Kategorie: Scheurebe

Fast 100 Jahre lang glaubte man zu wissen, woraus die Scheurebe besteht, sogar ihr eigener Züchter irrte sich. Erst eine DNA-Analyse aus dem Jahr 2012 brachte ans Licht, welche Rebsorte wirklich hinter Sämling Nummer 88 steckt.

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  • Gröhl - Scheurebe trocken 2024
    Weingut Gröhl, Rheinhessen, Scheurebe, helle Flasche mit weißem Etikett, Wappen-Illustration und goldener Schriftzug
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Auf einen Blick

Scheurebe ist eine deutsche Neuzüchtung, die der Rebenzüchter Georg Scheu 1916 an der Landesanstalt für Rebenzüchtung im rheinhessischen Alzey kreuzte, mitten im Ersten Weltkrieg. Lange galt die Sorte als Kreuzung aus Riesling und Silvaner, eine Annahme, die Scheu selbst vertrat und die erst eine DNA-Analyse aus dem Jahr 2012 widerlegte: Tatsächlich handelt es sich um eine Kreuzung aus Riesling und der Bukettrebe, die ihrerseits aus Trollinger und Silvaner gezüchtet wurde. Ursprünglich als Sämling 88 geführt und während der NS-Zeit kurzzeitig nach einem Politiker umbenannt, erhielt die Sorte erst 1955/1956, nach Georg Scheus Tod, ihren heutigen Namen als Würdigung des Züchters. Mit rund 1.400 Hektar Rebfläche macht Scheurebe etwa 1,5 Prozent der deutschen Rebfläche aus, Hauptanbaugebiete sind Rheinhessen, die Pfalz sowie kleinere Flächen an der Nahe und in Franken. In Österreich ist die Sorte unter dem Namen Sämling 88 bekannt und liefert dort einige der besten edelsüßen Weine rund um den Neusiedler See und in der Südsteiermark. Favino.de führt Scheurebe aus mehreren deutschen Anbaugebieten im Sortiment.

Herkunft und Geschichte

Georg Scheu, damaliger Direktor des Weinbauinstituts Alzey und neben seiner Zuchtarbeit auch als Maler und Choreograf tätig, arbeitete 1916 akribisch nummeriert an zahlreichen Kreuzungsversuchen, aus denen Sämling Nummer 88 als sein größter Erfolg hervorging. Sein Ziel war es, eine bessere, aromatischere Version des Silvaners zu erschaffen, weshalb er selbst zeitlebens davon ausging, seine Neuzüchtung stamme aus einer Kreuzung von Riesling und Silvaner. Erst nach langjähriger Erprobung wurde die neue Sorte 1936 erstmals in Winzerbetrieben angepflanzt, wobei die Förderer damals auf die fragwürdige Idee verfielen, sie nach dem nationalsozialistischen Landesbauernführer als Dr.-Wagner-Rebe zu benennen, ein Name, der nach Kriegsende umgehend wieder fallengelassen wurde. Fortan hieß die Sorte wieder Sämling 88, bis sie 1955 offiziell nach ihrem Züchter benannt und 1956 patentrechtlich für Rheinland-Pfalz geschützt wurde. Der eigentliche Durchbruch gelang der Scheurebe erst in den 1950er Jahren, als erstmals spektakuläre Beeren- und Trockenbeerenauslesen aus der Traube gekeltert wurden, die ihr internationale Anerkennung einbrachten. Erst 2012 klärte eine DNA-Analyse die tatsächliche Abstammung endgültig: Nicht Silvaner, sondern die Bukettrebe ist der zweite Elternteil neben Riesling, ein Umstand, der auch dem Vorbild der Landesanstalt Alzey bis heute nachwirkt, die als Erhaltungszüchter der inzwischen sortenschutzfrei gewordenen Scheurebe eingetragen ist.

