1917, mitten im Ersten Weltkrieg, als Lebensmittel knapp waren, gründete Wilhelm van Nahmen eine Fabrik für rheinisches Apfelkraut, um die notleidende Bevölkerung mit einem energiereichen Lebensmittel zu versorgen. Über 100 Jahre später keltert dieselbe Familie sortenreine Säfte, die Sommeliers und Spitzenköche wie Wein behandeln, glasweise zum Menü ausgeschenkt statt einfach nur ausgeschenkt.
Auf einen Blick
Die Obstkelterei van Nahmen ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Hamminkeln am Niederrhein, gegründet 1917 von Wilhelm van Nahmen zunächst als rheinische Apfelkrautfabrik. 1930 stieg die Familie in die Obstsaftproduktion ein, zunächst als Lohnmosterei für die Landwirte der Region, die bis heute ihre Streuobst-Ernte bei van Nahmen zu Saft vermosten lassen. Heute wird der Betrieb in vierter Generation geführt, seit 2005 von Peter van Nahmen gemeinsam mit seiner Frau Sabine, nachdem sein Vater Rainer van Nahmen 1990 im Alter von 79 Jahren die Leitung an ihn übergeben hatte. Das Unternehmen ist bekannt für sortenreine Direktsäfte aus alten, andernorts kaum mehr verarbeiteten Obstsorten wie Jakob Lebel, Roter Sternrenette und Morellenfeuer, geerntet von hochstämmigen Streuobstwiesen des Niederrheins und angrenzenden Münsterlands. Neben klassischen Säften produziert van Nahmen samtige Nektare, prickelnde Frucht-Seccos sowie Sparkling Juicy Teas aus kalt gebrühtem Bio-Tee. Die Erzeugnisse finden sich mittlerweile in der Sternegastronomie und wurden 2014 mit 17 prämierten Obstsäften von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft ausgezeichnet.
Eine Familiengeschichte seit 1917
Wilhelm van Nahmen gründete den Betrieb 1917 mitten im Ersten Weltkrieg als "Rheinische Apfelkrautfabrik", um mit dem daraus hergestellten Kraut sowie zusätzlichem Rübenkraut die von Nahrungsmittelknappheit betroffene Bevölkerung zu versorgen. Sein Sohn Wilhelm van Nahmen II. leitete 1930 den entscheidenden Wandel ein und begann mit der Produktion von Obstsäften, zunächst als reine Lohnmosterei für lokale Landwirte, später als eigenständiger Abfüller. Während des Zweiten Weltkriegs musste der Betrieb noch einmal auf die Kraut-Produktion zurückgreifen, danach konzentrierte sich Wilhelm II. konsequent wieder auf Saft, mit dem klaren Fokus auf Qualität statt Quantität. Er führte das Unternehmen bis 1990, ehe er die Leitung im Alter von 79 Jahren an seinen ältesten Sohn Rainer übergab, ein Generationswechsel, der für die als bodenständig bekannte niederrheinische Familie keineswegs einfach war. Rainer van Nahmen setzte sich jedoch durch und begann 1994, angeregt durch den Naturschutzbund NABU, mit der Produktion des inzwischen unverzichtbaren Apfelsafts von Streuobstwiesen, gewonnen aus besonders geschmacksintensiven alten Sorten, eine gelungene Verbindung von Ökonomie und Ökologie. 2005 stieg der promovierte Betriebswirt Peter van Nahmen, geboren 1969 in Hamminkeln, offiziell in die Geschäftsführung ein, nachdem er bereits als Kind fest in den elterlichen Betrieb eingebunden war, mit 18 Jahren seine erste Ausbildung zum Fruchtsaft-Techniker absolvierte und anschließend 9 Jahre bei einem deutschen Weinhändler arbeitete, eine Erfahrung, die seinen späteren Blick auf Obstsäfte als eigenständiges Genussprodukt entscheidend prägte. Gemeinsam mit seiner Frau Sabine führt er das Unternehmen heute als eingespieltes Team in vierter Generation.
