Während andere junge spanische Winzer nach Rioja oder Ribera del Duero zogen, kaufte Rafael Cambra vor über 20 Jahren einen alten Monastrell-Weinberg im Südosten Valencias, weil er dessen Terroir für weltklassig hielt. Heute gilt er als einer der prägendsten Namen einer bislang unterschätzten Weinregion.
Auf einen Blick
Valencia ist die drittgrößte Stadt Spaniens und Namensgeber einer traditionsreichen Weinregion am Mittelmeer, deren stilistische Vielfalt maßgeblich vom unterschiedlichen Klima geprägt wird: Küstennahe Weinberge profitieren vom mediterranen Klima, während im Landesinneren kontinentale Einflüsse würzige, fruchtintensive Weine hervorbringen. Im Zentrum der Region steht die Rebsorte Monastrell, in Frankreich als Mourvèdre bekannt und der eigentliche Stolz der DO Valencia, deren Weine typischerweise Aromen von Leder, Mokka, Pfeffer, schwarzen Oliven, dunklen Beeren und weißen Blüten zeigen. Bodegas Rafael Cambra wurde 2001 vom Önologen Rafael Cambra aus Ontinyent gegründet, dessen Familie seit 4 Generationen mit dem Weinbau verbunden ist und eine der wichtigsten Rebschulen Spaniens betreibt, aus der unter anderem Vega Sicilia und Álvaro Palacios beliefert werden. Das Weingut liegt in Fontanars dels Alforins, einem der höchstgelegenen Dörfer der Provinz Valencia auf rund 660 bis 700 Metern Höhe, und bewirtschaftet insgesamt rund 40 bis 42 Hektar biologisch, davon etwa 12 im eigenen Besitz. Neben Monastrell kultiviert Rafael Cambra gezielt fast vergessene autochthone Sorten wie Forcallat, Arco, Bonicaire und Rojal.
Herkunft und Idee
Rafael Cambra kam eher zufällig zum Wein, über ein Wahlfach im letzten Studienjahr, aus dem sich seine spätere Leidenschaft entwickelte. Nach seiner önologischen Ausbildung in Spanien und im französischen Montpellier arbeitete er zunächst in mehreren Bodegas der Rioja, bevor er in seine valenzianische Heimat zurückkehrte. Statt sich wie viele ambitionierte Winzer seiner Generation für eine der bekannten spanischen Weinregionen zu entscheiden, kaufte er einen Weinberg im Südosten des Landes, zwischen Valencia und Alicante, weil er die alten Monastrell-Reben und ihr Terroir als weltklassig einschätzte, eine Entscheidung, der er sein weiteres Leben widmen wollte. Die Anfänge waren bescheiden und fanden buchstäblich in einer Garage statt. Da seine Familie eine der bedeutendsten Rebschulen Spaniens betreibt, verfügt Cambra über ein außergewöhnliches Fachwissen zu Rebsortengenetik und Weinbergen, Wissen, das er zunehmend nutzte, um gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Elena Arpón nicht nur Monastrell, sondern auch fast vergessene lokale Rebsorten wie Arco und Forcallà zu neuer Bedeutung zu verhelfen, ein Projekt, das dem Weingut heute eine ganz besondere Stellung in der valenzianischen Weinszene verschafft. Cambra bezeichnet sich selbst gerne als "pasante de viñas", als Durchreisender durch die Weinberge, der stets nur zu Gast ist, während das Land selbst bleibt, ein Ausdruck seiner Verantwortung, sein Wissen und seine Leidenschaft an kommende Generationen weiterzugeben.
