Ein Mainzer Bankier, der an Wochenenden immer wieder zum Roten Hang pilgerte, verliebte sich 1890 so unrettbar in eine steile Riesling-Lage, dass er sie kurzerhand kaufte. Aus dieser Leidenschaft entstand eines der geschichtsträchtigsten Rieslinghäuser Deutschlands.
Auf einen Blick
Das Weingut Gunderloch liegt in Nackenheim im Anbaugebiet Rheinhessen und wurde 1890 vom Mainzer Bankier Carl Gunderloch gegründet, der den legendären Nackenheimer Rothenberg sowie das historische Anwesen "Haus am Roten Berg" erwarb. Gunderloch gilt als Pionier des Qualitätsweinbaus am Rhein und zählte zu den Gründungsmitgliedern des heutigen Verbands Deutscher Prädikatsweingüter. Seit 2015/2016 führt Johannes Hasselbach, Urururenkel des Gründers, den Betrieb in sechster Generation, nach dem Tod seines Vaters Fritz Hasselbach, der das Weingut gemeinsam mit seiner Frau Agnes über Jahrzehnte zu internationalem Ruhm führte. Das Weingut bewirtschaftet rund 23 bis 31 Hektar Rebfläche, davon rund 80 bis 85 Prozent Riesling, mit bedeutendem Besitz in den Grossen Lagen Nackenheimer Rothenberg, Niersteiner Pettenthal, Niersteiner Hipping und Niersteiner Ölberg im Roten Hang. Der Nackenheimer Rothenberg trägt sogar literarische Berühmtheit, eine Figur namens Jean Baptiste Gunderloch preist in Carl Zuckmayers 1925 uraufgeführtem Theaterstück "Der fröhliche Weinberg" einen Riesling Spätlese des Rothenberg-Jahrgangs 1920.
Eine Familiengeschichte seit 1890
Carl Gunderloch (1846–1935), ein Bankier aus Mainz mit Wurzeln im rheinhessischen Gundersheim, verliebte sich bei Wochenendausflügen in den Roten Hang und erwarb 1890, mitten in der Gründerzeit, den historischen Dalheimer Hof aus säkularisiertem Klosterbesitz sowie hervorragende Weinberglagen, allen voran den legendären Nackenheimer Rothenberg. Ihm ging es dabei um mehr als das reine Geschäft mit Wein, er setzte sich aktiv für qualitätsorientierten Weinbau in ganz Rheinhessen ein und wurde zu einem der einflussreichsten Verfechter gehobener deutscher Weinkultur seiner Zeit, folgerichtig zählte sein Betrieb zu den Gründungsmitgliedern des heutigen VDP. Über die folgenden Generationen entwickelte sich das Weingut kontinuierlich weiter, seinen modernen internationalen Ruf verdankt es maßgeblich Fritz und Agnes Hasselbach, die den Betrieb über Jahrzehnte prägten, bevor 2015/2016, nach dem Tod von Fritz Hasselbach, Sohn Johannes Hasselbach als sechste Generation der Familie die Leitung übernahm. Johannes Hasselbach ging nach seinem BWL-Studium gemeinsam mit seiner heutigen Frau auf Weltreise und erforschte dabei Weinberge in Chile, Australien und Kanada, eine Erfahrung, die sein heutiges Verständnis von internationalem Austausch und Balance zwischen Tradition und Experimentierfreude prägt. Seit 2019 ist er zudem Vorsitzender des Regionalverbands VDP Rheinhessen. 2017 wurde eine umfassende, bauökologisch stimmige Renovierung und Erweiterung des historischen Gutshofs abgeschlossen.
