Kaum eine weiße Rebsorte trägt so viele Namen wie diese eine: Pinot Grigio in Italien, Pinot Gris in Frankreich, Grauburgunder oder Ruländer in Deutschland. Drei Namen, ein und dieselbe Traube, drei völlig unterschiedliche Weinstile.
Auf einen Blick
Grauburgunder ist eine natürliche Mutation des Spätburgunders, also Pinot Noir, und gehört damit zur burgundischen Rebsortenfamilie, obwohl aus den rötlich-grauen Beeren überwiegend Weißwein gekeltert wird. In Deutschland ist die Sorte mit einer Anbaufläche von rund 8.000 Hektar, das entspricht knapp 8 Prozent der gesamten Rebfläche, nach Riesling und Müller-Thurgau die drittwichtigste Rebsorte, mit einer Anbaufläche, die sich in den vergangenen 20 Jahren verdreifacht hat. Rund 85 Prozent der deutschen Grauburgunder-Menge stammen aus den 3 Anbaugebieten Baden, Rheinhessen und der Pfalz. International führt jedoch Italien die Rangliste an, wo allein in den norditalienischen Regionen Südtirol, Venetien, Friaul und Trentino auf schätzungsweise 25.000 Hektar Pinot Grigio angebaut wird. Historisch geht der deutsche Name Ruländer auf den Speyerer Kaufmann Johann Seger Ruland zurück, der die Rebe 1711 in einem verwilderten Weingarten wiederentdeckte und maßgeblich zu ihrer Verbreitung beitrug. Favino.de führt Grauburgunder aus deutschen und italienischen Spitzenlagen im Sortiment.
Herkunft und Geschichte
Grauburgunder stammt ursprünglich aus dem französischen Burgund und gilt als natürliche Mutation des Spätburgunders, wodurch die auffällig rötlich-graue Farbe der Traubenschale entstand, während die Rebe genetisch weiterhin zur Pinot-Familie zählt. Bereits im 14. Jahrhundert gelangte die Sorte auf Umwegen über die Schweiz nach Mitteleuropa, wobei Kaiser Karl IV. sie 1375 nach Ungarn an den Plattensee brachte. Von dort aus fand die Traube 1568 durch Lazarus von Schwendi den Weg ins Elsass und an den Kaiserstuhl. Den entscheidenden Impuls für die deutsche Verbreitung lieferte jedoch ein Zufallsfund: 1711 entdeckte der Speyerer Kaufmann und Apotheker Johann Seger Ruland die Rebe in einem verwilderten Weingarten in der Streifergasse und war von dem daraus gekelterten süßen, gehaltvollen Wein derart begeistert, dass er die Sorte fortan gezielt vermehrte und vermarktete, wonach sie in Deutschland bis heute den Namen Ruländer trägt. Über Jahrhunderte hinweg wurde die Sorte hierzulande fast ausschließlich zu schweren, oft edelsüßen Weinen mit Botrytis-Ton verarbeitet. Erst seit Mitte der 1990er Jahre setzte in den deutschen Kernregionen ein stilistischer Wandel ein, bei dem frühere Lese und gesunde, unbotrytisierte Trauben zunehmend die traditionelle Ruländer-Stilistik durch trockene, frischere Weine unter dem Namen Grauburgunder ablösten.
Charakter und typische Aromen
Grauburgunder liefert typischerweise säurearme, aber körper- und extraktreiche Weißweine mit einem in der Regel eher hohen Alkoholgehalt und kräftiger goldgelber Farbe, die bei sehr guten Qualitäten mitunter leichte Brauntöne annehmen kann. Sensorisch dominieren Aromen von reifer Birne, Apfel und Honigmelone, ergänzt durch nussige Noten und eine dezente Würze. Die dünnhäutigen Beeren gelten als weinbaulich anspruchsvoll, da sie eine sehr feinfühlige Bearbeitung erfordern, um vorzeitiges Aufplatzen und einen ungewollt frühen Saftaustritt zu vermeiden, zudem reagiert die Sorte empfindlich auf Temperaturschwankungen und ist anfällig für Echten und Falschen Mehltau. In Deutschland haben sich 2 grundverschiedene Ausbaustile etabliert: Der traditionelle Ruländer-Stil aus sehr reifen, teils edelfaulen Trauben ergibt schwere, süße Weine mit charakteristischem Botrytis-Ton, während der moderne Grauburgunder-Stil auf früher gelesenen, gesunden Trauben basiert und trockene, elegantere Weine mit cremiger, aber nicht überladener Textur hervorbringt. Ausgebaut wird die Sorte sowohl im Edelstahltank für frischere, spritzigere Varianten als auch im großen Holzfass oder Barrique, was den Weinen zusätzliche Komplexität und mitunter Vanillearomen verleiht.
