Kategorie: Telmo Rodriguez

Der Sohn, dem der Vater verbot, guten Wein zu machen

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  • Telmo Rodriguez - Basa 2024
    Weinflasche, Telmo Rodriguez, Rueda, Verdejo, Viura DO
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"Ich verbiete dir, gute Weine zu machen", soll Jaime Rodríguez seinem Sohn Telmo gesagt haben, als dieser Anfang der 1990er-Jahre aus Bordeaux ins elterliche Weingut Remelluri zurückkehrte. Der spanische Markt verlangte damals nach billigem, übermäßig holzgeprägtem Rioja, nicht nach Terroir-Weinen. Telmo verweigerte sich diesem Diktat, verließ das Familienweingut und begann, ganz Spanien nach vergessenen Rebbergen zu durchsuchen.

Auf einen Blick

Telmo Rodríguez ist ein spanischer Winzer und Önologe, der an der Universität Bordeaux Weinbau studierte und anschließend Erfahrung bei renommierten Winzern sammelte, darunter der legendäre Rhône-Winzer Auguste Clape. Er stammt aus der Familie, die 1967 das 14. Jahrhundert alte Klosteranwesen Remelluri in der Rioja Alavesa erwarb, zunächst zurückgeführt auf nur 20 Hektar Rebfläche. 1994 verließ Telmo gemeinsam mit seinem langjährigen Geschäftspartner Pablo Eguzkiza das Familienweingut, überzeugt, dass dort für ihn keine Zukunft lag, und gründete die Compañía de Vinos Telmo Rodríguez, ein Projekt, das über die folgenden Jahrzehnte mehr als 80 Hektar und über 355 einzelne, meist verlassene Weinbergsparzellen in Regionen wie Cebreros, Rueda, Málaga, Cigales, Alicante, Valdeorras, Toro und der Ribera del Duero wiederbelebte. 2010 kehrte Telmo auf Bitten seines Bruders zusammen mit seiner Schwester Amaia nach Remelluri zurück, das im selben Jahr vollständig auf biologischen Anbau umgestellt wurde.

Vom verbotenen Winzer zum Terroir-Pionier

Telmo Rodríguez wuchs auf dem Anwesen Remelluri auf, das seine Eltern, der Unternehmer Jaime Rodríguez Salís und die Künstlerin Amaia Hernandorena, 1967 mehr aus einer spontanen Leidenschaft als aus geschäftlichem Kalkül erwarben, ein völlig verfallenes, historisches Kloster in der Rioja Alavesa, ohne dass die Familie zuvor irgendeine Erfahrung im Weinbau besaß. 1971 kam mit dem ersten Remelluri-Jahrgang der erste moderne Einzellagen-Rioja überhaupt auf den Markt. Telmo selbst gab zunächst sein Biologiestudium auf, um an der Universität Bordeaux Önologie zu studieren, gefolgt von prägenden Lehrjahren bei einigen der renommiertesten französischen Winzer, bevor er in den 1980er-Jahren nach Remelluri zurückkehrte. Sein Vater erlaubte ihm jedoch keine ambitionierten Rotweine, da der damalige Markt vor allem billigen, stark holzgeprägten Rioja verlangte, weshalb Telmo sich stattdessen dem Weißwein widmete, ein Experimentierfeld, das ihm sein Vater zugestand, da dort weniger auf dem Spiel stand. Gemeinsam mit Pablo Eguzkiza, der seit den späten 1980er-Jahren sein gleichberechtigter Geschäftspartner ist, auch wenn das Unternehmen bis heute Telmos Namen trägt, entschied sich Rodríguez 1994 schließlich, das Familienweingut zu verlassen, überzeugt, dass es dort für ihn keine Zukunft gebe, solange er keine Weine von höchstem Anspruch erzeugen dürfe. Seit 2002 widmen sich beide systematisch der Wiederbelebung aufgegebener, oft an Steilhängen gelegener Weinberge, in denen über Jahrhunderte gewachsene Winzertraditionen einst blühten, in enger Zusammenarbeit mit lokalen Winzern und mit besonderem Fokus auf den gemeinsamen Anbau autochthoner Rebsorten. 2010 kehrte Telmo auf Bitten seines Bruders gemeinsam mit seiner Schwester Amaia, die heute als Rebbergverantwortliche des Anwesens fungiert, endgültig zu Remelluri zurück, das mittlerweile auf 92 Hektar angewachsen war und dessen Böden nach Telmos eigenen Worten seit über 800 Jahren keinen einzigen Tropfen Herbizid gesehen hatten.

