Kategorie: Sangiovese

Das Blut des Jupiter in der Toskana

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Kaum eine Rebsorte ist so untrennbar mit einer Landschaft verbunden wie Sangiovese mit der Toskana. Zwischen den Hügeln von Chianti, Montalcino und Montepulciano bringt diese eine Traube Weine hervor, die geschmacklich kaum unterschiedlicher sein könnten und doch alle denselben Ursprung teilen.

Auf einen Blick

Sangiovese ist die meistangebaute rote Rebsorte Italiens mit einer Fläche von rund 68.000 bis 100.000 Hektar, je nach Quelle, und die unangefochtene Leitrebsorte der Toskana. Die Herkunft des Namens gilt als nicht abschließend geklärt, wird jedoch häufig vom lateinischen "sanguis jovis" abgeleitet und mit "Blut des Jupiter" übersetzt. Sangiovese bildet die Basis für einige der bekanntesten italienischen Rotweine, darunter Chianti mit einem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanteil von 70 bis 80 Prozent, Brunello di Montalcino und Vino Nobile di Montepulciano, die beide zu 100 Prozent beziehungsweise mindestens 70 Prozent aus speziellen Sangiovese-Klonen namens Brunello und Prugnolo Gentile bestehen. Genetisch entstand die Sorte laut Untersuchungen des Schweizer Biologen José Vouillamoz aus einer spontanen Kreuzung der Rebsorten Ciliegiolo und Calabrese di Montenuovo, wobei die genauen agronomischen Ursprünge weiterhin im Dunkeln liegen. Neben der Toskana ist Sangiovese auch in der Emilia-Romagna und den Marken bedeutend vertreten sowie unter dem Namen Nielluccio auf der französischen Insel Korsika. Favino.de führt Sangiovese-Weine aus mehreren toskanischen Spitzenlagen im Sortiment.

Herkunft und Geschichte

Die Ursprünge des Sangiovese lassen sich vermutlich bis in die Zeit der Etrusker und Römer zurückverfolgen, auch wenn eindeutige historische Belege fehlen. Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Rebe unter dem heutigen Namen um das Jahr 1590 durch den florentinischen Agronomen Giovanni Soderini, der sie in seinen Schriften als eine der besten toskanischen Rebsorten pries. Bis ins 19. Jahrhundert waren zudem die Bezeichnungen Sangioveto oder San Gioveto gebräuchlich. Da die Traube seit jeher sehr unterschiedliche regionale Namen trug und je nach Anbaubedingungen stark unterschiedliche äußerliche Ausprägungen zeigt, sprechen Rebenforscher heute nicht von einer einzelnen Sorte, sondern von einer ganzen Sortenfamilie mit über 112 dokumentierten Synonymen. Lange Zeit ging man von 2 eigenständigen Unterarten aus, dem großbeerigen Sangiovese Grosso und dem kleinbeerigeren Sangiovese Piccolo, zu denen unter anderem der für Brunello verwendete Klon Brunello sowie der für Vino Nobile verwendete Prugnolo Gentile zählten. Bereits 1879 stellte eine ampelografische Kommission der Provinz Siena jedoch die genetische Gleichheit dieser vermeintlichen Varianten fest, eine Erkenntnis, die durch spätere DNA-Analysen bestätigt wurde: Die früher angenommenen größeren Beeren des Sangiovese Grosso ließen sich stattdessen auf die spezifischen Wachstumsbedingungen um Montalcino zurückführen. Den kommerziellen Durchbruch der Sorte über die Toskana hinaus brachte vor allem die Nachkriegszeit, als neben dem traditionellen Alleinbesitzer des Brunello-Klons, dem Weingut Biondi-Santi, auch weitere Winzer rund um Montalcino begannen, die Sorte gezielt anzupflanzen.

Charakter und typische Aromen

Sangiovese zählt zu den Rebsorten, die sich nicht sofort öffnen, sondern ihren Charakter erst mit etwas Geduld preisgeben, was gerade ihren besonderen Reiz ausmacht. Typisch für die Sorte ist eine helle bis mittlere rubinrote Farbe sowie eine ausgeprägte Struktur mit hohem Säure- und Tanningehalt, wobei die Tannine bei gelungenen Weinen meist gut eingebunden und nicht aufdringlich wirken. Im Duft und Geschmack dominieren Sauerkirsche, rote Johannisbeere und Pflaume, ergänzt durch florale Veilchennoten sowie würzige Anklänge von Kräutern, Erde oder getrockneten Blumen. Mit zunehmender Reife entwickeln viele Sangiovese-Weine komplexe Tertiäraromen von Leder, Tabak, Tee und Unterholz. Da die Sorte in kühlen, feuchten Jahren zur Anfälligkeit neigt, wurde sie traditionell mit anderen Rebsorten verschnitten, bis in die 1980er Jahre vor allem mit den lokalen Sorten Canaiolo oder Colorino, später zunehmend auch mit internationalen Sorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot, ein Ansatz, der unter anderem die berühmten Super-Tuscans hervorbrachte. Der Ausbau erfolgte traditionell in großen Holzfässern, den sogenannten Botti, die dem Wein nur wenig Holzaromen verliehen und die fruchtigen Noten der Traube betonten, während sich in den vergangenen Jahrzehnten bei hochwertigen Weinen wie Brunello di Montalcino zunehmend auch kleinere Barriques aus französischer Eiche etabliert haben, die dem Wein zusätzliche Struktur sowie Vanille- und Röstaromen verleihen.

