Kategorie: Silvaner

Der "Österreicher", der Franken erobert hat

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    Knewitz - Grüner Silvaner 2025 BIO
    Weingut Knewitz, Rheinhessen Appenheim, Grüner Silvaner VDP.GUTSWEIN, helle Flasche mit weißem Etikett und Schriftzug
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  • Juliusstital - Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner GG 2022
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    Weingut Juliusspital, Franken Würzburg, Silvaner trocken, helle Flasche mit dunkelblauem Etikett, blau-weißem Wappen und Schriftzug
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  • Juliusstital - Silvaner trocken Liter 2024
    Weingut Juliusspital, Franken Würzburg, Silvaner trocken 1 Liter, grüne Literflasche mit blauem Etikett und Schriftzug
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Lange bevor Riesling zur Königin der deutschen Weißweine gekürt wurde, war Silvaner mit über 30 Prozent Flächenanteil die unangefochtene Nummer 1 in den deutschen Weinbergen. Heute erlebt die einst fast verdrängte Rebsorte ausgerechnet in ihrer fränkischen Wahlheimat eine bemerkenswerte Renaissance.

Auf einen Blick

Silvaner, auch Sylvaner oder Grüner Silvaner genannt, ist eine weiße Rebsorte, die genetisch aus einer Kreuzung von Traminer mit der Sorte Österreichisch Weiß entstand, ihre Wurzeln liegen damit vermutlich im österreichischen Alpenraum. Vermutlich brachten Zisterziensermönche die Rebe im 17. Jahrhundert nach Franken, wo sie urkundlich am 10. April 1659 erstmals in der Lage Schlossberg in Castell gepflanzt wurde, 1665 folgte eine Pflanzung durch Abt Alberich Degen von Kloster Ebrach in der berühmten Lage Würzburger Stein. Wegen dieser Herkunft wurde Silvaner in Deutschland lange schlicht "Österreicher" genannt. Mit rund 4.400 Hektar Rebfläche, etwa 4,3 Prozent der gesamten deutschen Anbaufläche, konzentriert sich der Anbau heute vor allem auf Rheinhessen mit knapp 2.000 Hektar und Franken mit rund 1.500 bis 1.600 Hektar, wo die Sorte seit 2019 wieder die meistangebaute Rebsorte der Region ist. Außerhalb Deutschlands wird Silvaner zudem im Elsass, in der Schweiz, insbesondere im Wallis unter dem Namen Johannisberg, sowie in Österreich und Südtirol kultiviert. Favino.de führt Silvaner aus mehreren deutschen Spitzenlagen im Sortiment.

Herkunft und Geschichte

Über Jahrhunderte hinweg rankten sich zahlreiche Spekulationen um die Herkunft des Silvaners: Manche vermuteten seine Wurzeln im rumänischen Siebenbürgen, dem historischen Transsilvanien, andere in der mittelasiatischen Stadt Silvan, wieder andere leiteten den Namen vom lateinischen Wort "silva" für Wald ab, da eine Rebsorte mit ähnlichen Eigenschaften bereits im 1. Jahrhundert nach Christus in der Naturalis Historia des römischen Schriftstellers Plinius des Älteren erwähnt wird. Genetische Untersuchungen klärten die tatsächliche Herkunft schließlich auf: Silvaner entstand aus einer Kreuzung von Traminer, einer der ältesten bekannten Rebsorten, mit der autochthonen Sorte Österreichisch Weiß, womit seine Wurzeln im Alpenraum als gesichert gelten. Vermutlich über Zisterziensermönche, die bis nach Österreich reichende Handelsbeziehungen unterhielten, allen voran das berühmte Kloster Ebrach, gelangte die Rebe im 17. Jahrhundert nach Franken, wo sie ab 1659 systematisch angepflanzt wurde und sich rasch zur regionalen Leitsorte entwickelte. Bis in die 1970er Jahre hinein war Silvaner mit über 30 Prozent Flächenanteil die meistangebaute Rebsorte Deutschlands überhaupt, in Rheinhessen war noch Anfang der 1960er Jahre jeder zweite Rebstock ein Silvaner. Der anschließende Niedergang der Sorte hatte mehrere Ursachen: Zum einen verdrängte die ertragreichere Neuzüchtung Müller-Thurgau große Teile der Anbaufläche, zum anderen führte eine unglückliche Klonselektion vielerorts zu breiteren, weniger eleganten Weinstilen, die dem ursprünglichen Charakter der Sorte nicht gerecht wurden.

