Kategorie: Zweigelt
Der Wissenschaftler, dessen Name lange totgeschwiegen wurde
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Noch nicht einmal 100 Jahre alt und trotzdem längst die wichtigste rote Rebsorte Österreichs: Zweigelt beweist, dass eine Neuzüchtung des 20. Jahrhunderts durchaus mit Jahrhunderte alten Klassikern wie Grüner Veltliner oder Pinot Noir mithalten kann, auch wenn ihre eigene Entstehungsgeschichte nicht ganz ohne Schatten ist.
Auf einen Blick
Zweigelt ist eine rote österreichische Neuzüchtung, die 1922 von Dr. Friedrich "Fritz" Zweigelt an der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg durch Kreuzung der Sorten St. Laurent und Blaufränkisch entstand. Ursprünglich unter dem Namen Rotburger geführt, wurde die Sorte 1956 durch den Weinbaupionier Lenz Moser nach ihrem Züchter umbenannt, offiziell registriert wurde der Name Zweigelt erst 1975 im Zuge einer neuen Qualitätsweinrebsorten-Verordnung. Mit rund 6.400 bis 6.500 Hektar Rebfläche ist Zweigelt heute mit weitem Abstand die meistverbreitete Rotweinsorte Österreichs, fast doppelt so viel wie die nächstgrößere rote Sorte Blaufränkisch. Die wichtigsten Anbaugebiete liegen in den östlichen Weinregionen Niederösterreichs, allen voran Weinviertel, Kamptal, Wagram, Kremstal und Carnuntum, sowie in der Region Neusiedlersee im Burgenland. Favino.de führt Zweigelt aus mehreren österreichischen Anbaugebieten im Sortiment.
Herkunft und Geschichte
Fritz Zweigelt, geboren 1888 in Hitzendorf bei Graz und promovierter Entomologe, trat 1912 in die Dienste der Höheren Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg ein und wurde 1921 zum Leiter der ersten und einzigen staatlichen Rebenzüchtungsstation Österreichs ernannt. Zwischen 1921 und 1945 zählte er zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des österreichischen Weinbaus, seine nationalsozialistische Gesinnung und Aktivitäten während dieser Zeit erlangten jedoch erst Jahrzehnte später öffentliche Aufmerksamkeit. 1922 kreuzte er im Rahmen seiner Zuchtarbeit die Sorten St. Laurent und Blaufränkisch, mit dem klaren Ziel, eine ertragreiche, robuste rote Rebsorte für das kühlere niederösterreichische Klima zu schaffen, Qualität stand dabei zunächst nicht im Vordergrund. Die neue Sorte, ursprünglich als Rotburger bezeichnet, eine Wortschöpfung aus Traubenfarbe und dem Zuchtort Klosterneuburg, überzeugte durch Blütefestigkeit, Fäulnisbeständigkeit, Frühreife und hohe Ertragssicherheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten Zweigelts langjährige Mitarbeiter Paul Steingruber und Leopold Müller die Rebenzüchtung in Klosterneuburg fort und würdigten die Kreuzung aus St. Laurent und Blaufränkisch als besonders gelungenen Rotweintyp. Den entscheidenden Anstoß zur breiten Verbreitung gab jedoch Zweigelts Schüler und Bewunderer Lenz Moser, der die Sorte in großem Stil in seinem neu entwickelten Hochkultur-Erziehungssystem auspflanzte und weiterempfahl. 1956 benannte Moser die Sorte offiziell nach ihrem Züchter in Zweigelt um, ein Name, der sich zunächst unter Winzern durchsetzte, bevor die amtliche Registrierung 1975 folgte, unter anderem, weil der alte Name Rotburger häufig mit der ähnlich klingenden deutschen Sorte Rotberger verwechselt wurde.