Charakter und typische Aromen

Scheurebe verbindet die elegante, präsente Säure des Riesling mit dem intensiven, unverwechselbaren Aromenprofil der Bukettrebe und entwickelt dadurch ein Geschmacksbild, das sich kaum treffend mit anderen Rebsorten vergleichen lässt. Charakteristisch sind Aromen von schwarzer Johannisbeere, reifer Grapefruit, Mandarine und Holunder, bei edelsüß ausgebauten Weinen treten zusätzlich intensive Pfirsichnoten hervor. Die Farbe reicht von hellem Gelb bis zu kräftigem Goldgelb, während die feinfruchtige, oft leicht cremige Textur der Sorte ein besonders saftiges Mundgefühl verleiht. Scheurebe reagiert zudem gut auf Vergärung mit natürlichen, weinbergseigenen Hefen, wodurch sie zwar im Bukett etwas zurückhaltender, dafür im Mundgefühl dichter und präziser ausfällt. Die Sorte deckt die gesamte stilistische Bandbreite von trocken bis edelsüß ab: Trockene Scheureben eignen sich hervorragend als Begleiter zu würzigen und asiatischen Gerichten, während halbtrockene und liebliche Varianten durch ihre Süße und Fruchtigkeit überzeugen. Im Weinberg gilt Scheurebe als anspruchsvolle Sorte, die ähnlich wie Riesling gute Lagenqualität benötigt und bevorzugt auf trockenen, kargen Lössböden gedeiht.

Anbaugebiete in Deutschland und Österreich

Rheinhessen gilt als das bedeutendste deutsche Anbaugebiet für Scheurebe, wo die Sorte auf den fruchtbaren Lössböden der Region besonders zuverlässig ausreift. In der Pfalz, mit rund 334 Hektar ebenfalls ein wichtiges Anbaugebiet, profitieren die Reben von idealen Bodenverhältnissen und einem milden Klima, das über Generationen gewachsenes Winzerwissen zusätzlich zur Geltung bringt. Kleinere, aber qualitativ bedeutende Flächen finden sich zudem an der Nahe und in Franken. Während die Anbaufläche in Deutschland nach einem Boom in den 1970er Jahren zwischenzeitlich rückläufig war, hat sich die Sorte in Rheinhessen und der Pfalz in den vergangenen Jahren durch eine neue, qualitätsorientierte Winzergeneration wieder ein deutlich frischeres, moderneres Image erarbeitet. In Österreich wird Scheurebe unter dem Namen Sämling 88 vor allem rund um den Neusiedler See im Burgenland sowie in der Südsteiermark angebaut, wo sie zu den herausragenden edelsüßen Weinen des Landes zählt, auch wenn die dortige Anbaufläche mit rund 350 Hektar rückläufig und im internationalen Vergleich überschaubar bleibt.

Häufig gestellte Fragen zu Scheurebe

Woher stammt der Name Scheurebe? Der Name geht auf den Rebenzüchter Georg Scheu zurück, der die Sorte 1916 in Alzey kreuzte, offiziell benannt wurde sie jedoch erst 1955/1956 nach seinem Tod als Würdigung seiner Zuchtarbeit.

Aus welchen Rebsorten wurde die Scheurebe gezüchtet? Entgegen der langjährigen Annahme einer Kreuzung aus Riesling und Silvaner zeigte eine DNA-Analyse 2012, dass es sich tatsächlich um eine Kreuzung aus Riesling und der Bukettrebe handelt.

Was bedeutet der Name Sämling 88? Sämling 88 war die ursprüngliche, rein nummerierte Bezeichnung der Neuzüchtung aus Georg Scheus Versuchsreihe, unter diesem Namen ist die Sorte bis heute vor allem in Österreich bekannt.

Wie schmeckt eine typische Scheurebe? Typisch sind Aromen von schwarzer Johannisbeere, Grapefruit und Mandarine, bei edelsüßen Weinen zusätzlich intensive Pfirsichnoten, getragen von einer präsenten, an Riesling erinnernden Säure.

Welches ist das wichtigste deutsche Anbaugebiet für Scheurebe? Rheinhessen gilt als bedeutendstes Anbaugebiet, gefolgt von der Pfalz sowie kleineren Flächen an der Nahe und in Franken.

Eignet sich Scheurebe für edelsüße Weine? Ja, besonders in Österreich unter dem Namen Sämling 88 entstehen aus der Sorte einige der besten edelsüßen Beeren- und Trockenbeerenauslesen des Landes.