Als Bettina Bürklin-von Guradze 1990 das 400 Jahre alte Familienweingut übernahm, zweifelten selbst die eigenen Mitarbeiter an ihrem radikalen Kurswechsel hin zur Biodynamie. Heute gilt Dr. Bürklin-Wolf als eines der Weingüter, die maßgeblich zur heutigen Lagenklassifikation des VDP beigetragen haben, und ihr Kirchenstück wird gerne als der "Montrachet der Pfalz" bezeichnet.
Auf einen Blick
Das Weingut Dr. Bürklin-Wolf liegt in Wachenheim an der Weinstraße im Anbaugebiet Pfalz und zählt mit rund 85 bis 86 Hektar Rebfläche zu den größten deutschen Weingütern in Familienbesitz. Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1597 zurück, als Bernhard Bürklin den Betrieb gründete, seinen heutigen Namen erhielt das Weingut 1875 durch die Heirat von Dr. Albert Bürklin mit der Wachenheimerin Luise Wolf. Seit 1990 führt Bettina Bürklin-von Guradze den Betrieb in der Familientradition und leitete ab 2000 schrittweise, ab 2005 vollständig die Umstellung auf biodynamischen Weinbau ein, seit 2008 offiziell durch Biodyvin zertifiziert, als bislang einziges deutsches Mitglied dieser französischen Vereinigung biodynamischer Spitzenweingüter. Rund 80 Prozent der Rebfläche sind mit Riesling bestockt, ergänzt durch Spätburgunder, Weißburgunder und geringe Mengen weiterer Sorten. Das Weingut besitzt über 30 Hektar in klassifizierten Spitzenlagen der Gemeinden Forst, Deidesheim, Ruppertsberg und Wachenheim und ist Mitglied im VDP.
Eine Geschichte seit 1597
Die Geschichte des Weinguts Dr. Bürklin-Wolf beginnt 1597 mit der Gründung durch Bernhard Bürklin, dessen 1606 erbautes Renaissancehaus in Wachenheim bis heute erhalten ist. Herausragende Bedeutung erlangte der Betrieb ab 1875, als Dr. Albert Bürklin, Reichstagsabgeordneter und später Vizepräsident des Deutschen Reichstags, die Wachenheimerin Luise Wolf heiratete und dem Weingut damit seinen heutigen Doppelnamen gab. Albert Bürklin baute den Betrieb in der Folge zu einem Musterbetrieb für deutschen Qualitätsweinbau aus und stiftete der Stadt Wachenheim zahlreiche Wohltaten, darunter das örtliche Bürgerspital. Sein Großneffe gleichen Namens führte das Weingut von 1924 bis zu seinem Tod 1979 zu weltweiter Anerkennung und wurde für sein Engagement im Weinbauverband 1967 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 1990 übernahm dessen Tochter Bettina Bürklin-von Guradze das Weingut von ihrer Mutter Jutta Bürklin und leitete umfassende Maßnahmen zur Qualitätssteigerung ein. Bereits 1994, Jahre vor der heutigen VDP-Lagenklassifikation, führte sie nach burgundischem Vorbild ein eigenes vierstufiges Qualitätssystem aus Gutswein, Ortswein, Premier Cru und Grand Cru ein und leistete damit entscheidende Vorarbeit für die spätere bundesweite VDP-Klassifikation. Mit ihrer konsequenten Umstellung auf biodynamischen Weinbau wurde sie von der "Welt am Sonntag" einst zur "Rebellin im Weinberg" ernannt, ein Titel, dem sie trotz anfänglicher Zweifel im eigenen Team treu blieb.
