Kategorie: Schloss Johannisberg

Als ein verspäteter Bote die Weinwelt veränderte

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Ein Kurier, der die Leseerlaubnis aus Fulda überbringen sollte, verspätete sich 1775 um mehrere Wochen. Als er endlich ankam, waren die Trauben am Johannisberg bereits von Edelfäule befallen, eigentlich ein Grund zur Sorge. Stattdessen entstand aus dieser Verzögerung die Spätlese, eine der folgenreichsten Zufallsentdeckungen der Weingeschichte.

Auf einen Blick

Schloss Johannisberg liegt auf einem markanten Hügel oberhalb von Geisenheim im Rheingau und blickt auf eine über 1.200 Jahre alte Weinbaugeschichte zurück, erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 817, als Kaiser Ludwig der Fromme Weinberge am Fuß des damaligen Bischofsbergs erwarb. Um 1100 gründeten Mainzer Benediktinermönche auf dem Hügel ein Kloster, dessen um 1130 geweihte Basilika Johannes dem Täufer gewidmet war und dem Berg seinen bis heute gültigen Namen gab. 1720 ließ der Fuldaer Fürstabt Konstantin von Buttlar rund 294.000 Rieslingstöcke pflanzen, damit gilt Schloss Johannisberg als der erste geschlossen mit Riesling bepflanzte Weinberg der Welt. 1775 entstand hier durch die berühmte Verspätung des sogenannten Spätlesereiters die Spätlese, die erste systematische spät gelesene Weinkategorie überhaupt. 1816 schenkte der österreichische Kaiser Franz I. das Anwesen seinem Staatskanzler Fürst Clemens von Metternich als Belohnung für dessen Verdienste beim Wiener Kongress, seither zahlt das Weingut bis heute traditionell den sogenannten Weinzehnt an die Familie Habsburg. Die Monopollage Schloss Johannisberg umfasst insgesamt rund 50 Hektar, ausschließlich mit Riesling bestockt, und ist als VDP.Grosse Lage klassifiziert.

Vom Kloster zur fürstlichen Domäne

Bereits in karolingischer Zeit war die klimatische Sonderstellung des weithin sichtbaren Hügels bekannt, Kaiser Ludwig der Fromme, Sohn Karls des Großen, erwarb hier bereits 817 erste Weinberge. Die eigentliche kulturelle Prägung des Ortes übernahmen jedoch die Benediktinermönche, die um 1100 ein Kloster errichteten und von ihrem Weinanbau lebten, mit dessen edlen Weinen sie das Kloster schon früh reich und berühmt machten. 1716 begann Fürstabt Konstantin von Buttlar mit dem Bau des heutigen barocken Schlossgebäudes, seine folgenreichste Entscheidung traf er jedoch 1720, als er die Hügel des Anwesens ausschließlich mit Riesling bepflanzen ließ, insgesamt 294.000 Rebstöcke, und damit den ersten geschlossenen Rieslingweinberg der Welt schuf. Der Schlossverwalter Odo Staab hielt dazu fest, dass in ganz Rheingau fortan keine andere Rebsorte mehr gepflanzt werden dürfe als der "Rüßling". Zur eigentlichen Legende wurde der Johannisberg jedoch durch ein Ereignis im Jahr 1775: Der Fürstabt in Fulda musste die Erlaubnis zur Weinlese jährlich erteilen, doch der Kurier mit dieser Genehmigung, der sogenannte Spätlesereiter, verspätete sich in jenem Jahr um mehrere Wochen. Als er endlich eintraf, waren die Trauben bereits von Edelfäule befallen, man erntete sie dennoch, und die Mönche erkannten, dass der daraus gekelterte Wein gehaltvoller und schmackhafter war als üblich. Der Spätlese-Entdeckung folgten 1779 die ersten Auslesen, später Beeren- und Trockenbeerenauslesen, sowie 1858 der erste auf dem Johannisberg geerntete Eiswein, weshalb der Ort bis heute als "Wiege aller hohen Weinprädikate" gilt. Ein Denkmal des Spätlesereiters erinnert im Schlosshof bis heute an dieses folgenreiche Missgeschick. Nach dem Wiener Kongress schenkte Kaiser Franz I. das Anwesen 1816 seinem Staatskanzler Fürst Clemens von Metternich, dessen Nachfahren das Schloss bis ins 21. Jahrhundert bewohnten und bis heute den traditionellen Weinzehnt an die Familie Habsburg entrichten. 1942 wurde das Schloss durch Bombardierung zerstört, Fürstin Tatiana von Metternich-Winneburg baute es nach dem Krieg gemeinsam mit ihrem Mann wieder auf und führte das Weingut fort, unter anderem gemeinsam mit Henkell & Söhnlein entstand dabei der Schaumwein "Fürst von Metternich". Seit 1974 teilt sich die Familie Metternich den Besitz von Schloss und Weingut mit der Oetker-Gruppe.

