Auf einen Blick
Württemberg ist mit 10.694 Hektar Rebfläche (2025) das viertgrößte deutsche Weinbaugebiet und umfasst 210 Einzellagen. Es liegt im Südwesten Deutschlands und erstreckt sich entlang des Neckars und seiner Nebenflüsse Rems, Enz, Kocher, Jagst und Tauber von Weikersheim im Norden bis nach Tübingen und Reutlingen, dazu kommt ein kleiner Bereich am Bodensee. Es gliedert sich in 5 Bereiche: Württembergisch Unterland, Remstal-Stuttgart, Kocher-Jagst-Tauber, Oberer Neckar und Württembergischer Bodensee. Rund 65 Prozent der Fläche sind mit roten Sorten bestockt, das sind 6.721 Hektar. Lemberger wächst auf 1.661 Hektar, Trollinger auf 1.614 Hektar, Spätburgunder auf 1.242 Hektar und Schwarzriesling auf 1.030 Hektar. Bei den weißen Sorten führt Riesling mit 1.995 Hektar, rund die Hälfte der Weißweinfläche. Favino.de führt Weine des Weinguts Schnaitmann aus Fellbach im Sortiment.
Geschichte des Weinbaus in Württemberg
Weinbau in Württemberg ist seit dem 2. Jahrhundert belegt. Im Mittelalter war Württemberg neben Franken das größte Weinland Deutschlands, die Rebfläche war damals viermal größer als heute. Eine Herbstordnung von 1607 regelte Lese und Anbau. Krieg, Frost und Reblaus ließen die Fläche schrumpfen, im 19. Jahrhundert wurde Württemberg zur Geburtsstätte des deutschen Winzergenossenschaftswesens. Die Weingärtnergenossenschaften prägen die Region bis heute, ein Großteil der Ernte wird über sie verarbeitet und vermarktet, entsprechend selbstbewusst sind die Weingärtner, wie die Winzer in Württemberg heißen. Seit den 1990er Jahren hat eine junge Generation selbstständiger Weingüter das Profil der Region geschärft, mit dem Anspruch, Lemberger, Spätburgunder und Riesling auf internationalem Niveau zu erzeugen.
Klima und Böden
Die Weinberge liegen überwiegend in den Flusstälern des Neckars und seiner Nebenflüsse in meist südlich ausgerichteten Steillagen zwischen 170 und 400 Metern Höhe. Schwarzwald, Odenwald und Schwäbische Alb schützen das Gebiet und sorgen für ein mildes, kontinental geprägtes Klima, der Neckar verbessert zusätzlich das Kleinklima. Bei den Böden dominieren Muschelkalk und Keuper. Entlang des Neckars herrscht Muschelkalk vor, steinig und wärmespeichernd, in weiten Teilen des Unterlands, am Stromberg, Heuchelberg und im Remstal bestimmt der Mittlere Keuper mit Gipseinlagerungen das Bild, im Bereich Hohenneuffen prägen vulkanische Gesteine und Braunjura. Auf Muschelkalk entstehen kraftvolle, tanninreiche Weine, auf Keuper eher fruchtige und duftige.
Lemberger, Trollinger und Schwarzriesling
Lemberger, in Österreich und Ungarn als Blaufränkisch bekannt, ist die Spitzenrebe Württembergs und bringt tiefdunkle, würzige Rotweine mit kräftigen Tanninen, Aromen von Brombeere und Kirsche und gutem Lagerpotenzial hervor. Trollinger, die Leitrebsorte, ist in Deutschland fast ausschließlich in Württemberg zu finden und liefert helle, frische, süffige Rotweine, ein klassischer Vesperwein. Schwarzriesling, genetisch identisch mit Pinot Meunier, bringt duftige, weiche Rotweine mit feiner Frucht hervor, Spätburgunder legt qualitativ stark zu. Bei den Weißen ist Riesling die wichtigste Sorte, daneben wachsen Kerner, eine Kreuzung aus Trollinger und Riesling, sowie Weiß- und Grauburgunder. Rund 70 Prozent der Weine werden trocken oder halbtrocken ausgebaut.
