Kategorie: Alicante Bouschet

Die Traube mit dem Fruchtfleisch aus Tinte

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  • Rocim - Alicante Bouschet 2023
    Rocim, Alentejo, Alicante Bouschet Vinho Regional Alentejano, Weinflasche, cremefarbenes Etikett, Vogel-Illustration
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    Rocim
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Trotz ihres Namens hat Alicante Bouschet nichts mit der spanischen Hafenstadt Alicante zu tun. Die Rebsorte stammt aus dem südfranzösischen Labor eines Vater-Sohn-Gespanns, das im 19. Jahrhundert gezielt nach der farbstärksten Traube der Welt suchte, und sie fand sie in einer der wenigen Trauben, deren Fruchtfleisch selbst blutrot gefärbt ist.

Auf einen Blick

Alicante Bouschet ist eine rote Rebsorte, die der französische Rebenzüchter Henri Bouschet 1855 im südfranzösischen Hérault aus einer Kreuzung von Grenache und Petit Bouschet schuf, letztere selbst eine Züchtung seines Vaters Louis Bouschet aus den Sorten Teinturier du Cher und Aramon. Namensgebend war dabei nicht die spanische Stadt Alicante, sondern ein damals in Südfrankreich gebräuchlicher lokaler Name für Grenache. Die Sorte zählt zu den seltenen sogenannten Teinturier-Rebsorten, bei denen nicht nur die Schale, sondern auch Saft und Fruchtfleisch tiefrot gefärbt sind, weshalb sie in Portugal gelegentlich "Tinta de Escrever", zu Deutsch Schreibtinte, genannt wird. Mit weltweit rund 36.000 Hektar belegt Alicante Bouschet Rang 24 im internationalen Rebsortenranking, mit bedeutenden Anbauflächen in Frankreich, Spanien, Italien, den USA und vor allem im portugiesischen Alentejo, wo sie inzwischen als meistgepflanzte nicht-portugiesische Rebsorte der Region gilt. Favino.de führt Alicante Bouschet aus dem Alentejo im Sortiment.

Herkunft und Geschichte

Die Geschichte der Alicante Bouschet ist untrennbar mit der Familie Bouschet aus dem südfranzösischen Hérault verbunden, nahe der Universitätsstadt Montpellier. Louis-Marie Bouschet (1784–1876) kreuzte zunächst die alte Teinturier-Sorte Teinturier du Cher mit Aramon und schuf damit Petit Bouschet, eine Traube mit kräftiger Farbe, aber mäßiger Qualität. Sein Sohn Henri Bouschet, der sich auf die Kreuzung pigmentierter Teinturier-Sorten spezialisierte, um gezielt Farbe und Tannin zu gewinnen, kreuzte 1855 Petit Bouschet mit Grenache und separierte aus mehreren Zuchtergebnissen schließlich die Sorte, die er nach dem südfranzösischen Lokalnamen für Grenache, "Alicante", benannte. Ihre hohen Erträge, ihre pflegeleichte Kultivierung sowie ihre Widerstandsfähigkeit gegen Echten Mehltau machten sie rasch populär, insbesondere in den Jahren nach der Reblauskatastrophe, als bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Anpflanzungen in Bordeaux, Burgund, im Loiretal sowie im portugiesischen Alentejo entstanden. In den USA erlebte die Sorte während der Prohibition eine besondere Blüte, da ihre dicke Schale den Transport als Presstraube für die private Weinherstellung erleichterte. In ihrer südfranzösischen Heimat hat Alicante Bouschet inzwischen deutlich an Bedeutung verloren, von einst 16.000 Hektar sind heute kaum noch 3.000 Hektar übrig, während sie in Spanien unter dem Namen Garnacha Tintorera mit deutlich größerer Fläche weiterlebt.

