Kategorie: Touriga Nacional

Die Königin, die kaum Ertrag bringt

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  • Rocim - Touriga Nacional 2024
    Rocim, Alentejo, Touriga Nacional DOC Alentejo, Weinflasche, cremefarbenes Etikett, blaue Vogel-Illustration, rotes Logo
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    Rocim
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Kaum eine Rebsorte bringt so wenig Ertrag und wird trotzdem so hoch geschätzt wie Touriga Nacional. Viele Portugiesen nennen sie schlicht die Königin der Rebsorten, ein Titel, den sich die kleinen, dickschaligen Beeren mit intensiver Konzentration statt hoher Menge verdient haben.

Auf einen Blick

Touriga Nacional ist eine autochthone rote Rebsorte aus Portugal, deren Ursprung in der Region Dão liegt, wo sie bis heute die dortige Leitrebsorte ist. Genetische Analysen zeigten eine nähere Verwandtschaft zur ebenfalls portugiesischen Sorte Tinta Barroca, zudem gilt sie als ein Elternteil der Sorte Touriga Francesa, gemeinsam mit Mourisco Tinto. Die Sorte gilt als anspruchsvoll im Anbau: Ihre kleinen Beeren liefern traditionell oft weniger als 300 Gramm pro Rebstock, was sie ertragsarm, aber umso konzentrierter macht. Die weltweite Anbaufläche lag 2010 bei rund 10.435 Hektar, mit dem Hauptanteil in Portugal, konzentriert im Douro-Tal, in Dão sowie in kleinerem Umfang in Trás-os-Montes und im Alentejo. Seit 2021 ist Touriga Nacional zudem offiziell als Rotweinsorte in Bordeaux zugelassen, ein Beleg für ihre wachsende internationale Anerkennung, ergänzt durch kleinere Anbauflächen in Australien, Südafrika, Brasilien und den USA.

Herkunft und Geschichte

Touriga Nacional stammt ursprünglich aus der Region Dão im nördlichen Zentralportugal, wo sie auch heute noch die Hauptrebsorte darstellt und der Region ihren Beinamen "das Burgund Portugals" mitverdient. Von dort aus verbreitete sich die Sorte über Jahrhunderte ins benachbarte Douro-Tal, wo sie traditionell für die Portweinproduktion eingesetzt wurde und zunehmend auch für die Herstellung hochwertiger stiller Rotweine an Bedeutung gewinnt. Trotz ihrer geringen Erträge, die die Sorte im Douro-Tal mengenmäßig nur zu einem kleinen Anteil der Gesamtproduktion machen, spielt sie in den Assemblagen der besten Portweine eine zentrale Rolle, da ihre intensive Farbe, Struktur und Aromatik jeder Cuvée zusätzliche Klasse verleiht. In den 1970er und 1980er Jahren reisten neugierige südafrikanische Winzer gezielt ins Douro-Tal, um hitzeresistente und trockenheitstolerante Rebsorten für das heiße Kap-Klima zu finden, und entdeckten dabei das Potenzial von Touriga Nacional für die Erzeugung hochwertiger Portweinstile, eine Entdeckung, aus der einige der bekanntesten südafrikanischen Cape-Vintage-Weine hervorgingen. In den USA wurde traditionell viel aus Touriga Nacional gekelterter Wein gespritet, wobei amerikanische Erzeuger seit den 2000er Jahren zunehmend mit original portugiesischen Rebsorten experimentieren, um die Qualität ihrer eigenen Portwein-Stile zu verbessern.

Charakter und typische Aromen

Die kleinen, dickschaligen Beeren der Touriga Nacional besitzen ein besonders hohes Verhältnis von Schale zu Fruchtfleisch, was den daraus gekelterten Weinen einen außergewöhnlich hohen Extraktgehalt verleiht. Typische Aromen umfassen dunkle Wald- und Beerenfrüchte wie Blaubeere, Brombeere und Himbeere, ergänzt durch Veilchen, Tannennadeln, Bergamotte, Pinienkerne, Eukalyptus, Schokolade, Kaffee und Rosmarin, ein bemerkenswert vielschichtiges aromatisches Spektrum für eine einzelne Rebsorte. Die Weine zeigen sich in der Regel tief dunkel in der Farbe, vollmundig und reich an samtigen, gut strukturierten Tanninen, mit einem außergewöhnlich hohen Reifepotenzial, das sowohl für Portwein als auch für trockene Spitzenrotweine geschätzt wird. Touriga Nacional ist von Natur aus wärmeliebend und hitzebeständig, was sie besonders gut an die heißen, trockenen Sommer ihrer portugiesischen Heimat sowie an vergleichbare Klimazonen in Übersee anpasst.

