Ein Weingut, das freiwillig auf das berühmteste Herkunftssiegel Spaniens verzichtet, um seine Weine nach ihrer Parzelle statt nach Fassreife zu benennen: Genau das tat Artadi 2015 und wurde damit endgültig zur Avantgarde der Rioja Alavesa.
Auf einen Blick
Artadi ist ein Weingut in Laguardia, einem mittelalterlichen Bergdorf in der Rioja Alavesa, gegründet 1985 als Genossenschaft namens Cosecheros Alaveses von einer Gruppe von Winzern rund um Juan Carlos López de Lacalle. Nach internen Meinungsverschiedenheiten wandelte sich der Betrieb 1992 in ein Privatunternehmen unter dem Namen Bodegas y Viñedos Artadi um. Heute bewirtschaftet das Weingut rund 80 bis 83 Hektar eigener, biodynamisch geführter Weinberge auf kalkhaltigen Tonböden rund um Laguardia, auf Höhenlagen zwischen 400 und 700 Metern. López de Lacalles konsequente Terroir-Philosophie führte 2015 zu einem historischen Schritt: Artadi verließ die DOCa Rioja und vermarktet seine Weine seither als Vino de España, um seine Einzellagen frei von den klassischen Alterungskategorien Crianza und Reserva benennen zu können. Neben der Rioja Alavesa betreibt López de Lacalle seit 1996 mit Artazu in Navarra sowie seit 1999 mit El Sequé in Alicante 2 weitere terroirgeprägte Projekte. Favino.de führt ausgewählte Weine von Artadi im Sortiment.
Das Weingut
Die Geschichte von Artadi beginnt 1985, als Juan Carlos López de Lacalle gemeinsam mit einer Gruppe von Winzern der Rioja Alavesa die Genossenschaft Cosecheros Alaveses gründete, ein für die damalige Zeit ungewöhnlich visionäres Kooperativkonzept. López de Lacalle brachte dabei einen der vermutlich besten Weinberge der gesamten Rioja in den Zusammenschluss ein: die seit Generationen im Familienbesitz befindliche Amphitheaterlage El Pisón. Ziel der Gründer war es zu beweisen, dass auch ein junger, unkomplizierter Wein mit Kohlensäuremazeration, der klassische vino de cosechero, durch sorgfältige Arbeit zu einem großen Wein werden kann. Nach zunehmenden internen Differenzen zwischen den beteiligten Winzern wandelte sich der Betrieb 1992 in eine private Aktiengesellschaft um, seither firmiert das Weingut als Bodegas y Viñedos Artadi. In den folgenden Jahren entwickelte López de Lacalle sukzessive ein immer feineres Lagenkonzept: Auf den anfänglichen Jungwein Artadi folgte Viñas de Gain als eine Art Ersatz für die klassische Crianza-Kategorie, von der sich das Haus schon früh bewusst distanzierte, danach kamen in den 1990er Jahren die Lagenweine Pagos Viejos, Grandes Añadas und schließlich Viña El Pisón hinzu, der Artadi endgültig zu Weltruhm verhalf. Heute führen López de Lacalle und seine Kinder Carlos und Patricia den Betrieb gemeinsam fort und bewirtschaften mittlerweile 9 einzeln vinifizierte Parzellen mit jeweils eigenständigem Charakter.
Herkunft und Philosophie
López de Lacalles zentrale Überzeugung lautet, dass die wahre Größe eines Weins in der Identität seiner Herkunft liegt und nicht im Namen einer Marke oder einer Alterungskategorie. Diese Haltung stand im Widerspruch zum Klassifikationssystem der DOCa Rioja, das Weine traditionell nach Crianza, Reserva und Gran Reserva einteilt, also nach der Dauer der Fassreifung, nicht nach ihrer Herkunftsparzelle. Um seine Lagenweine wie Viña El Pisón oder Valdegines konsequent nach ihrem Ursprung statt nach ihrer Reifekategorie benennen zu können, verließ Artadi Ende 2015 die DOCa Rioja und vermarktet seine Weine seither als Vino de España, ein Schritt, der in der spanischen Weinwelt erhebliches Aufsehen erregte und teils kontrovers diskutiert wurde. Die Weine selbst werden dabei nach wie vor im selben Keller in Laguardia gekeltert wie seit Jahrzehnten, verändert hat sich lediglich, welche Geschichte auf dem Etikett erzählt wird. Diese Konsequenz, verbunden mit dem Verzicht auf technische Eingriffe wie Umkehrosmose oder Mikro-Oxygenierung sowie dem bewussten Verzicht auf Überreife zugunsten höherer Kritikerpunkte, machte Artadi endgültig zu einem der radikalsten Terroir-Verfechter Spaniens.
Weinberge und biodynamischer Anbau
In den Weinbergen rund um Laguardia arbeitet Artadi biodynamisch, im Einklang mit natürlichen Rhythmen, Mondphasen und dem mikrobiellen Leben des Bodens, ein Ansatz, der seit rund 2011 überwiegend die Bewirtschaftung prägt und auf chemische Hilfsmittel vollständig verzichtet. Die rund 80 bis 83 Hektar eigener Rebfläche liegen auf Höhen zwischen 400 und 700 Metern, geschützt von der Sierra Cantabria vor den kältesten atlantischen Einflüssen, und profitieren von einer großen Vielfalt an Expositionen und Bodentiefen. Viele der Rebstöcke sind über 60 Jahre alt, die berühmteste Parzelle El Pisón wurde bereits 1945 bepflanzt, tief wurzelnde, alte Reben, die kleinbeerige, hochkonzentrierte Trauben hervorbringen und das jeweilige Terroir mit großer Präzision widerspiegeln. Die kalkhaltigen Tonböden der Region bilden dabei die ideale Grundlage für die Hauptrebsorte Tempranillo, die auf diesen Böden feine Tannine und außergewöhnliche Eleganz entwickelt. López de Lacalle zählte zu den ersten Winzern der Rioja, die gezielt einzelne Toplagen getrennt vinifizierten, ein Konzept, das er ab dem Jahrgang 2009 konsequent auf sein gesamtes Lagenportfolio ausweitete.