Die großen toskanischen Weine aus Sangiovese

Im Chianti-Gebiet zwischen Florenz und Siena, der ältesten kontrollierten Weinbauzone Europas, deren Ursprünge auf ein Dekret des Großherzogs Cosimo III. de' Medici aus dem Jahr 1716 zurückgehen, bildet Sangiovese das Rückgrat des gleichnamigen Weins mit einem Mindestanteil von 70 bis 80 Prozent, wobei die übrigen Anteile aus bis zu 12 weiteren, teils internationalen Rebsorten stammen können. Rund um das Städtchen Montalcino, auf steinigeren Böden und in einem heißeren, trockeneren Klima als im übrigen Chianti-Gebiet, entsteht mit dem ausschließlichen Einsatz des Brunello-Klons der prestigeträchtige Brunello di Montalcino, einer der teuersten und langlebigsten Weine Italiens, sowie sein zugänglicherer kleiner Bruder, der Rosso di Montalcino. Östlich davon, rund um Montepulciano, bringt der Prugnolo-Gentile-Klon den eleganten Vino Nobile di Montepulciano hervor, der mit mindestens 70 Prozent Sangiovese sowie einer vorgeschriebenen Reifezeit von mindestens 24 Monaten, davon mindestens 12 im Holz, historisch als erster italienischer Wein überhaupt die Bezeichnung DOCG erhielt. Ein weiterer bedeutender Vertreter ist der Morellino di Scansano aus der südlichen Toskana, der einen zugänglicheren, fruchtbetonteren Stil verkörpert.

Sangiovese außerhalb der Toskana

Über die Toskana hinaus spielt Sangiovese auch in der Emilia-Romagna und in den Marken eine bedeutende Rolle im italienischen Weinbau. Eine gewisse historische Bedeutung erlangte die Sorte zudem auf der französischen Insel Korsika, wohin sie bis Ende des 18. Jahrhunderts von den damals herrschenden Genuesen eingeführt wurde und dort bis heute unter dem Namen Nielluccio in zahlreichen AOC-Weinen zugelassen ist. Weitere, meist kleinere Anpflanzungen finden sich in Griechenland, Malta, der Schweiz, der Türkei und Ungarn, während die Sorte außerhalb Europas unter anderem in Argentinien, Australien, Chile, den USA und sogar im deutschen Pfalz-Anbaugebiet kultiviert wird, wo einzelne Erzeuger sie im Stil der toskanischen Super-Tuscans mit Cabernet-Sorten verschneiden.

Sangiovese als Speisebegleiter

Dank seiner lebendigen, teils knackigen Säure gilt Sangiovese als geradezu idealer Partner zur italienischen Küche, insbesondere zu tomatenbasierten Gerichten, deren eigene Säure durch den Wein harmonisch aufgenommen wird. Gereifte, kräftigere Ausprägungen wie ein Brunello Riserva harmonieren hervorragend mit gegrilltem Fleisch und Steaks wie der Bistecca Fiorentina, herzhaften Pappardelle mit Wildschweinragout sowie gut gereiften Käsesorten, während jüngere, frischere Sangiovese-Weine auch zu gewürzten Fischgerichten und kalten Platten passen.

Häufig gestellte Fragen zu Sangiovese

Woher stammt die Rebsorte Sangiovese? Sangiovese stammt vermutlich aus Mittelitalien und wurde erstmals um 1590 schriftlich erwähnt, entstand genetisch als spontane Kreuzung der Sorten Ciliegiolo und Calabrese di Montenuovo.

Was bedeutet der Name Sangiovese? Der Name wird häufig vom lateinischen "sanguis jovis" abgeleitet und mit "Blut des Jupiter" übersetzt, auch wenn die genaue Herkunft des Namens nicht abschließend geklärt ist.

Was ist der Unterschied zwischen Sangiovese, Brunello und Prugnolo Gentile? Es handelt sich genetisch um dieselbe Rebsorte, Brunello und Prugnolo Gentile bezeichnen lediglich spezifische, regional selektierte Klone des Sangiovese, die für Brunello di Montalcino beziehungsweise Vino Nobile di Montepulciano verwendet werden.

Wie viel Sangiovese muss in einem Chianti enthalten sein? Nach den Vorschriften der Appellation muss ein Chianti DOCG mindestens 70 Prozent Sangiovese enthalten, ein Chianti Classico mindestens 80 Prozent.

Wie schmeckt ein typischer Sangiovese-Wein? Typisch sind eine helle rubinrote Farbe, ausgeprägte Säure und Tannine sowie Aromen von Sauerkirsche, roter Johannisbeere und Pflaume, ergänzt durch florale und würzige Noten.

Wozu passt Sangiovese am besten? Dank seiner lebendigen Säure passt Sangiovese besonders gut zu tomatenbasierten Gerichten der italienischen Küche, während gereiftere Weine auch zu gegrilltem Fleisch und reifem Käse harmonieren.