältigen Auswahl alter Weinbergsparzellen, machte Remírez de Ganuza in den 1990er Jahren gemeinsam mit Häusern wie Artadi, Eguren, Roda, Finca Allende und Contador zu einem der prägenden Namen der modernen Rioja-Bewegung. Fernando wurde dabei rasch als moderner Erzeuger wahrgenommen, aufgrund seines Einsatzes von neuer französischer Eiche und seines Bruchs mit etablierten Konventionen, doch hinter diesem Image standen vor allem seine akribische Weinbergspflege, die konsequente Arbeit mit klassischen Rioja-Rebsorten und eine tiefe, lebenslange Leidenschaft für den Wein. Pablo Álvarez, Geschäftsführer von Vega Sicilia, beschrieb ihn nach seinem Tod als großen Bodeguero und Freund, dessen professionelles wie menschliches Vermächtnis bereits Teil der Geschichte der Rioja sei.
Die Lage und das Terroir
Die Weinberge von Remírez de Ganuza liegen in den Ausläufern der Sierra Cantabria, deren welliges Landschaftsbild aus mittelalterlichen Hügeldörfern inmitten von Rebflächen eine große Vielfalt an Böden und Expositionen bietet, ideal, um das Potenzial einzelner Parzellen individuell auszuloten. Die über 200 Parzellen verteilen sich auf 9 Gemeinden, darunter Samaniego, Leza, Elciego, Laguardia, Navaridas, Elvillar, Labastida, Ábalos und San Vicente de la Sonsierra, wobei ein Großteil der ältesten Rebflächen rund um Samaniego selbst konzentriert ist. Das durchschnittliche Alter der Rebstöcke liegt bei rund 60 Jahren, einzelne Parzellen erreichen sogar 90 Jahre, was den Weinen eine natürliche Konzentration und Tiefe verleiht, die junge Anlagen nicht erreichen können. Die Bodega selbst wurde in einem alten Gebäude im historischen Zentrum von Samaniego errichtet und verbindet den rustikalen Charme der traditionellen alavesischen Architektur mit der Hygiene und Ordnung einer hochmodernen Kellerei.
Vinifikation und das Sortiment
Seit ihrer Gründung revolutionierte die Bodega mehrere traditionelle Methoden der Region, sowohl im Weinberg als auch in der Vinifikation. Eines der bemerkenswertesten Verfahren ist die Zweiteilung der Tempranillo-Traubenbüschel: Die Schultern der Trauben, mit perfekter phenolischer Reife, werden für die reiferen, lagerfähigen Weine des Hauses verwendet, während die Spitzen der Büschel für einen jungen Wein mit Kohlensäuremazeration namens Erre Punto vorgesehen sind. Die Lese erfolgt ausschließlich von Hand in 12-Kilogramm-Kisten, gefolgt von einer akribischen, teils 3-stufigen Traubenselektion sowie einer fast schon obsessiven Hygiene während der gesamten Produktion. Der namensgebende Wein Remírez de Ganuza, eine Reserva aus rund 85 Prozent Tempranillo, 10 Prozent Graciano und 5 Prozent Schalen von Viura und Malvasía, entsteht ausschließlich aus den Schultern der besten Traubenbüschel von Rebstöcken mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren, durchläuft malolaktische Gärung und Reifung vollständig in neuer Eiche, überwiegend französischer, ergänzt durch amerikanische Eiche, insgesamt rund 26 Monate. Ergänzt wird das Sortiment durch einen im Barrique gereiften Weißwein sowie einen Reserva aus der Einzellage Viña Coqueta in Samaniego. Die Erstabfüllung des Reserva erfolgte bereits im Gründungsjahr, wurde jedoch nie vermarktet, erst der Jahrgang 1994 erreichte die gewünschte Qualität und wurde erstmals als Gran Reserva verkauft, im selben Jahr stieß mit Jesús Mendoza auch der bis heute amtierende Kellermeister zur Bodega.
Häufig gestellte Fragen zu Remírez de Ganuza
Wer gründete Bodega Remírez de Ganuza? Fernando Remírez de Ganuza gründete die Bodega 1989 in Samaniego, nachdem er zuvor knapp 2 Jahrzehnte als Weinbergsvermittler in der Region tätig war.
Was macht die Selektionsmethode des Hauses besonders? Remírez de Ganuza war die erste Bodega in Rioja, die ein Selektionsband installierte, und trennt zudem die Tempranillo-Traubenbüschel in Schultern und Spitzen für unterschiedliche Weinstile.
Wie groß ist die Rebfläche des Weinguts? Die Bodega besitzt rund 80 Hektar Rebfläche, verteilt auf über 200 Parzellen in 9 Gemeinden am Fuß der Sierra Cantabria, mit einem Rebstock-Durchschnittsalter von rund 60 Jahren.
Wer führt die Bodega heute? Nach dem Tod von Fernando Remírez de Ganuza im Jahr 2024 wird die Bodega von José Ramón Urtasun weitergeführt, der über viele Jahre eng mit dem Gründer zusammenarbeitete.
Was ist der Erre Punto? Erre Punto ist ein junger Wein aus Kohlensäuremazeration, hergestellt aus den Spitzen der Traubenbüschel, während die Schultern für die reiferen, lagerfähigen Weine des Hauses verwendet werden.
Wie wird der Hauptwein Remírez de Ganuza ausgebaut? Die Reserva aus überwiegend Tempranillo, ergänzt durch Graciano und Viura/Malvasía-Schalen, reift rund 26 Monate vollständig in neuer, überwiegend französischer Eiche.