Als Nemesio Fernández Bello Ende der 1980er Jahre begann, aufgegebene Weinberge in den Bergen des Bierzo zu kaufen, hielten ihn seine Nachbarn für einen Träumer. Heute zählt Casar de Burbia zu den führenden Bodegas der Region, und die einst verlassenen Steillagen bringen einige der spannendsten Mencía- und Godello-Weine Spaniens hervor.
Auf einen Blick
Casar de Burbia ist eine Familienbodega in der Gemeinde Valtuille de Arriba im Bierzo, im äußersten Nordwesten der spanischen Region Kastilien-León, direkt am Jakobsweg gelegen. Gegründet wurde der Betrieb Ende der 1980er Jahre von Nemesio Fernández Bello, der aufgegebene, teils über hundertjährige Weinberge in den Bergen der Region erwarb, zu einer Zeit, als die meisten Winzer die schwer zu bewirtschaftenden Steillagen zugunsten der fruchtbareren Talregionen aufgaben. Heute wird die Bodega von seinem Sohn Isidro Fernández Bello als Önologe geführt, der 1998 den ersten eigenen Wein der Familie abfüllte. Das Weingut bewirtschaftet 27 Hektar Rebfläche, aufgeteilt in 52 kleine Parzellen zwischen 600 und über 700 Metern Höhe, nahe der oberen Grenze des Mencía-Anbaus. Seit 2019 ist Casar de Burbia biologisch zertifiziert. Im Zentrum des Sortiments stehen die rote Rebsorte Mencía und die weiße Godello, beides Trauben, die im Bierzo ihre eindrucksvollste Ausprägung finden. Favino.de führt Weine von Casar de Burbia aus dem Bierzo im Sortiment.
Vom Pioniergeist zur Spitzenbodega
Nemesio Fernández Bello, der ursprünglich aus Galicien stammte und im Tal von Carracedelo Birnen der Sorte Conference anbaute, begann Ende der 1980er Jahre gegen den allgemeinen Trend der Region alte Weinberge in den Bergen von Valtuille de Arriba zu erwerben. Zu dieser Zeit galten diese Steillagen als kaum wirtschaftlich, da ihre geringen Erträge und die aufwendige Bewirtschaftung im Vergleich zu den fruchtbaren Talparzellen wenig attraktiv erschienen, weshalb viele Winzer ihre Bergweinberge komplett aufgaben. Sein Sohn Isidro, der heutige Önologe des Hauses, bezeichnet die Entscheidung seines Vaters rückblickend als visionär, denn genau diese vernachlässigten, teils bereits um 1900 gepflanzten alten Rebstöcke bilden heute das Fundament des außergewöhnlichen Rufs der Bodega. Um das Potenzial dieser historischen Weinberge zu heben, investierte die Familie in eine 7 Jahre dauernde Regenerationsarbeit, bei der über 9.000 Pflanzen auf die Wurzelstöcke der alten Reben aufgepfropft wurden. 1998 brachte Isidro schließlich den ersten unter eigenem Namen abgefüllten Wein der Familie auf den Markt, den Beginn einer Erfolgsgeschichte, die Casar de Burbia heute zu einer der international am meisten beachteten Bodegas der gesamten Herkunftsbezeichnung Bierzo macht.
Terroir zwischen Atlantik und Kontinent
Das Bierzo liegt von allen nordwestspanischen Weinbaugebieten am weitesten vom Atlantik entfernt, wodurch maritime Frische und kontinentale Wärme in einer für die Region einzigartigen Weise aufeinandertreffen. Die 27 Hektar Rebfläche von Casar de Burbia ziehen sich entlang des Bergrückens von Valtuille de Arriba und gliedern sich in 3 Höhenstufen mit jeweils eigenem Charakter: In den tieferen, lehmreicheren Lagen entstehen fruchtigere, opulentere Weine, während die höchstgelegenen Parzellen auf steinigen, von Glimmerschiefer und Quarz geprägten Böden die finessenreichsten Spitzenweine hervorbringen. Diese obersten, besonders geschätzten Lagen werden in der Herkunftsbezeichnung Bierzo als Tebaidas bezeichnet, ein Name, den auch einige der Weine des Hauses tragen. Der hohe Eisengehalt der rötlichen Schieferböden sowie das darin enthaltene Molybdän verleihen den Weinen eine ausgeprägt mineralische Note, während die Höhenlage von bis zu über 700 Metern nahe an der klimatischen Grenze liegt, an der Mencía überhaupt noch zuverlässig ausreift.
