Jahrzehntelang war Aligoté kaum mehr als das Beiwerk für einen Aperitif, aufgegossen mit Cassislikör und schnell wieder vergessen. Heute entdecken ambitionierte Burgunder-Winzer, dass in der vermeintlich einfachen Rebsorte weit mehr steckt, und ausgerechnet der Klimawandel spielt ihr dabei in die Hände.
Auf einen Blick
Aligoté ist eine weiße Rebsorte mit Ursprung im Burgund, vermutlich im Tal der Saône, wo sie bereits früh unter dem Namen "Plant de Trois" erwähnt wurde, eine Anspielung darauf, dass ihre Triebe in der Regel je 3 Trauben tragen. Genetische Untersuchungen zeigten, dass Aligoté aus einer spontanen Kreuzung von Pinot Noir mit dem Weißen Heunisch entstand, denselben Elternsorten, aus denen auch Chardonnay hervorging, beide Sorten sind damit botanisch gesehen Geschwister. Im Burgund wächst Aligoté auf rund 2.000 Hektar und steht dort nach Chardonnay an zweiter Stelle unter den weißen Rebsorten, konzentriert überwiegend in der Appellation Bourgogne Aligoté. Die kleine Gemeinde Bouzeron in der Côte Chalonnaise besitzt als einzige Appellation Burgunds eine ausschließlich Aligoté gewidmete Herkunftsbezeichnung, die AOC Bourgogne Aligoté-Bouzeron, wo die hochwertige Spielart Aligoté Doré wächst. Außerhalb Frankreichs finden sich bedeutende Bestände in Osteuropa, insbesondere in Moldawien, Rumänien, Bulgarien und Russland. Favino.de führt Aligoté aus dem Burgund im Sortiment.
Herkunft und Geschichte
Aligoté zählt zu einer ganzen Gruppe von Rebsorten, die alle aus derselben spontanen Kreuzung zwischen einer Pinot-Sorte, höchstwahrscheinlich Pinot Noir, und dem Weißen Heunisch hervorgingen, darunter neben Aligoté und Chardonnay auch Gamay, Auxerrois und Melon de Bourgogne. Diese Kreuzung gelang deshalb so erfolgreich, weil beide Elternsorten genetisch grundverschieden waren: Während die Pinot-Familie ursprünglich aus dem Burgund stammt, brachten die Römer den Weißen Heunisch nach Frankreich, wo beide Sorten über Jahrhunderte gemeinsam im Gemischten Satz der burgundischen und südchampagnischen Weinberge standen. Historisch genoss Aligoté nie denselben Ruf wie ihre Schwestersorte Chardonnay, ein Dokument aus dem Jahr 1807 empfahl sogar, die Rebe lieber auszureißen als sie zu pflanzen, ein Schicksal, das sie mit vielen einst unterschätzten Rebsorten teilt. Dabei war Aligoté im 19. Jahrhundert durchaus fester Bestandteil bedeutender Weine, etwa aus Meursault, und wurde 1930 sogar offiziell für die prestigeträchtige Lage Corton-Charlemagne zugelassen. Ihr eher zweifelhafter Ruf resultierte weniger aus einer schlechten Eigenschaft der Rebe selbst als aus der Praxis vieler Winzer, sie auf ungeeigneten Lagen mit zu hohen Erträgen anzubauen, wodurch die Trauben nicht ausreifen konnten und die Weine dünn, sauer und aromatisch neutral ausfielen.
Charakter und typische Aromen
Aligoté bringt trockene Weißweine mit lebendiger, knackiger Säure hervor, typische Aromen umfassen grünen Apfel, Zitrusfrüchte und feine florale Noten, ergänzt durch eine mineralische, gelegentlich leicht mandelige Note im Abgang. Damit gilt die Sorte als eine Art puristischer Gegenpol zum oft vollmundigeren Chardonnay, der Wein besticht weniger durch Fülle als durch Klarheit, Linie und animierenden Trinkfluss. Ihre natürlich ausgeprägte Säure muss dabei durch entsprechende Traubenreife ausbalanciert werden, was nur bei niedrigen Erträgen auf kargen Böden und guten Lagen gelingt, weshalb in den Appellationen Bourgogne Aligoté und Aligoté Bouzeron der Ertrag mittlerweile auf 45 Hektoliter pro Hektar begrenzt ist. Ein bemerkenswerter Vorteil zeigt sich gerade im Zuge des Klimawandels: Während Chardonnay in besonders heißen Jahren mitunter zu viel Alkohol bei zu wenig Säure entwickelt, bewahrt Aligoté auch unter Hitzebedingungen seine charakteristische Frische und Spannung, weshalb immer mehr Winzer die Rebsorte wieder gezielt anpflanzen, um einen kühlen, präzisen Weinstil auch in wärmeren Jahrgängen zu erhalten.