Charakter und typische Aromen

Silvaner zeigt sich in seiner klassischen Ausprägung als zurückhaltende, wenig aromatische Rebsorte mit milder Säure, deren eigentliche Stärke in ihrer außergewöhnlichen Terroir-Transparenz liegt, ein Merkmal, das Kenner durchaus mit Chardonnay vergleichen. Typische Aromen umfassen Kräuter, Stachelbeere und frisches Heu, bei jungen Weinen zudem Birne, mit zunehmender Reife verschieben sich die Noten zunehmend in Richtung erdig-würziger Aromatik. Der Charakter des Silvaners wird dabei maßgeblich von Standort und Bodenbeschaffenheit geprägt: Auf schweren Lehmböden fällt der Wein häufig eher neutral aus, während er auf mineralischen Verwitterungsböden, etwa in Franken oder am badischen Kaiserstuhl, deutlich feinere und elegantere Weine hervorbringt. Neben dem verbreiteten Grünen Silvaner existiert zudem eine Farbmutation namens Blauer Silvaner, die anstelle der grünen Beeren des Grünen Silvaners blaue Trauben trägt. Im Weinberg gilt die Sorte als kräftig wüchsig mit hohen Erträgen, mittlerer Reifezeit im Oktober, jedoch anfällig für Mehltau, Chlorose, Botrytis und winterliche Frostschäden.

Anbaugebiete in Deutschland und darüber hinaus

Rheinhessen ist seit über 100 Jahren das flächenmäßig größte Silvaner-Anbaugebiet Deutschlands, wo die Region mit dem eigenen Gütesiegel Rheinhessen Silvaner, kurz RS, gezielt auf die Qualitätsentwicklung der Sorte setzt und Silvaner als eine ihrer führenden Rebsorten begreift. In Franken dagegen ist Silvaner nicht nur mengenmäßig, sondern auch kulturell untrennbar mit der Region verbunden: Auf rund einem Viertel der fränkischen Rebfläche kultiviert, steht die Sorte seit 2019 wieder unangefochten an der Spitze der dortigen Rebsortenliste und gilt als das eigentliche Aushängeschild fränkischen Weinbaus, insbesondere aus den charakteristischen Bocksbeutel-Flaschen. Die Pfalz folgt mit deutlich geringerer, aber ebenfalls bedeutender Anbaufläche. Außerhalb Deutschlands spielt Silvaner vor allem im französischen Elsass mit über 1.000 Hektar sowie im Schweizer Wallis eine Rolle, wo die Sorte unter dem Namen Johannisberg oder Gros Rhin, in Abgrenzung zum als Petit Rhin bezeichneten Riesling, nach Chasselas die zweitwichtigste Weißweinsorte des Kantons darstellt und dort ein Geschmacksspektrum von frisch-zitrisch bis körperreich mit Honig- und Melonenduft zeigt. In Österreich spielt die Sorte, aus der sie ursprünglich stammt, heute nur noch eine untergeordnete Rolle mit unter 24 Hektar Anbaufläche.

Silvaner als Speisebegleiter

Silvaner gilt als klassischer Begleiter zu Spargel, ähnlich wie Riesling oder Weißburgunder, dank seiner milden Säure und dezenten Aromatik, die die feinen Aromen des Gemüses nicht überdeckt. Auch zu leichten Fischgerichten, hellem Fleisch und regionaler fränkischer Küche zeigt sich die Sorte als unkomplizierter, verlässlicher Partner. Diese Vielseitigkeit, gepaart mit einem klaren, unverwechselbaren regionalen Profil, verschafft dem Silvaner gerade nach der Riesling-Renaissance und dem Hype um internationale Sorten wie Sauvignon Blanc zunehmend neue Aufmerksamkeit bei Weinliebhabern, die abseits gängiger Weinstile nach Authentizität suchen.

Häufig gestellte Fragen zu Silvaner

Woher stammt die Rebsorte Silvaner? Silvaner entstand genetisch aus einer Kreuzung von Traminer mit der Sorte Österreichisch Weiß und stammt damit vermutlich aus dem österreichischen Alpenraum, von wo sie im 17. Jahrhundert nach Franken gelangte.

Warum wurde Silvaner früher "Österreicher" genannt? Der Name geht auf die vermutete Herkunft der Sorte aus Österreich zurück, von wo aus sie über Zisterziensermönche nach Franken und später an den Rhein gebracht wurde.

Welches ist das wichtigste deutsche Anbaugebiet für Silvaner? Rheinhessen besitzt die größte Anbaufläche, während Franken den höchsten relativen Flächenanteil aufweist und Silvaner dort seit 2019 wieder die meistangebaute Rebsorte ist.

Wie schmeckt ein typischer Silvaner? Typisch sind eine milde Säure sowie Aromen von Kräutern, Stachelbeere und Birne, wobei der Charakter stark vom jeweiligen Bodentyp geprägt wird.

Was ist der Unterschied zwischen Grünem und Blauem Silvaner? Blauer Silvaner ist eine Farbmutation des Grünen Silvaners mit blauen statt grünen Beeren, spielt mengenmäßig aber nur eine untergeordnete Rolle.

Wie heißt Silvaner in der Schweiz? Im Schweizer Kanton Wallis ist die Sorte unter dem Namen Johannisberg oder Gros Rhin bekannt und zählt dort nach Chasselas zur zweitwichtigsten Weißweinsorte.