Mencía: das rote Herz des Bierzo
Die rote Rebsorte Mencía, die im Bierzo mittlerweile rund 86 Prozent der gesamten Rebfläche einnimmt, bildet das Herzstück des Sortiments von Casar de Burbia und steht für elegante, vielschichtige Rotweine mit frischer Säure und klarer Frucht. Isidro Fernández legt dabei besonderen Wert auf eine langsame, behutsame Extraktion, manche Partien bleiben bis in den Dezember hinein auf der Maische, wobei teilweise die Kerne entfernt werden, um harsche Tannine zu vermeiden und ein feines, rundes Gerbstoffgerüst zu bewahren. Jede der zahlreichen Parzellen wird dabei zunächst getrennt vinifiziert, bevor die finalen Cuvées entstehen, ein Ansatz, der es erlaubt, aus ein und derselben Rebsorte ganz unterschiedliche Weinstile zu erzeugen, vom zugänglichen, fruchtbetonten Dorfwein bis zum komplexen, lagerfähigen Spitzengewächs aus den höchstgelegenen, bis zu 80 Jahre alten Rebstöcken. Der Ausbau erfolgt je nach Wein in französischer Eiche unterschiedlicher Größe, oft nach vorheriger Reifung auf der Feinhefe in kleinen 10.000-Liter-Tanks, wodurch die Weine zusätzliche Struktur und Komplexität gewinnen.
Godello: Spaniens weiße Antwort auf Chablis
Neben Mencía gilt die weiße Rebsorte Godello als die große Hoffnung des Bierzo, und Casar de Burbia zählt zu den Vorreitern ihrer qualitativen Neuinterpretation in der Region. Auf den höchstgelegenen, schieferreichen Parzellen der Bodega entsteht ein Godello-Stil, der Frische, Mineralität und beachtlichen Tiefgang vereint, ein Wein, den Isidro Fernández selbst gerne als spanischen Chardonnay bezeichnet, mit dem Bierzo als seiner persönlichen Antwort auf das französische Chablis. Typisch für den Ausbau ist eine kühle Vergärung im Edelstahltank über rund 45 Tage, gefolgt von einer langen Reifung auf der Feinhefe von 8 bis 12 Monaten, teils im französischen Barrique, wobei regelmäßige Bâtonnage die Hefe in Bewegung hält und dem Wein zusätzliches Volumen verleiht. Anders als viele andere Weißweine gewinnt der Godello von Casar de Burbia mit zunehmender Flaschenreife an Komplexität und Mineralität, statt seine Frische zu verlieren, eine Eigenschaft, die die Sorte für ambitionierte, lagerfähige Weißweinstile besonders geeignet macht.
Warum Favino
Casar de Burbia passt hervorragend in das Favino-Sortiment, weil die Bodega wie kaum ein anderes Weingut zeigt, welches Potenzial in den einst aufgegebenen Steillagen Nordwestspaniens schlummerte. Die konsequente parzellenweise Vinifikation, die geduldige, behutsame Extraktion bei Mencía sowie die außergewöhnliche Sorgfalt im Umgang mit Godello machen die Weine des Hauses zu Musterbeispielen für die neue, elegante Stilistik Spaniens. Die biologische Zertifizierung seit 2019 unterstreicht zusätzlich den langfristigen, respektvollen Umgang der Familie Fernández Bello mit ihrem historischen Erbe. Für Favino steht Casar de Burbia damit exemplarisch für Finesse in Rot und Weiß, authentisch, elegant und tief in ihrer Herkunft verwurzelt.
Häufig gestellte Fragen zu Casar de Burbia
Wo liegt das Weingut Casar de Burbia? Casar de Burbia liegt in der Gemeinde Valtuille de Arriba im Bierzo in Kastilien-León, unmittelbar am Verlauf des Jakobswegs.
Wer gründete die Bodega? Nemesio Fernández Bello erwarb Ende der 1980er Jahre alte, teils aufgegebene Weinberge in den Bergen von Valtuille de Arriba, sein Sohn Isidro füllte 1998 den ersten eigenen Wein der Familie ab.
Welche Rebsorten stehen im Zentrum des Sortiments? Die rote Rebsorte Mencía und die weiße Godello bilden das Herzstück, ergänzt durch einige experimentelle Rotweinsorten aus Frankreich.
Wie groß ist die Rebfläche von Casar de Burbia? Das Weingut bewirtschaftet 27 Hektar, aufgeteilt in 52 kleine Parzellen zwischen 600 und über 700 Metern Höhe, klassifiziert nach 3 Qualitätsstufen je nach Lage.
Ist Casar de Burbia biologisch zertifiziert? Ja, seit 2019 arbeitet die Bodega biologisch zertifiziert, um die Unterschiede der einzelnen Parzellen noch präziser herauszuarbeiten.
Wie wird Mencía bei Casar de Burbia vinifiziert? Isidro Fernández setzt auf eine langsame, behutsame Extraktion mit teils bis in den Dezember andauernder Maischestandzeit, getrennter Vinifikation jeder Parzelle und Ausbau in französischer Eiche.