Bouzeron: Die einzige Aligoté-Appellation
Bouzeron in der Côte Chalonnaise gilt gewissermaßen als der inoffizielle "Grand Cru" des Aligoté-Denkens, auch wenn die offizielle burgundische Klassifikation diesen Status formal nicht vorsieht. Die Gemeinde besitzt als einzige Appellation im gesamten Burgund eine Herkunftsbezeichnung, die exklusiv der Rebsorte Aligoté gewidmet ist, mit kalkhaltigen Hangböden, die ideale Bedingungen für die hochwertige Spielart Aligoté Doré bieten. Maßgeblich zur Aufwertung der Rebsorte beigetragen hat unter anderem Aubert de Villaine, Mitinhaber der weltberühmten Domaine de la Romanée-Conti, der in Bouzeron gezielt Aligoté Doré kultiviert und sich für die eigenständige Herkunftsbezeichnung der Gemeinde einsetzte. Die dort entstehenden Weine zeigen deutlich mehr Tiefe und Lagerpotenzial als der einfache Bourgogne Aligoté und beweisen eindrucksvoll, dass die Rebsorte keine Nebenrolle spielen muss, sondern eigenständig Herkunft transportieren kann.
Aligoté und der Aperitif Kir
Untrennbar mit der Geschichte des Aligoté verbunden ist der klassische französische Aperitif Kir, eine Mischung aus Aligoté und Cassislikör, benannt nach seinem Erfinder, dem Kanonikus Félix Kir, der Mitte des 20. Jahrhunderts Bürgermeister von Dijon war. Diese Verwendung prägte über Jahrzehnte das Image der Sorte als einfacher, austauschbarer Mischwein, eine Rolle, die viele ambitionierte Winzer heute bewusst hinter sich lassen wollen, auch wenn Aligoté sich nach wie vor hervorragend für diese klassische Zubereitung eignet.
Aligoté als Speisebegleiter
Dank seiner präzisen Säure und dezenten Aromatik gilt Aligoté als äußerst vielseitiger, nicht zu schwerer Speisebegleiter, ideal zu Austern, Meeresfrüchten, Fisch, Gemüsegerichten und frischem Ziegenkäse. Serviert werden sollte die Sorte kühl, aber nicht eisgekühlt, damit sich neben der Frische auch feine kreidige und kräuterige Untertöne entfalten können.
Häufig gestellte Fragen zu Aligoté
Woher stammt die Rebsorte Aligoté? Aligoté stammt vermutlich aus dem Tal der Saône im Burgund und entstand genetisch aus einer spontanen Kreuzung von Pinot Noir mit dem Weißen Heunisch.
Ist Aligoté mit Chardonnay verwandt? Ja, beide Rebsorten teilen sich dieselben genetischen Elternsorten, Pinot Noir und Weißer Heunisch, und gelten damit botanisch als Geschwister.
Was ist Bouzeron? Bouzeron ist eine Gemeinde in der Côte Chalonnaise und die einzige Appellation im Burgund, die ausschließlich der Rebsorte Aligoté gewidmet ist.
Was ist der Aperitif Kir? Kir ist eine klassische Mischung aus Aligoté und Cassislikör, benannt nach ihrem Erfinder, dem Dijoner Bürgermeister Kanonikus Félix Kir.
Wie schmeckt ein typischer Aligoté? Typisch sind eine knackige, lebendige Säure sowie Aromen von grünem Apfel und Zitrusfrüchten, ergänzt durch eine feine mineralische Note.
Warum gewinnt Aligoté im Klimawandel an Bedeutung? Anders als Chardonnay bewahrt Aligoté auch in heißen Jahrgängen seine Frische und Säurestruktur, weshalb immer mehr Winzer die Sorte gezielt für einen kühlen, präzisen Weinstil wiederentdecken.