Terroir und Rohstoffe
Van Nahmen verarbeitet Obst, das andernorts kaum noch jemand anrührt: Sorten wie Jakob Lebel, Rote Sternrenette und Morellenfeuer, gewachsen auf traditionellen, hochstämmigen Streuobstwiesen des Niederrheins und des angrenzenden Münsterlands. Für den Apfelsaft von Streuobstwiesen sowie zahlreiche weitere Produkte kommt ausschließlich spät geerntetes, vollreifes Obst zum Einsatz, da der ausgereifte Geschmack der Früchte für die Qualität des gewonnenen Safts entscheidend ist. In einer eigenen Obstmühle werden die Früchte sorgfältig gemahlen und ausgepresst, ein Verfahren, das van Nahmen bis heute in traditioneller, handwerklicher Manier durchführt, mit hauseigenen Qualitätsstandards, die weit über den gesetzlichen Anforderungen liegen. Auch der Erhalt der alten Obstsorten selbst ist dem Unternehmen ein besonderes Anliegen: 2007 presste van Nahmen erstmals einen puren Saft ausschließlich aus der Roten Sternrenette, limitiert abgefüllt und dadurch eine historische Apfelsorte nicht nur bewahrt, sondern auch sichtbar gemacht.
Das Sortiment
Van Nahmen war der erste Betrieb Deutschlands, der sortenreine Obstsäfte in sein Sortiment aufnahm, und zeigte damit eindrucksvoll, dass ein Apfelsaft aus Roter Sternrenette geschmacklich völlig anders ausfällt als einer aus Boskoop, Gravensteiner oder Jakob Lebel, ganz ähnlich wie unterschiedliche Rebsorten unterschiedliche Weine hervorbringen. Der Morellenfeuer Kirschsaft, ein sortenreiner Sauerkirsch-Direktsaft, zeigt sich rubinrot, beinahe trocken und mit feiner Marzipannote, fast schon mit dem Charakter eines Rotweins. Ergänzt wird das Kernsortiment durch samtige Nektare, etwa aus schwarzer Johannisbeere, deren Rezeptur bereits Firmengründer Wilhelm van Nahmen prägte, sowie durch prickelnde Frucht-Seccos und die neuere Produktlinie Sparkling Juicy Teas, hergestellt aus kalt gebrühtem Bio-Tee. Diese Bandbreite an alkoholfreien Spezialitäten hat van Nahmen zur festen Adresse für anspruchsvolle, sortenreine Säfte in Deutschland gemacht, mittlerweile geschätzt von Spitzenköchen und sogar dem Bundespräsidenten.
Häufig gestellte Fragen zu van Nahmen
Wo liegt die Obstkelterei van Nahmen? Die Kelterei liegt in Hamminkeln am Niederrhein und verarbeitet überwiegend Obst von Streuobstwiesen aus der Region sowie dem angrenzenden Münsterland.
Seit wann besteht das Unternehmen? Wilhelm van Nahmen gründete den Betrieb 1917 zunächst als Apfelkrautfabrik, seit 1930 produziert die Familie Obstsäfte, heute in vierter Generation unter Peter van Nahmen.
Was macht van Nahmen besonders? Das Unternehmen war der erste deutsche Betrieb, der sortenreine Obstsäfte aus alten, kaum noch verbreiteten Obstsorten wie Jakob Lebel oder Roter Sternrenette produzierte.
Was ist der Apfelsaft von Streuobstwiesen? Ein 1994 von Rainer van Nahmen eingeführter Saft aus besonders geschmacksintensiven alten Apfelsorten, angeregt durch den Naturschutzbund NABU zum Erhalt traditioneller Streuobstwiesen.
Produziert van Nahmen auch alkoholische Getränke? Ja, neben Säften und Nektaren stellt die Kelterei auch Apfel-Cidre aus handverlesenen, spät reifenden Äpfeln her.
Wer führt das Unternehmen heute? Peter van Nahmen führt den Betrieb seit 2005 gemeinsam mit seiner Frau Sabine, in vierter Generation der Gründerfamilie.