Pinot Grigio, Pinot Gris und Grauburgunder: Drei Stile, eine Traube
Obwohl es sich genetisch um exakt dieselbe Rebsorte handelt, unterscheiden sich die 3 großen nationalen Interpretationen stilistisch deutlich voneinander. Der italienische Pinot Grigio, vor allem aus Venetien, Friaul und Südtirol, wird meist früh gelesen und ausschließlich im Edelstahltank ausgebaut, was leichte, frische und unkomplizierte Weine mit rund 12 bis 12,5 Volumenprozent Alkohol ergibt, seit 2017 auch unter der geschützten Herkunftsbezeichnung Pinot Grigio delle Venezie DOC, die einen Mindestanteil von 85 Prozent Pinot Grigio vorschreibt. Der deutsche Grauburgunder reift dagegen länger am Rebstock und kommt häufiger ins Holzfass, wodurch er sich körperreicher und komplexer mit Alkoholwerten zwischen 12,5 und 13,5 Volumenprozent präsentiert. Die opulenteste Interpretation findet sich im französischen Elsass, wo Pinot Gris vollmundig, mitunter mit spürbarer Restsüße und deutlich höherem Alkoholgehalt ausgebaut wird, ein Stil, der früher unter dem inzwischen aus rechtlichen Gründen nicht mehr zulässigen Namen Tokay d'Alsace vermarktet wurde. In der Schweiz und im Wallis ist die Sorte zudem unter dem Namen Malvoisie bekannt.
Anbaugebiete im Überblick
In Deutschland konzentriert sich der Anbau zu rund 85 Prozent auf die 3 Regionen Baden, Rheinhessen und die Pfalz, wobei Baden dank seines milden Klimas und kalkhaltiger Böden traditionell als besonders geeignet für die anspruchsvolle Sorte gilt. In Italien dominiert der Norden mit den Regionen Südtirol, Trentino, Venetien und Friaul-Julisch Venetien, wo Pinot Grigio zu einem der international erfolgreichsten italienischen Exportweine überhaupt geworden ist. Im französischen Elsass zählt Pinot Gris neben Riesling und Gewürztraminer zu den bedeutendsten Rebsorten und ist zudem eine wichtige Basis für den Crémant d'Alsace. Weitere nennenswerte Anbauflächen finden sich in Österreich, der Schweiz, Ungarn, Slowenien sowie in Übersee in Kalifornien, Oregon, Australien und Neuseeland, wo überwiegend fruchtbetonte, saftige Interpretationen der Sorte entstehen.
Grauburgunder als Speisebegleiter
Grauburgunder gilt als äußerst vielseitiger Essensbegleiter, dessen moderate Säure und cremige Textur ihn ideal für gebratenen Fisch, helles Fleisch wie Kalb oder Geflügel sowie würzige Pilzgerichte macht. Kräftigere, im Holzfass ausgebaute Varianten harmonieren zudem gut mit Lamm-, Wildgeflügel- oder Pasta-Gerichten mit kräftigen Saucen, während die traditionell restsüßen Ruländer-Weine hervorragend zu Edelpilzkäse oder nicht allzu süßen Desserts passen. Die optimale Trinktemperatur liegt bei jungen, frischen Grauburgundern bei etwa 10 Grad Celsius, während vollere, gereifte Weine etwas wärmer serviert werden können, um ihre Aromenvielfalt voll zu entfalten.
Häufig gestellte Fragen zu Grauburgunder
Was ist der Unterschied zwischen Grauburgunder, Pinot Gris und Pinot Grigio? Es handelt sich um dieselbe Rebsorte, wobei sich die Namen auf unterschiedliche nationale Ausbaustile beziehen, Pinot Grigio steht für den leichten italienischen Stil, Pinot Gris für die opulentere elsässische Interpretation und Grauburgunder für den körperreicheren deutschen Ausbau.
Warum heißt Grauburgunder in Deutschland auch Ruländer? Der Name geht auf den Speyerer Kaufmann Johann Seger Ruland zurück, der die Rebe 1711 wiederentdeckte, wobei Ruländer heute meist für die süßeren, edelsüßen Varianten der Sorte verwendet wird, während trockene Weine als Grauburgunder bezeichnet werden.
Ist Grauburgunder eine Mutation welcher Rebsorte? Grauburgunder ist eine natürliche Mutation des Spätburgunders, also Pinot Noir, und damit botanisch eng mit den anderen Burgundersorten wie Weißburgunder verwandt.
In welchen deutschen Anbaugebieten wird Grauburgunder hauptsächlich angebaut? Rund 85 Prozent der deutschen Grauburgunder-Menge stammen aus den Anbaugebieten Baden, Rheinhessen und der Pfalz, die zu nahezu gleichen Teilen zur Gesamtmenge beitragen.
Warum gilt Grauburgunder als anspruchsvolle Rebsorte im Anbau? Die dünnhäutigen Beeren erfordern besonders feinfühlige Bearbeitung, da Verletzungen der Schale zu vorzeitigem Saftaustritt führen können, zudem reagiert die Sorte empfindlich auf Temperaturschwankungen und ist anfällig für Mehltau.
Wie schmeckt ein typischer Grauburgunder? Typisch sind Aromen von reifer Birne, Apfel und Honigmelone, ergänzt durch nussige Noten, bei moderater Säure und einem meist körperreichen, cremigen Gaumeneindruck.