Remelluri: Die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln

Remelluri liegt auf den nach Süden ausgerichteten, geschützten Hängen der Sierra de Toloño in der Rioja Alavesa, der kleinsten Teilzone der Rioja. Unter Amaias fachkundiger Leitung werden die Rebflächen biologisch sowie nach regenerativen, agroforstwirtschaftlichen Prinzipien bewirtschaftet, mit besonderem Augenmerk auf Vielfalt von den Wurzeln bis zum Blätterdach, sie stellte unter anderem die Garnacha-Reben auf ihre traditionelle Buscherziehung zurück und erweiterte die Mischbepflanzung mit alternativen Rebsorten. Im Jahrgang 2020 weitete Telmo das Projekt zusätzlich auf 6 der bedeutendsten Dörfer der Region aus: Labastida, San Vicente de la Sonsierra, Ábalos, Peciña, Rivas de Tereso und Salinillas de Buradón. Telmo setzt bei Remelluri bevorzugt auf französische statt amerikanische Eiche, die er als zu aggressiv empfindet, und verwendet neues Holz nur sparsam, um Frucht und Terroir möglichst unverfälscht zur Geltung zu bringen. Remelluri pflegt zudem bewusst den sogenannten Field Blend, den gemeinsamen Anbau verschiedener Rebsorten in derselben Parzelle, mit dem Ziel, unterhalb der Klosterkapelle eine regelrechte Bibliothek an Rebsorten anzulegen, darunter seltene, auf dem Anwesen wachsende Trauben ebenso wie kleinere Rioja-Sorten. Bereits 2009 initiierte Telmo mit Lindes de Remelluri eine neue Weinlinie aus zugekauften Trauben, die zuvor rund 40 Prozent der verarbeiteten Menge ausmachten, mit 2 dorfspezifischen Rotweinen, Lindes de Labastida und Lindes de San Vicente.

Die Projekte über ganz Spanien

Über die Jahrzehnte kartierten Telmo Rodríguez und Pablo Eguzkiza systematisch Spaniens Weinlandschaft und gruppierten dabei insbesondere in der Rioja Trauben nach einzelnen Dörfern, die sie getrennt und mit neutraler Vinifikationstechnik ausbauten, ein Ansatz, der im Projekt Pegaso seinen deutlichsten Ausdruck findet. In Valdeorras im galicischen Nordwesten entsteht unter dem Namen Gaba do Xil sowohl reinsortiger Mencía als auch Godello, darunter die Einzellagen-Cuvée "O Barreiro". Mit dem Projekt Molino Real belebte Telmo ein nahezu vergessenes Kapitel der spanischen Weingeschichte wieder: die sogenannten Bergweine von Málaga, einst hochgeschätzte Süßweine, deren steile, schieferreiche Weinberge rund um Cómpeta im Lauf des 20. Jahrhunderts größtenteils aufgegeben wurden. Seit den 1990er-Jahren restauriert Telmo diese Steillagen und konzentriert sich dabei auf die Rebsorte Moscatel, aus der intensiv aromatische, konzentrierte und zugleich frische Weine entstehen. Weitere Projekte erstrecken sich über Cebreros in der Sierra de Gredos, Rueda, Cigales, Alicante, Toro und die Ribera del Duero, stets mit demselben Grundprinzip: alte, oft genetisch bedrohte Rebbestände zu identifizieren, autochthone Sorten wie Godello, Verdejo, Moscatel und Monastrell neu ins Bewusstsein zu rücken sowie klassische Sorten wie Tempranillo, Garnacha und Cariñena an Standorten zu kultivieren, die ihren ursprünglichen Charakter unverfälscht widerspiegeln.

Häufig gestellte Fragen zu Telmo Rodríguez

Wer ist Telmo Rodríguez? Telmo Rodríguez ist ein spanischer Winzer und Önologe, der nach seinem Studium in Bordeaux zunächst im Familienweingut Remelluri arbeitete, bevor er 1994 sein eigenes, landesweit tätiges Weinprojekt gründete.

Was ist Remelluri? Remelluri ist das 14. Jahrhundert alte Familienanwesen der Rodríguez in der Rioja Alavesa, das Telmos Vater Jaime 1967 erwarb und zu dem Telmo 2010 gemeinsam mit seiner Schwester Amaia zurückkehrte.

Warum verließ Telmo Rodríguez das Familienweingut? Sein Vater erlaubte ihm keine ambitionierten Rotweine, da der Markt der frühen 1990er-Jahre billigen, holzgeprägten Rioja verlangte, weshalb Telmo 1994 gemeinsam mit Pablo Eguzkiza eigene Wege ging.

Welche Rebsorten stehen im Zentrum seiner Projekte? Telmo arbeitet mit autochthonen spanischen Sorten wie Godello, Verdejo, Moscatel, Monastrell, Mencía und Garnacha sowie mit klassischen Sorten wie Tempranillo und Cariñena.

Was ist das Projekt Molino Real? Molino Real belebt die historischen, steilen Schieferlagen der Bergweine von Málaga rund um Cómpeta wieder, mit Fokus auf die Rebsorte Moscatel.

Wer ist Pablo Eguzkiza? Pablo Eguzkiza ist Telmo Rodríguez' langjähriger, gleichberechtigter Geschäftspartner seit den späten 1980er-Jahren, auch wenn das gemeinsame Unternehmen bis heute Telmos Namen trägt.