Douro und Dão: Zwei Gesichter der Sorte

Im Douro-Tal wachsen die Reben in spektakulären, steilen Terrassenlagen auf schieferhaltigem, brüchigem Gestein, das den Weinen eine kraftvolle, mineralische Struktur verleiht, in Kombination mit der traditionellen Portweinproduktion sowie zunehmend hochwertigen stillen Rotweinen. In der Dão-Region dagegen dominieren Granitböden mit hoher Mineralstoffkonzentration, die den Weinen eine feinwürzige Mineralität sowie insgesamt mehr Eleganz und Würze verleihen als die kraftvolleren Douro-Weine. Im Alentejo, wo Touriga Nacional ebenfalls kultiviert wird, sorgen kalkhaltige Böden für fruchtigere, ausgewogenere Interpretationen der Sorte. Diese stilistische Bandbreite über die verschiedenen Anbauregionen hinweg unterstreicht, wie stark Touriga Nacional ihr jeweiliges Terroir widerspiegelt, ohne dabei ihren grundsätzlichen Charakter aus Kraft, Aromatik und Struktur zu verlieren.

Touriga Nacional als Cuvée-Partner und reinsortig

Obwohl Touriga Nacional zunehmend auch reinsortig ausgebaut wird, bleibt ihre traditionelle Rolle als Verschnittpartner von großer Bedeutung, insbesondere in Kombination mit Tinta Roriz und Touriga Francesa, die der Cuvée jeweils zusätzliche Frucht beziehungsweise Finesse verleihen, Jancis Robinson beschrieb Touriga Francesa in diesem Zusammenhang treffend als das Cabernet Franc zu Touriga Nacionals Cabernet Sauvignon. Diese Verschnittpraxis erlaubt es Winzern, die Kraft und Konzentration der Touriga Nacional mit der Zugänglichkeit und dem Fruchtcharakter anderer portugiesischer Sorten auszubalancieren, wodurch sowohl komplexe Portweine als auch anspruchsvolle stille Rotweine mit großem Reifepotenzial entstehen.

Häufig gestellte Fragen zu Touriga Nacional

Woher stammt die Rebsorte Touriga Nacional? Touriga Nacional stammt ursprünglich aus der portugiesischen Region Dão, wo sie bis heute die Leitrebsorte ist, und verbreitete sich von dort aus vor allem ins Douro-Tal.

Warum gilt Touriga Nacional als anspruchsvolle Rebsorte? Die kleinen, dickschaligen Beeren liefern nur geringe Erträge, oft weniger als 300 Gramm pro traditionellem Rebstock, was jedoch zu einer besonders hohen Aromenkonzentration führt.

Wofür wird Touriga Nacional hauptsächlich verwendet? Die Sorte spielt eine zentrale Rolle in den Assemblagen der besten Portweine, wird aber zunehmend auch für hochwertige trockene Rotweine im Douro-Tal und in Dão verwendet.

Wie schmeckt ein typischer Touriga Nacional? Typisch sind Aromen von dunklen Beeren, Veilchen und Gewürzen, ergänzt durch Noten von Schokolade und Kaffee, bei tiefer Farbe, kräftigen Tanninen und hohem Reifepotenzial.

Ist Touriga Nacional auch außerhalb Portugals bekannt? Ja, kleinere Anbauflächen finden sich in Südafrika, Australien, Brasilien und den USA, seit 2021 ist die Sorte zudem offiziell als Rotweinsorte in Bordeaux zugelassen.

Mit welchen Rebsorten wird Touriga Nacional häufig verschnitten? Am häufigsten wird sie mit Tinta Roriz und Touriga Francesa kombiniert, die der Cuvée zusätzliche Frucht beziehungsweise Eleganz und Finesse verleihen.