Die Lage und das Terroir
Die Spitzenlagen von Dr. Bürklin-Wolf liegen überwiegend westlich der Deutschen Weinstraße in den Gemeinden Forst, Deidesheim, Ruppertsberg und Wachenheim, jenem Teil der Mittelhaardt, der bereits in der königlich-bayrischen Lagenklassifikation von 1828 als höchstwertig eingestuft wurde, eine historische Referenz, die dem Weingut bis heute als Grundlage seiner eigenen Qualitätspyramide dient. Charakteristisch für diese Lagen sind Basalteinlagerungen im Boden, die vom nahen Forster Pechsteinkopf stammen und die Sonnenwärme besonders gut speichern, wodurch ein eigenständiges Mikroklima mit deutlichem Wachstumsvorteil entsteht. Zu den bekanntesten Grossen Lagen des Hauses zählen Kirchenstück, Jesuitengarten, Ungeheuer und Pechstein in Forst, Hohenmorgen und Kalkofen in Deidesheim sowie Gaisböhl, das sich im alleinigen Besitz des Weinguts befindet, in Ruppertsberg. Das Forster Kirchenstück gilt dabei international als einer der komplexesten trockenen Rieslinge überhaupt und wird von Kennern gerne als der "Montrachet der Pfalz" bezeichnet. Alle Weinberge werden seit der vollständigen Umstellung nach den Prinzipien der Biodynamie bewirtschaftet, mit dem erklärten Ziel, die Eigenkräfte der Pflanzen zu fördern und die Vitalität der Böden dauerhaft zu erhalten, ein Ansatz, den Bettina Bürklin-von Guradze selbst als Rückbesinnung auf den "Schatz der Vorfahren" beschreibt.
Das Sortiment
Die Weine des Hauses folgen der klaren, burgundisch inspirierten Herkunftshierarchie aus Gutswein, Ortswein, Premier Cru und Grand Cru. Die Ortsweine, benannt nach den Gemeinden Wachenheim, Deidesheim oder Ruppertsberg, bieten bereits beachtlichen Trinkgenuss und botschaften die jeweilige Herkunft. Die Premier-Cru-Weine, im Haus mit dem Kürzel P.C. gekennzeichnet, entsprechen burgundischen Premier-Cru-Lagen und vereinen regionale Typizität mit individuellem Ausdruck, während die Grand-Cru-Weine, gekennzeichnet mit G.C., aus den absoluten Spitzenlagen der Mittelhaardt stammen, ausschließlich im großen Holzfass ausgebaut und spontan vergoren werden. In witterungsmäßig geeigneten Jahrgängen keltert das Weingut zudem edelsüße Prädikatsweine wie Auslesen sowie traditionell flaschenvergorene Sekte. Neben dem dominierenden Riesling produziert Dr. Bürklin-Wolf in kleinerem Umfang auch weiße und rote Burgundersorten sowie gelegentlich eine Cuvée Rouge und eine Cuvée Blanc. Die Erzeugung erfolgt durchweg mit einem Maximum an Handarbeit und unter bewusstem Verzicht auf viele technische Möglichkeiten, um die Eigenart jeder einzelnen Lage möglichst unverfälscht in die Flasche zu bringen.
Häufig gestellte Fragen zu Dr. Bürklin-Wolf
Wo liegt das Weingut Dr. Bürklin-Wolf? Das Weingut liegt in Wachenheim an der Weinstraße im deutschen Anbaugebiet Pfalz, mit Spitzenlagen zudem in den Gemeinden Forst, Deidesheim und Ruppertsberg.
Seit wann besteht das Weingut? Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1597 zurück, den heutigen Namen erhielt der Betrieb 1875 durch die Heirat von Dr. Albert Bürklin mit Luise Wolf.
Wer führt das Weingut heute? Bettina Bürklin-von Guradze übernahm den Familienbetrieb 1990 von ihrer Mutter Jutta Bürklin und führt ihn seither mit klarem Fokus auf biodynamischen Weinbau.
Seit wann arbeitet Dr. Bürklin-Wolf biodynamisch? Die Umstellung erfolgte schrittweise ab dem Jahr 2000 und war 2005 vollständig abgeschlossen, seit 2008 ist das Weingut offiziell durch Biodyvin zertifiziert, als bislang einziges deutsches Mitglied dieser Vereinigung.
Was bedeuten die Kürzel G.C. und P.C. bei Dr. Bürklin-Wolf? G.C. steht für Grand Cru und bezeichnet die absoluten Spitzenlagen des Hauses, P.C. für Premier Cru und kennzeichnet Weine aus qualitativ hochwertigen, aber etwas weniger exponierten Lagen, ein bereits 1994 eingeführtes eigenes Klassifikationssystem nach burgundischem Vorbild.
Welche Lage gilt als bedeutendste des Weinguts? Das Forster Kirchenstück gilt international als einer der komplexesten trockenen Rieslinge und wird gerne als der "Montrachet der Pfalz" bezeichnet.