Die Lage und das Terroir

Durch die Weinberge des Johannisbergs verläuft der 50. Breitengrad, eine geografische Randlage für Weinbau, die durch das außergewöhnliche Mikroklima des Rheins dennoch selbst die Reife von Feigen, Mandeln und Zitronen erlaubt. Bereits Johann Wolfgang von Goethe war von der majestätischen Lage des Hügels über dem Rhein fasziniert und notierte, dass "der Johannisberg über alles herrscht". Die Monopollage Schloss Johannisberg umfasst insgesamt rund 50 Hektar, davon 24,32 Hektar als VDP.Grosse Lage klassifiziert, ausschließlich mit Riesling bestockt. Unterhalb des Schlosses erstrecken sich die Kellergewölbe mit der berühmten "Bibliotheca subterranea", dem historischen Weinschatz des Hauses, in dem besonders seltene Jahrgänge bis zurück ins Jahr 1848 lagern.

Das Sortiment und das Farblack-System

Um 1820 führte Fürst Metternich das bis heute gültige Farblack-System ein, mit dem Schloss Johannisberg seine Qualitätsstufen über farbige Kapseln kennzeichnet: Gelblack steht für den Gutswein, Grünlack für die Spätlese, Silberlack für das trockene Erste Gewächs und Goldlack für die Trockenbeerenauslese, ergänzt durch weitere Abstufungen für Auslese und Beerenauslese. Dieses System erlaubt es, die Herkunft der historischen Prädikatsstufen unmittelbar sichtbar zu machen, ganz im Sinne der Tradition, die auf dem Johannisberg ihren Ursprung nahm. Das Weingut ist Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter und produziert bis heute ausschließlich Riesling, vom zugänglichen Gutswein über die klassische Spätlese bis zu raren, jahrzehntelang lagerfähigen Trockenbeerenauslesen, die regelmäßig zu den bedeutendsten deutschen Weinen überhaupt gezählt werden.

Häufig gestellte Fragen zu Schloss Johannisberg

Wo liegt Schloss Johannisberg? Schloss Johannisberg liegt auf einem markanten Hügel oberhalb von Geisenheim im Rheingau, mit einer dokumentierten Weinbaugeschichte bis zurück ins Jahr 817.

Was wurde auf Schloss Johannisberg entdeckt? 1775 entstand hier durch die Verspätung des sogenannten Spätlesereiters, der die Leseerlaubnis aus Fulda überbrachte, zufällig die Spätlese, die erste systematisch spät gelesene Weinkategorie.

Warum gilt Schloss Johannisberg als erster Riesling-Weinberg der Welt? 1720 ließ der Fuldaer Fürstabt Konstantin von Buttlar rund 294.000 Rieslingstöcke pflanzen und schuf damit den ersten geschlossen ausschließlich mit Riesling bepflanzten Weinberg der Welt.

Wem gehört Schloss Johannisberg heute? Nach der Schenkung 1816 an Fürst Clemens von Metternich gehört das Anwesen bis heute der Familie Metternich, seit 1974 gemeinsam mit der Oetker-Gruppe.

Was bedeutet das Farblack-System von Schloss Johannisberg? Das um 1820 eingeführte System kennzeichnet die Qualitätsstufen der Weine über farbige Kapseln, von Gelblack für den Gutswein bis zu Goldlack für die Trockenbeerenauslese.

Wie groß ist die Rebfläche von Schloss Johannisberg? Die Monopollage umfasst insgesamt rund 50 Hektar, davon 24,32 Hektar als VDP.Grosse Lage klassifiziert, ausschließlich mit Riesling bestockt.