Kategorie: Gamay

Der Rebell, der aus dem Burgund verbannt wurde

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Herzog Philipp der Kühne verbannte Gamay 1395 höchstpersönlich aus dem Burgund, zu ertragreich, zu unedel für seinen Geschmack. Was wie ein Rauswurf aussah, entpuppte sich für die Rebsorte als Glücksfall: Auf den Granitböden weiter südlich fand sie eine neue Heimat, in der sie bis heute ihr wahres Potenzial entfaltet.

Auf einen Blick

Gamay ist eine rote Rebsorte, die als natürliche Kreuzung aus Pinot Noir und Gouais Blanc, dem Weißen Heunisch, entstand und damit genetisch eng mit Chardonnay verwandt ist, beide Sorten teilen sich dieselben Elternreben. Der Name geht auf das gleichnamige Dorf in der burgundischen Gemeinde Saint-Aubin an der Côte d'Or zurück, wo Benediktinermönche die Rebe bereits im 13. Jahrhundert kultivierten. Aufgrund ihrer hohen Erträge und ihres damals als minderwertig geltenden Rufs verbannte Herzog Philipp der Kühne von Burgund die Sorte 1395 per Dekret aus den besten Lagen der Côte d'Or, woraufhin sie sich weiter südlich im Beaujolais ansiedelte, wo Gamay auf Granitböden bis heute ihre eigentliche Heimat findet. In Frankreich wird die Sorte auf rund 34.000 Hektar angebaut, etwa 60 Prozent davon im Beaujolais. Das Herzstück der Region bilden 10 anerkannte Cru-Gemeinden: Brouilly, Chénas, Chiroubles, Côte de Brouilly, Fleurie, Juliénas, Morgon, Moulin-à-Vent, Régnié und Saint-Amour. Favino.de führt Gamay aus dem Beaujolais im Sortiment.

Herkunft und Geschichte

Gamay zählt zu den ältesten Rebsorten Frankreichs und tauchte erstmals im 13. Jahrhundert im Dorf Gamay bei Saint-Aubin auf, wo Benediktinermönche die Sorte aufgrund ihrer frühen Reife und hohen Erträge schätzten. Diese Eigenschaften wurden ihr jedoch zum Verhängnis, als sie zu einer wirtschaftlichen Konkurrenz für die im Burgund bereits etablierte Pinot Noir wurde: 1395 erließ Herzog Philipp der Kühne ein Dekret, das den Anbau von Gamay in den besten Lagen der Côte d'Or untersagte und die Sorte als "sehr schlechte und unehrliche Pflanze" brandmarkte. Diese Verbannung, oft als Zeichen ihrer Geringschätzung gedeutet, erwies sich rückblickend als Segen für die Rebsorte: Auf den kargen Granitböden des südlicher gelegenen Beaujolais gedieh Gamay prächtig und fand dort eine Heimat, die ihr bis heute besser entspricht als die kalkreichen Böden des eigentlichen Burgund. Über Jahrhunderte blieb der Ruf der Sorte dennoch als "unedel" verpönt, ein Erbe, das sich bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hielt, als der kommerzielle Erfolg des jung und frisch vermarkteten Beaujolais Nouveau das Bild der Sorte zusätzlich auf leichten, unkomplizierten Trinkwein reduzierte. Erst eine Gruppe von Winzern um Marcel Lapierre, Jean Foillard, Jean-Paul Thévenet und Guy Breton, inspiriert vom sogenannten Vater des Naturweins, Jules Chauvet, leitete ab den 1980er Jahren eine Gegenbewegung ein: Sie verzichteten auf hohe Erträge und schnelle önologische Eingriffe und rückten stattdessen die 10 Cru-Gemeinden des Beaujolais mit ihrer stilistischen Vielfalt in den Mittelpunkt.