Charakter und typische Aromen
Zweigelt zeigt sich im Glas mit einer intensiven, purpurroten Farbe und bringt vollreife, vollmundige Weine mit kräftigen Tanninen und Aromen von Sauerkirsche hervor, ergänzt durch dunkle Beerenfrucht und eine dezente würzige Note. Die Sorte gilt als äußerst vielseitig und deckt eine breite stilistische Bandbreite ab, von leichten, unkomplizierten und jung zu trinkenden Weinen bis zu kraftvollen, im Barrique ausgebauten Spitzengewächsen mit ansprechender Lagerfähigkeit. Diese Wandelbarkeit gilt als einer der Hauptgründe für den raschen Erfolg der Sorte, die sowohl hochwertige Qualitätsweine als auch gefällige, süffige Alltagsweine hervorbringen kann. Im Weinberg zeigt sich Zweigelt als besonders ertragreiche Sorte, ohne konsequente Regulierung neigt sie zu Mengen, die auf Kosten der aromatischen Konzentration gehen, weshalb Winzer intensive Laubarbeit und gezielte Ertragsreduzierung betreiben müssen, um wirklich dichte, ausdrucksstarke Weine zu erzielen. Charakteristisch ist zudem ein früher Austrieb bei mittellanger Reifezeit, wobei die jeweilige Bodenbeschaffenheit einen erheblichen Einfluss auf den Charakter des fertigen Weins hat.
Anbaugebiete in Österreich
Zweigelt gedeiht in weiten Teilen Österreichs, mit den östlichen Weinregionen Niederösterreichs als Hauptanbaugebieten, insbesondere Weinviertel, Kamptal, Wagram, Kremstal und Carnuntum, sowie in der Region Neusiedlersee im Burgenland. Die Region Carnuntum hat sich dabei als besondere Zweigelt-Hochburg für Premium-Stilistik etabliert, seit 2019 existiert dort mit der Herkunftsbezeichnung Carnuntum DAC eine eigene Klassifikation für reinsortige Zweigelt- oder Zweigelt-Blaufränkisch-Cuvées. Am Neusiedlersee wird die Sorte seit 2012 unter der Bezeichnung Neusiedlersee DAC in Klassik- und Reserve-Qualitätsstufen reinsortig vermarktet, während sie auch als Basis für Rotwein-Süßweine im Rahmen des Ruster Ausbruch DAC eine Rolle spielt. In weiteren DAC-Gebieten wie dem Mittelburgenland ist Zweigelt zwar nicht die namensgebende Leitrebsorte, wird dort aber von nahezu allen Betrieben parallel kultiviert. Erste Versuchsweingärten wurden bereits zu Zweigelts Lebzeiten in Langenlois im Kamptal angelegt, wo bis heute Nachfahren des Züchters selbst im Weinbau tätig sind.
Häufig gestellte Fragen zu Zweigelt
Wer züchtete die Rebsorte Zweigelt? Der österreichische Wissenschaftler Dr. Fritz Zweigelt kreuzte die Sorte 1922 an der Weinbauschule Klosterneuburg aus St. Laurent und Blaufränkisch.
Warum hieß Zweigelt früher Rotburger? Der ursprüngliche Name war eine Wortschöpfung aus der Traubenfarbe und dem Zuchtort Klosterneuburg, erst 1956 benannte Lenz Moser die Sorte nach ihrem Züchter in Zweigelt um, offiziell registriert wurde dies 1975.
Wie schmeckt ein typischer Zweigelt? Typisch sind eine purpurrote Farbe, kräftige Tannine und Aromen von Sauerkirsche, wobei die Sorte sowohl leichte als auch kraftvolle, im Barrique gereifte Stile hervorbringen kann.
Welches ist das wichtigste Anbaugebiet für Zweigelt? Die östlichen Weinregionen Niederösterreichs sowie die Region Neusiedlersee im Burgenland gelten als Hauptanbaugebiete, mit Carnuntum als besonders geschätzter Premium-Region.
Ist Zweigelt mit Blaufränkisch verwandt? Ja, Zweigelt ist eine Kreuzung aus Blaufränkisch und St. Laurent und damit genetisch eng mit beiden Elternsorten verbunden.
Warum muss Zweigelt im Weinberg stark reguliert werden? Die Sorte ist von Natur aus sehr ertragreich, weshalb Winzer durch Laubarbeit und Ertragsreduzierung gezielt gegensteuern müssen, um konzentrierte, hochwertige Weine zu erhalten.