Der Weinstil und das Sortiment
Die Weine von Artadi verbinden die Kraft der Tempranillo-Traube mit der Finesse und Kühle der Rioja Alavesa zu einem Stil, der von Kritikern regelmäßig als fast burgundisch beschrieben wird, geprägt von Saftigkeit, Frische und feiner Tanninstruktur statt purer Wucht. Während viele klassische Rioja-Häuser im Wettstreit um immer mehr Holzeinsatz standen, ging Artadi bewusst den entgegengesetzten Weg: weniger Extraktion, französische statt amerikanische Eiche, Finesse statt reine Kraft. Der Einstiegswein Viñas de Gain gilt als eines der besten Preis-Leistungs-Verhältnisse der gesamten Region und erhält Jahr für Jahr hohe Auszeichnungen der Fachpresse. Darüber liegen die Lagenweine, allen voran der legendäre Viña El Pisón, den López de Lacalle selbst als das Herzstück von Artadi bezeichnet, ein Wein, der von internationalen Kritikern wie Robert Parker wiederholt mit Höchstbewertungen bis zu 100 Punkten ausgezeichnet wurde. Weitere bedeutende Einzellagen sind Valdegines mit ihren eisenhaltigen Tonböden sowie La Poza de Ballesteros und El Carretil, jede mit eigenständigem, unverwechselbarem Charakter. Seit dem Jahrgang 2006 knüpft Artadi zudem mit einer winzigen Menge uralter Viura-Reben an die große Tradition langlebiger Rioja-Weißweine an, wie sie einst Häuser wie Marqués de Murrieta oder López de Heredia prägten.
Expansion nach Navarra und Alicante
Der Erfolg in der Rioja Alavesa war für López de Lacalle nur der Ausgangspunkt einer größeren Vision: Wein als unverfälschten Ausdruck von Landschaft, Boden und Kultur zu begreifen, unabhängig von der jeweiligen Region. 1996 übernahm er in Navarra das Weingut Artazu, wo hundertjährige Garnacha-Reben auf kargen Böden Weine von bemerkenswerter Frische und Saftigkeit hervorbringen, eine Kraft, die zuvor oft in anonymen Verschnitten verschwand. 1999 folgte El Sequé in Alicante, wo alte Monastrell-Reben auf Kalksteinböden mediterrane Eleganz und Konzentration entwickeln. Allen 3 Projekten gemeinsam ist der Respekt vor alten Rebstöcken, der konsequente Verzicht auf technische Tricks im Keller und das unbedingte Vertrauen in die jeweilige Lage, ob es nun die kühlen Nächte der Rioja Alavesa, die würzige Hitze Navarras oder die salzige Meeresbrise Alicantes sind, die den Charakter der Weine prägen.
Warum Favino
Artadi passt ideal in das Favino-Sortiment, weil kaum ein anderes spanisches Weingut so konsequent den Mut bewiesen hat, Prinzipien über Prestige zu stellen. Der freiwillige Austritt aus der DOCa Rioja, einer der bekanntesten Herkunftsbezeichnungen der Weinwelt, unterstreicht eindrucksvoll, wie ernst López de Lacalle seine Überzeugung nimmt, dass ein großer Wein zuallererst seinen Ursprung erzählen muss. Die konsequente biodynamische Bewirtschaftung, die Arbeit mit teils über 80 Jahre alten Rebstöcken und die klare, parzellenweise Lagenphilosophie machen Artadi zu einem Referenzpunkt für modernen, terroirgeprägten spanischen Weinbau. Für Favino steht das Weingut damit exemplarisch für eine neue Generation spanischer Spitzenweine, die Tradition nicht in starren Klassifikationen, sondern im Boden selbst verankert sehen.
Häufig gestellte Fragen zu Artadi
Wo liegt das Weingut Artadi? Artadi liegt in Laguardia in der Rioja Alavesa, einer Subzone der historischen spanischen Weinregion Rioja, geschützt von der Sierra Cantabria.
Warum verließ Artadi die DOCa Rioja? Artadi verließ die DOCa Rioja Ende 2015, um seine Lagenweine nach ihrer jeweiligen Herkunftsparzelle statt nach den klassischen Alterungskategorien Crianza und Reserva benennen zu können, und vermarktet seine Weine seither als Vino de España.
Was ist der Viña El Pisón? Viña El Pisón ist die berühmteste Einzellage von Artadi, eine seit Generationen im Familienbesitz befindliche, 1945 bepflanzte Amphitheaterlage, aus der einer der höchstbewerteten Rotweine Spaniens entsteht.
Arbeitet Artadi biodynamisch? Ja, seit rund 2011 wird der überwiegende Teil der rund 80 bis 83 Hektar eigener Rebfläche biodynamisch bewirtschaftet, vollständig ohne chemische Hilfsmittel.
Welche weiteren Weingüter gehören zu Artadi? Neben dem Stammhaus in der Rioja Alavesa betreibt Juan Carlos López de Lacalle seit 1996 das Garnacha-Weingut Artazu in Navarra und seit 1999 das Monastrell-Weingut El Sequé in Alicante.
Was zeichnet den Stil von Artadi aus? Die Weine verbinden die Kraft der Tempranillo-Traube mit Finesse, Frische und feiner Tanninstruktur, oft als burgundisch-modern beschrieben, mit Fokus auf Eleganz statt reiner Extraktion.