Die Lage und das Terroir
Das Herzstück des Weinguts bildet der Nackenheimer Rothenberg, eine Steillage im Roten Hang zwischen Nackenheim und Nierstein, deren namensgebender roter Tonschiefer und das eisenreiche Rotliegend-Gestein den Weinen eine unverwechselbare Würze und Mineralität verleihen. Ergänzt wird der Rothenberg durch weitere bedeutende Grosse Lagen wie Niersteiner Pettenthal, Niersteiner Hipping und Niersteiner Ölberg sowie den Alleinbesitz Nackenheimer Fenchelberg, allesamt Teil des Roten Hangs, einer der markantesten und geologisch eigenständigsten Weinbergslandschaften Deutschlands. Die terrassierten Steillagen erfordern durchgehend Handarbeit und werden nach dem Prinzip "so viel wie notwendig, so wenig wie möglich" bewirtschaftet, das Weingut ist zudem EU-bio-zertifiziert sowie nach dem Nachhaltigkeitsstandard Fair'n Green ausgezeichnet. Diese Kombination aus historisch gewachsenem Terroir-Wissen und konsequent naturnaher Bewirtschaftung bildet die Grundlage für die klaren, mineralischen Weine, die als Markenzeichen des Hauses gelten.
Das Sortiment
Die Kollektion von Gunderloch folgt der klassischen VDP-Pyramide aus Gutswein, Ortswein, Erster Lage sowie Grosser Lage beziehungsweise Grossem Gewächs. Das erklärte Flaggschiff des Hauses ist das Rothenberg VDP.Grosses Gewächs, ein Jahr für Jahr neu interpretierter Ausdruck der ureigenen Charakteristik des hauseigenen Rothenberg-Weinbergs, wie es Johannes Hasselbach selbst formuliert. Neben den trockenen Grossen Gewächsen keltert das Weingut in geeigneten Jahrgängen auch restsüße Spitzenweine bis hin zur legendären Trockenbeerenauslese, die Nackenheimer Rothenberg Trockenbeerenauslese gilt dabei als eine der großen deutschen edelsüßen Raritäten überhaupt und erzielte bei Weinauktionen wiederholt Rekordpreise für den Roten Hang. Eine besondere Rolle im zugänglicheren Segment spielt die nach der literarischen Figur aus Zuckmayers Theaterstück benannte Linie Jean-Baptiste, ein Kabinett-Riesling, der die Verbindung des Weinguts zur deutschen Literaturgeschichte im Namen trägt. Jährlich produziert Gunderloch rund 200.000 Flaschen, überwiegend Riesling, ergänzt durch Weißburgunder, Silvaner und Gewürztraminer.
Häufig gestellte Fragen zum Weingut Gunderloch
Wann wurde das Weingut Gunderloch gegründet? Der Mainzer Bankier Carl Gunderloch gründete das Weingut 1890 durch den Kauf des Nackenheimer Rothenberg und des historischen Anwesens "Haus am Roten Berg".
Wer führt das Weingut heute? Johannes Hasselbach, Urururenkel des Gründers, führt den Betrieb seit 2015/2016 in sechster Generation, nachdem sein Vater Fritz Hasselbach das Haus über Jahrzehnte geprägt hatte.
Welches ist die wichtigste Lage des Weinguts? Der Nackenheimer Rothenberg im Roten Hang gilt als Herzstück und Namensgeber des berühmtesten Weins des Hauses, des Rothenberg VDP.Grosses Gewächs.
Welche literarische Verbindung hat das Weingut? In Carl Zuckmayers 1925 uraufgeführtem Theaterstück "Der fröhliche Weinberg" tritt eine Figur namens Jean Baptiste Gunderloch auf, nach der eine Kabinett-Weinlinie des Hauses benannt ist.
Ist Gunderloch Mitglied im VDP? Ja, das Weingut zählte 1890 zu den Gründungsmitgliedern des heutigen Verbands Deutscher Prädikatsweingüter.
Welche Rebsorten dominieren das Sortiment? Riesling macht rund 80 bis 85 Prozent der Rebfläche aus, ergänzt durch Weißburgunder, Silvaner und Gewürztraminer.