Wer Cabernet Sauvignon oder Merlot trinkt, trinkt genetisch betrachtet eigentlich Cabernet Franc, nur eben veredelt und weitergegeben. Die eigentliche Elternsorte selbst blieb dabei lange im Schatten ihrer berühmteren Nachkommen, bis sie ausgerechnet an der Loire zum eigenständigen Star wurde.
Auf einen Blick
Cabernet Franc ist eine rote Rebsorte, vermutlich aus Wildreben selektioniert und seit Jahrhunderten nachweislich im Bordelais heimisch, wo sie zu den 6 traditionell zugelassenen roten Bordeaux-Sorten zählt, neben Cabernet Sauvignon, Merlot, Malbec, Petit Verdot und Carménère. Genetische Analysen belegten 1997, dass Cabernet Franc gemeinsam mit Sauvignon Blanc der genetische Elternteil von Cabernet Sauvignon ist, 2009 wurde zudem die direkte Verwandtschaft zu Merlot bestätigt, dessen zweiter Elternteil die nahezu ausgestorbene Sorte Magdeleine Noire des Charentes ist. Damit ist Cabernet Franc Ursprung gleich mehrerer der bekanntesten Rotweinsorten der Welt, weltweit aber selbst nur die Nummer 17 unter den meistangebauten Rebsorten. Ihre eigentliche Heimat außerhalb des Bordelais fand die Sorte im 17. Jahrhundert an der Loire, wohin Kardinal Richelieu 1631 auf Anfrage des Abbé Breton tausende Rebstöcke schickte, seither gilt Cabernet Franc in den Appellationen Chinon, Bourgueil, Saint-Nicolas-de-Bourgueil und Saumur-Champigny als unbestrittener reinsortiger Star. Favino.de führt Cabernet Franc aus Bordeaux und dem Loire-Tal im Sortiment.
Herkunft und Geschichte
Die genaue Herkunft von Cabernet Franc liegt historisch im Dunkeln, vermutlich wurde die Sorte einst direkt aus Wildreben selektioniert und ist seit Jahrhunderten nachweislich im Bordelais heimisch, wo alte Weinbauschriften ihre Bedeutung sowohl für Bordeaux als auch für die Loire dokumentieren. Den entscheidenden Schub zur genetischen Aufklärung brachten moderne DNA-Analysen: 1997 veröffentlichten John E. Bowers und Carole P. Meredith von der University of California, Davis, eine vielbeachtete Studie, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die Elternschaft von Cabernet Franc und Sauvignon Blanc für Cabernet Sauvignon nachwies, 2009 bestätigte sich zudem die direkte Verwandtschaft zu Merlot. An die Loire gelangte die Sorte im 17. Jahrhundert, als der königliche Hof rund um Tours prächtige Schlösser errichten ließ und gleichzeitig die Weinproduktion der Region massiv ankurbelte. Der Abbé Breton wandte sich 1631 an Kardinal de Richelieu, der sich zu dieser Zeit in Bordeaux aufhielt, und ließ sich tausende Rebstöcke bester Sorten an die Loire schicken, darunter Cabernet Franc, die sich auf den kühlen Böden der Region rasch heimisch fühlte. Der französische König Louis XI. soll später ein großer Liebhaber der daraus entstehenden Chinon-Weine gewesen sein und sie regelmäßig genossen haben.
Charakter und typische Aromen
Im direkten Vergleich zu Cabernet Sauvignon zeigt sich Cabernet Franc deutlich leichter, heller und aromatischer, mit geringerem Tanningehalt, was den Weinen weniger Adstringenz verleiht und sie meist früher trinkreif macht. Charakteristische Aromen umfassen rote Johannisbeere, Himbeere, Cassis und grüne Paprika, ergänzt durch würzige Noten von Tabak, die vor allem in kühleren Klimazonen deutlich hervortreten. Die Sorte reagiert dabei bemerkenswert sensibel auf ihr Terroir: Auf Kiesböden, etwa in Bourgueil und Saint-Nicolas-de-Bourgueil, entwickeln sich besonders duftige, fruchtbetonte Weine, während kreidehaltige Untergründe die Reife der Trauben verlangsamen und dichtere, komplexere Weine hervorbringen. Im Weinberg treibt und reift Cabernet Franc früher als Cabernet Sauvignon, was sie einerseits anfälliger für Ertragsausfälle durch Spätfröste macht, andererseits aber ein vollständiges Ausreifen auch in kühleren Jahrgängen erleichtert. Die Trauben sind klein und dunkelblau, mit fester, aber dünner Schale, das Holz der Rebe gilt als besonders hart. Anspruchsvoll bleibt der ideale Erntezeitpunkt: Zu früh gelesen, neigen die Trauben zu grasigen Noten, zu spät gelesen verlieren sie an Aromenintensität, ein schmales Zeitfenster, das dem Winzer besondere Aufmerksamkeit abverlangt.