Die Lage und das Terroir
Fontanars dels Alforins zählt zu den höchstgelegenen Dörfern der Provinz Valencia, auf rund 660 bis 700 Metern Höhe, wo ein kontinentales Klima mit starker Sonneneinstrahlung und geringen Niederschlägen außergewöhnliche Bedingungen für den Weinbau schafft. Die Höhenlage erlaubt es den Trauben, trotz der grundsätzlich warmen mediterranen Breiten mit einer für die Region ungewöhnlichen Frische zu reifen. Rund um die Bodega erstreckt sich ein Mosaik mediterraner Biodiversität, in dem die Weinberge Seite an Seite mit Olivenhainen, Mandelbäumen und Getreidefeldern koexistieren. Kultiviert wird sowohl mit gut angepassten internationalen Sorten wie Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc als auch mit autochthonen Schätzen wie Forcallat, Arco, Bonicaire und Rojal, deren Wiederentdeckung maßgeblich zur Rückgewinnung der historischen Identität der valenzianischen Weine beigetragen hat. Monastrell bleibt dabei der Grundpfeiler des gesamten Projekts und wächst in alten, unbewässerten Buschreben auf kalkhaltigen Böden. Sämtliche Rebflächen werden ökologisch und im strengen Trockenanbau bewirtschaftet.
Der Weinstil und das Sortiment
Der Weinstil des Hauses beruht auf minimaler Intervention und absolutem Respekt vor dem Terroir. Während die ersten Jahrgänge noch nahezu ausschließlich aus französischen Sorten wie Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon entstanden und die Vinifikationsmethoden streng akademisch geprägt waren, entwickelte sich der Ansatz im Lauf der Jahre zunehmend in Richtung minimalinvasiver Techniken, darunter die Vergärung mit Rappenanteil sowie der bewusste Einsatz alternativer Ausbaugefäße wie eiförmiger Betontanks anstelle von Holz, eine Rückbesinnung auf die traditionelle Praxis der Region, in der Ton-Amphoren und Beton lange vor dem Barrique üblich waren. Casa Sosegada, nach Cambras eigener Einschätzung der Wein, der die Essenz seiner Bodega am besten widerspiegelt, ist eine Assemblage aus den lokalen Sorten Monastrell, Arco, Forcallà, Bonicaire und Rojal mit Ausbau im Betontank. Im Weinberg praktiziert Cambra zudem bis zu 3 grüne Lesen pro Jahr, bei denen nicht vollständig gesunde Traubenbüschel gezielt entfernt werden, um den verbleibenden Trauben einen höheren Anteil der Nährstoffe zukommen zu lassen. Ergänzt wird das Sortiment durch weitere Cuvées wie Soplo sowie durch die Einzellage CasaLabor aus der 2012 gepflanzten Sorte Arco.
Häufig gestellte Fragen zu Rafael Cambra
Wer gründete Bodegas Rafael Cambra? Der Önologe Rafael Cambra aus Ontinyent gründete das Weingut 2001 in Fontanars dels Alforins, nachdem er zuvor in Frankreich und der Rioja gearbeitet hatte.
Wo liegt das Weingut? Das Weingut liegt in Fontanars dels Alforins, einem der höchstgelegenen Dörfer der Provinz Valencia auf rund 660 bis 700 Metern Höhe.
Welche Rebsorte bildet das Zentrum des Sortiments? Monastrell, international als Mourvèdre bekannt, bildet den Grundpfeiler des Projekts und wächst in alten, unbewässerten Buschreben.
Welche autochthonen Rebsorten rettet Rafael Cambra? Das Weingut widmet sich gezielt der Wiederbelebung fast vergessener lokaler Sorten wie Forcallat, Arco, Bonicaire und Rojal.
Was ist Casa Sosegada? Casa Sosegada ist der Wein, der laut Rafael Cambra die Essenz seiner Bodega am besten widerspiegelt, eine Assemblage aus lokalen Sorten mit Ausbau im Betontank.
Warum steht die Familie Cambra dem Weinbau besonders nahe? Die Familie betreibt eine der wichtigsten Rebschulen Spaniens, aus der unter anderem die Weingüter Vega Sicilia und Álvaro Palacios beliefert werden.