Charakter und typische Aromen

Das entscheidende Merkmal der Alicante Bouschet ist ihre außergewöhnliche Farbintensität: Als eine der wenigen Rebsorten weltweit mit rotem Fruchtfleisch statt des sonst üblichen weißen liefert sie im Glas ein kolossales, tiefrotes bis fast schwarzes Farbbild, das kaum eine andere Sorte erreicht. Reinsortig ausgebaut zeigen die Weine oft einen hohen Alkoholgehalt, eine eher raue, robuste Frucht sowie Aromen von Waldfrüchten, Kakao, Oliven und vegetabilen Noten. Die Qualität der Traube gilt jedoch als mäßig, weshalb Alicante Bouschet fast ausschließlich als Verschnittpartner eingesetzt wird, mit der klaren Funktion, anderen Rebsorten eine kraftvolle rote Farbe zu verleihen, statt selbst die stilistische Hauptrolle zu übernehmen. In dieser unterstützenden Rolle harmoniert sie hervorragend mit Sorten wie Syrah und Cabernet Sauvignon im Languedoc-Roussillon oder mit autochthonen portugiesischen Sorten im Alentejo. Moderne Winzer arbeiten jedoch zunehmend daran, das Bild der Sorte zu verändern und zu zeigen, dass sie bei sorgfältigem Anbau auch fruchtige, frische und ausgewogene eigenständige Weine hervorbringen kann.

Der Alentejo: Die neue Heimat der Sorte

Von Frankreich gelangte Alicante Bouschet über Spanien nach Portugal, wo sie sich im Alentejo, einer der wärmsten Weinregionen Europas mit Sommertemperaturen bis 40 Grad Celsius, kühlen Nächten und kargen Böden, besonders wohlfühlt. Diese klimatischen Extreme, kombiniert mit nährstoffarmen Böden, begünstigen eine langsame, konzentrierte Reife, die der Sorte zusätzliche aromatische Tiefe verleiht. Die Comissão Vitivinícola Regional Alentejana bezeichnete Alicante Bouschet in einer eigenen Broschüre als fraglos die meistgepflanzte nicht-portugiesische Rebsorte der Region, ein deutlicher Beleg dafür, wie fest verwurzelt die einst französische Sorte inzwischen im portugiesischen Weinbau ist. Immer mehr Alentejo-Winzer setzen die Sorte dabei gezielt in Cuvées mit autochthonen portugiesischen Trauben ein, wodurch komplexe, terroirgeprägte Rotweine entstehen, die weit über die ursprüngliche Funktion als reine Färbertraube hinausgehen.

Alicante Bouschet international

Neben Frankreich, Spanien und Portugal wird Alicante Bouschet heute auch in Italien, Nordafrika, Südafrika, den USA, insbesondere Kalifornien, sowie in Argentinien und Chile kultiviert. In den meisten dieser Länder dient sie weiterhin primär als Verschnittpartner zur Farbgebung, wobei einzelne Erzeuger, insbesondere im Alentejo und im Languedoc, zunehmend auch reinsortige oder stark dominierte Cuvées produzieren, um das eigenständige Potenzial der Sorte auszuloten.

Häufig gestellte Fragen zu Alicante Bouschet

Woher stammt die Rebsorte Alicante Bouschet? Alicante Bouschet wurde 1855 vom französischen Rebenzüchter Henri Bouschet im Hérault aus einer Kreuzung von Grenache und Petit Bouschet gezüchtet, nicht in der spanischen Stadt Alicante.

Was bedeutet der Begriff Teinturier? Teinturier bezeichnet Rebsorten, deren Fruchtfleisch und Saft rot gefärbt sind, eine seltene Eigenschaft, die bei den meisten Rebsorten, ungeachtet ihrer Schalenfarbe, nicht vorkommt.

Warum wird Alicante Bouschet fast nur als Verschnittpartner verwendet? Die Traubenqualität gilt als mäßig, weshalb die Sorte hauptsächlich eingesetzt wird, um anderen Rotweinen eine besonders kräftige, tiefrote Farbe zu verleihen.

In welcher Region spielt Alicante Bouschet heute die größte Rolle? Der portugiesische Alentejo gilt als die bedeutendste Anbauregion, wo die Sorte als meistgepflanzte nicht-portugiesische Rebsorte gilt.

Ist Alicante Bouschet mit Garnacha Tintorera identisch? Ja, in Spanien wird dieselbe Rebsorte unter dem Namen Garnacha Tintorera geführt und dort in deutlich größerem Umfang angebaut als im französischen Ursprungsgebiet.

Wie schmeckt ein reinsortiger Alicante Bouschet? Reinsortige Weine zeigen oft hohen Alkoholgehalt, robuste Frucht sowie Aromen von Waldfrüchten, Kakao und Oliven, getragen von einer außergewöhnlich tiefen, fast schwarzen Farbe.