Bordeaux und Loire: Zwei gegensätzliche Rollen
Im Bordelais tritt Cabernet Franc fast ausschließlich als Bestandteil klassischer Verschnitte auf, besonders bedeutsam in Saint-Émilion und Pomerol, wo die Sorte auf kühlen Tonböden gedeiht und den dortigen Cuvées zusätzliche Struktur, Frische und aromatische Tiefe verleiht, während sie im Médoc und in Graves meist eine unterstützende Nebenrolle neben Cabernet Sauvignon und Merlot spielt. An der Loire dagegen ist Cabernet Franc der unbestrittene Star und wird dort reinsortig ausgebaut, allen voran in den Appellationen Chinon und Bourgueil sowie in Saumur-Champigny und Anjou-Villages, wo die Sorte einen bedeutenden Teil der gesamten Rebfläche einnimmt und unter anderem in den charakteristisch säurebetonten Rosés Cabernet d'Anjou zum Einsatz kommt. Der Klimawandel hat den roten Loire-Weinen in den vergangenen 2 Jahrzehnten spürbar zugutegekommen, seit den frühen 2000er Jahren gelten die Jahrgänge aus Chinon, Bourgueil, Saumur-Champigny und Brissac als besonders reif und gelungen. Winzer wie Arnaud Lambert, der in Saumur sowie auf den Hügeln von Brézé und Saint Cyr Tradition und Innovation eindrucksvoll verbindet, machen Cabernet Franc dort zunehmend zum Botschafter von Herkunft und Authentizität.
Cabernet Franc außerhalb Frankreichs
Neben Frankreich hat sich Cabernet Franc in Italien vor allem in Super-Tuscan-Cuvées sowie im Nordosten des Landes etabliert, wo sie oft schlicht als "Cabernet" ohne nähere Sortenangabe etikettiert wird, eine Praxis, die sich auch in Teilen Osteuropas und Überseeregionen findet. In Ungarn gewinnt reinsortiger Cabernet Franc zunehmend an Bedeutung, insbesondere rund um Villány und Szekszárd sowie in Eger und Balatonfüred-Csopak, wo die Sorte großartige Qualitäten erreicht. International zeigt sich Cabernet Franc zudem als vielversprechend kälteresistent, etwa im US-Bundesstaat Virginia sowie in der Region Finger Lakes im Staat New York, während sie in Kalifornien, insbesondere im Napa Valley, sowie in Chile ebenfalls Anerkennung findet, meist als aromatische und strukturgebende Komponente in Bordeaux-Blends nach kalifornischem oder südamerikanischem Vorbild.
Häufig gestellte Fragen zu Cabernet Franc
Ist Cabernet Franc mit Cabernet Sauvignon verwandt? Ja, Cabernet Franc gilt gemeinsam mit Sauvignon Blanc als genetischer Elternteil von Cabernet Sauvignon, eine 1997 durch DNA-Analyse nachgewiesene Verwandtschaft.
Woher stammt die Rebsorte Cabernet Franc? Die genaue Herkunft ist ungeklärt, vermutlich aus Wildreben selektioniert, ist sie seit Jahrhunderten nachweislich im Bordelais heimisch, bevor sie im 17. Jahrhundert auch an der Loire Fuß fasste.
Was ist der Unterschied zwischen Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon? Cabernet Franc zeigt sich leichter, heller und aromatischer mit geringerem Tanningehalt, während Cabernet Sauvignon kräftiger, dichter und tanninreicher ausfällt.
In welchen Appellationen wird Cabernet Franc reinsortig ausgebaut? An der Loire wird die Sorte vor allem in Chinon, Bourgueil, Saint-Nicolas-de-Bourgueil und Saumur-Champigny reinsortig ausgebaut.
Wie schmeckt ein typischer Cabernet Franc? Typisch sind Aromen von roter Johannisbeere, Himbeere, Cassis und grüner Paprika, ergänzt durch würzige Tabaknoten, besonders ausgeprägt in kühleren Klimazonen.
Ist Cabernet Franc auch der Elternteil von Merlot? Ja, 2009 bestätigten genetische Analysen, dass Cabernet Franc gemeinsam mit der fast ausgestorbenen Sorte Magdeleine Noire des Charentes der Ursprung von Merlot ist.