Charakter und typische Aromen

Gamay bringt Rotweine mit frischen, lebendigen Aromen roter Früchte hervor, von Kirsche bis Himbeere, ergänzt durch zarte florale Nuancen von Veilchen und Rosen. Charakteristisch sind kaum spürbare Tannine, wodurch die Weine weich und geschmeidig wirken, kombiniert mit einer saftigen Säure, die für Lebendigkeit und animierenden Trinkfluss sorgt. Ein zentrales stilistisches Element ist die Kohlensäuremaischung, bei der ganze, unversehrte Trauben unter einer schützenden Kohlendioxidschicht intrazellulär vergären, was besonders fruchtige, blumige Aromen hervorbringt und gleichzeitig die Tanninextraktion reduziert, was zu weicheren, blasseren Weinen führt. In dieser Machart entstehende Weine erinnern geschmacklich mitunter an Bonbon, Banane oder Kaugummi, typisch für den leichten, jung zu trinkenden Beaujolais Nouveau. Gamay wird sowohl reinsortig als auch, etwa im burgundischen Passetoutgrain oder im Walliser Dôle, im Verschnitt mit Pinot Noir vinifiziert, wodurch die Weine zusätzliche Struktur und Säure gewinnen. Während einfache Beaujolais-Weine für den unkomplizierten, frühen Genuss gedacht sind, können hochwertige Cru-Beaujolais guter Jahrgänge, etwa aus Régnié oder Moulin-à-Vent, durchaus bis zu 10 Jahre reifen und dabei komplexere, mineralische Nuancen entwickeln.

Die 10 Crus des Beaujolais

Das Beaujolais erstreckt sich vom Süden Burgunds bei Mâcon bis kurz vor Lyon und ist geprägt von einem milden, kontinentalen Klima mit warmen Sommern und ausreichend Niederschlag. Im nördlichen, hügeligen Teil der Region sorgen mineralische Granit- und Schieferböden für Weine mit Struktur und Finesse, während kalkhaltige Lehmböden im Süden weichere, rundere Weine mit ausgeprägter Fruchtnote hervorbringen. Die 10 Cru-Gemeinden zeigen dabei ein bemerkenswert breites Stilspektrum: Moulin-à-Vent gilt als kräftigster und langlebigster Cru mit ausgeprägtem Tanningerüst, Morgon zeigt sich dicht und erdig mit gutem Reifepotenzial, während Fleurie für seine blumige Eleganz bekannt ist. Chiroubles bringt besonders leichte, duftige Weine hervor, Chénas gilt als der seltenste Cru mit samtiger Textur und floralen Nuancen, und Saint-Amour überzeugt mit zarter, verspielter Fruchtigkeit. Diese Vielfalt macht deutlich, dass Gamay im Beaujolais weit mehr zu bieten hat als den vielzitierten leichten Nouveau-Stil, sondern durchaus ernstzunehmende, terroirgeprägte Weine hervorbringen kann.

Gamay außerhalb des Beaujolais

Neben dem Beaujolais wird Gamay in Frankreich auch an der Loire angebaut, wo die Sorte leichte, frische Rotweine hervorbringt. Außerhalb Frankreichs spielt Gamay vor allem in der Westschweiz eine bedeutende Rolle, wo sie mit einer speziellen Variante namens Plant Robert im Waadtland einen ausgeprägt würzigen Charakter entwickelt und im Wallis mit Pinot Noir zum traditionellen Dôle verschnitten wird. Weitere kleinere Anbauflächen finden sich im italienischen Aostatal sowie in Südafrika und Kanada.

Häufig gestellte Fragen zu Gamay

Woher stammt die Rebsorte Gamay? Gamay entstand als natürliche Kreuzung aus Pinot Noir und Gouais Blanc und wurde erstmals im 13. Jahrhundert im gleichnamigen Dorf bei Saint-Aubin an der Côte d'Or dokumentiert.

Warum wurde Gamay aus dem Burgund verbannt? Herzog Philipp der Kühne erließ 1395 ein Dekret gegen die als zu ertragreich und minderwertig geltende Sorte, woraufhin sie sich in den südlicher gelegenen, granitreichen Böden des Beaujolais ansiedelte.

Was bedeutet Kohlensäuremaischung? Bei diesem Verfahren vergären ganze, unversehrte Trauben unter einer schützenden Kohlendioxidschicht, was besonders fruchtige, blumige Aromen bei gleichzeitig reduzierter Tanninextraktion hervorbringt.

Was sind die Crus des Beaujolais? Die 10 anerkannten Cru-Gemeinden, darunter Moulin-à-Vent, Morgon und Fleurie, bringen terroirgeprägte, strukturiertere Gamay-Weine hervor als der einfache Beaujolais oder Beaujolais Nouveau.

Ist Gamay lagerfähig? Einfache Beaujolais-Weine sind für den frühen Genuss gedacht, hochwertige Cru-Beaujolais guter Jahrgänge können jedoch bis zu 10 Jahre reifen und dabei komplexere Aromen entwickeln.

Wo wird Gamay außerhalb des Beaujolais angebaut? Nennenswerte Anbauflächen finden sich an der Loire, in der Westschweiz, insbesondere im Waadtland und Wallis, sowie im italienischen Aostatal.