Die Bereiche und Lagen Württembergs
Das Württembergische Unterland nördlich von Stuttgart ist der größte Bereich und das Zentrum des Weinbaus, mit Orten wie Heilbronn, Weinsberg, Brackenheim und Lauffen. Hier wachsen vor allem Lemberger, Trollinger und Schwarzriesling auf Keuper und Muschelkalk. Remstal-Stuttgart ist der zweitgrößte Bereich und gilt als einer der vielseitigsten und qualitativ stärksten, mit Lagen wie dem Fellbacher Lämmler, dem Schnaiter Altenberg, dem Stettener Pulvermächer und dem Uhlbacher Götzenberg. Mitten in Stuttgart, in Untertürkheim und Bad Cannstatt, wachsen Reben auf Muschelkalk. Kocher-Jagst-Tauber im Norden ist für spritzige Weißweine bekannt, der Obere Neckar um Tübingen ein kleiner, eigenständiger Bereich, der Württembergische Bodensee eine Exklave am Seeufer bei Kressbronn.
Weinguts-Tipp bei Favino
Zu den Weingütern Württembergs im Favino-Sortiment zählt das Weingut Schnaitmann aus Fellbach im Remstal. Die Familie Schnaitmann ist seit dem 16. Jahrhundert in Fellbach nachweisbar, doch erst 1997 gründete Rainer Schnaitmann sein eigenes Weingut, nachdem er die Genossenschaft verlassen hatte. Bereits 2006 wurde er als bis dahin jüngstes Mitglied in den VDP aufgenommen, seit 2016 wird biodynamisch gearbeitet. Im Zentrum stehen Lemberger und Spätburgunder aus dem Fellbacher Lämmler, einer VDP.Grossen Lage auf Keuperboden, daneben Riesling und Trollinger.
Häufig gestellte Fragen zu Württemberg
Wie groß ist das Weinanbaugebiet Württemberg? Württemberg umfasst 10.694 Hektar Rebfläche (2025) mit 210 Einzellagen und ist das viertgrößte deutsche Anbaugebiet.
Welche Rebsorten prägen Württemberg? Rund 65 Prozent der Fläche sind rot bestockt, vor allem mit Lemberger, Trollinger, Spätburgunder und Schwarzriesling, bei den Weißweinen führt Riesling.
Was ist Lemberger? Lemberger ist der in Württemberg gebräuchliche Name für Blaufränkisch, eine tiefdunkle, würzige und tanninreiche Rotweinsorte mit gutem Lagerpotenzial.
Was ist Trollinger? Trollinger ist eine hellrote, leichte und süffige Rotweinsorte, die in Deutschland fast ausschließlich in Württemberg angebaut wird und in Südtirol als Vernatsch bekannt ist.
Warum gibt es in Württemberg so viele Genossenschaften? Württemberg ist die Geburtsstätte des deutschen Winzergenossenschaftswesens, im 19. Jahrhundert schlossen sich viele Weingärtner zusammen, bis heute verarbeitet ein Großteil der Winzer die Trauben über Genossenschaften.
Welche Böden prägen Württemberg? Muschelkalk und Keuper bestimmen das Bild, dazu kommen kleinere Bereiche mit Sandstein, Löss und vulkanischem Gestein.
Bei den Rebflächen weichen die Quellen je nach Jahr leicht ab, ich habe die Zahlen des Weininstituts für 2025 genommen. Die Angaben zu Schnaitmann stammen aus dem Text weiter oben im Chat. Die Aussage zu den Genossenschaften habe ich bewusst ohne Prozentzahl formuliert, weil die Quellen zwischen zwei Dritteln und 85 Prozent schwanken.