Kategorie: PIWI

Der Weinberg der Zukunft braucht weniger Spritzmittel

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    Alois Lageder - SOU MA3 Dolomiti Bianco Souvignier Gris (PIWI) NV
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Bis zu 80 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel im Weinberg, und das bei Weinen, die geschmacklich längst nicht mehr nur als ökologisches Nischenprodukt gelten: PIWI-Rebsorten zeigen, wie sich Weinbau und Klimawandel neu zueinander verhalten können.

Auf einen Blick

PIWI ist die gebräuchliche Abkürzung für pilzwiderstandsfähige, auch pilztolerante Rebsorten, die eine deutlich erhöhte natürliche Resistenz gegen die beiden wichtigsten Pilzkrankheiten des Weinbaus besitzen, Echten Mehltau und Falschen Mehltau, teils auch gegen Botrytis und Schwarzfäule. PIWI-Sorten entstehen durch gezielte Kreuzung europäischer Vitis-vinifera-Reben mit amerikanischen oder asiatischen Rebenarten, die von Natur aus widerstandsfähiger gegenüber diesen Pilzkrankheiten sind, wodurch der Pflanzenschutzaufwand im Weinberg um bis zu 80 Prozent reduziert werden kann, ganz ohne Chemie kommen jedoch auch PIWI-Rebstöcke nicht aus, da weiterhin punktuell Kupfer und Schwefel eingesetzt werden. In Deutschland wurden 2024 rund 3.500 Hektar mit PIWI-Rebsorten bepflanzt, etwa 3,5 Prozent der gesamten deutschen Rebfläche, mit steigender Tendenz von rund 10 Prozent im Vorjahresvergleich. Zu den bekanntesten Sorten zählen die roten Sorten Regent, Cabernet Cortis und Pinotin sowie die weißen Sorten Souvignier Gris, Cabernet Blanc, Solaris und Johanniter. Favino.de führt ausgewählte Weine aus PIWI-Rebsorten im Sortiment.

Was PIWI-Rebsorten ausmacht

Der Begriff PIWI beschreibt keine einzelne Rebsorte, sondern eine ganze Kategorie von Neuzüchtungen, deren gemeinsames Merkmal die genetisch verankerte Widerstandsfähigkeit gegenüber Pilzkrankheiten ist. Diese Resistenz stammt von amerikanischen oder asiatischen Wildreben, die im Zuge der Züchtung mit klassischen europäischen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Riesling oder Chardonnay gekreuzt wurden, um sowohl die weinbauliche Robustheit der Wildreben als auch die qualitative Aromatik der europäischen Sorten zu vereinen. Traditionelle Rebsorten sind gegenüber Pilzkrankheiten oft sehr anfällig, besonders in regenreichen Jahren können sich feuchtigkeitsliebende Pilzarten rasch ausbreiten und ganze Ernten gefährden, weshalb im klassischen Weinbau Jahr für Jahr erhebliche Mengen chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel notwendig sind. PIWI-Sorten sind zwar deutlich widerstandsfähiger, aber nicht hundertprozentig resistent, weshalb auch bei ihrem Anbau ein Mindestmaß an Pflanzenschutz notwendig bleibt, wenn auch in deutlich reduziertem Umfang. Diese Eigenschaft macht PIWI-Sorten besonders attraktiv für Betriebe, die nachhaltig, naturnah oder biologisch arbeiten möchten, wobei nicht jeder PIWI-Winzer automatisch auch eine offizielle Bio-Zertifizierung anstrebt.

Die wichtigsten Sorten im Überblick

Regent gilt als Klassiker unter den roten PIWI-Sorten und ist in Deutschland bereits seit 1995 im Anbau, mit rund der Hälfte der gesamten deutschen PIWI-Fläche nach wie vor die mit Abstand meistangebaute Sorte, auch wenn das Interesse aufgrund unzureichender Resistenzeigenschaften in den vergangenen Jahren spürbar zurückgeht. Die aus Regent hervorgegangenen roten Weine werden häufig im Holzfass oder als Rosé ausgebaut und profitieren von einigen Jahren Flaschenreife. Bei den weißen Sorten hat Souvignier Gris inzwischen die Spitzenposition von Cabernet Blanc übernommen und wird deutschlandweit auf rund 596 Hektar kultiviert. Cabernet Blanc, eine Kreuzung aus Cabernet Sauvignon mit einem Resistenzpartner, gezüchtet vom Schweizer Rebenzüchter Valentin Blattner, bringt komplexe, würzige und extraktreiche Weine mit Aromen von grüner Paprika, schwarzer Johannisbeere, Stachelbeere und Zitrusfrüchten hervor, geschmacklich nicht selten an Sauvignon Blanc erinnernd. Solaris liefert fruchtige, duftige Weine mit Aromen von Quitte, Mirabelle und Mandel und wird häufig für Federweißer oder Süßweine verwendet. Bei den roten Sorten gewinnen zunehmend Cabernet Cortis, Pinotin und der mediterran anmutende Satin Noir an Bedeutung. Zu den historisch ältesten PIWI-Sorten zählen der bereits 1968 gezüchtete Johanniter sowie der noch ältere Seyval Blanc aus dem Jahr 1919, der vor allem in England, Kanada und Teilen der USA verbreitet ist.

Vorteile für Winzer und Umwelt

Der drastisch reduzierte Pflanzenschutzbedarf von PIWI-Rebsorten bedeutet für Winzer nicht nur eine geringere Umweltbelastung, sondern auch niedrigere Produktionskosten sowie weniger Traktorfahrten durch den Weinberg, was sich positiv auf die Bodenverdichtung und den Energieverbrauch auswirkt. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel, der mit zunehmend feuchtwarmen Wetterlagen den Pilzdruck in vielen Anbaugebieten verstärkt, gewinnen diese robusten Neuzüchtungen zusätzlich an Bedeutung. Für kleinere Weingüter bieten PIWI-Sorten zudem die Möglichkeit, sich durch eine glaubwürdig kommunizierte Nachhaltigkeitsphilosophie von der Konkurrenz abzuheben und wirtschaftlich effizienter zu arbeiten. International koordiniert die Organisation PIWI International die Förderung dieser Rebsorten, mit Mitgliedern von Nepal über die klassischen europäischen Weinbauländer bis nach Polen, Schweden und Kanada, und veranstaltet jährlich die PIWI International Wine Challenge, bei der sich die besten PIWI-Weine international messen.

Vom Nischenprodukt zum Qualitätsanspruch

Lange galten PIWI-Weine vor allem als Zukunftsthema des umweltschonenden Weinbaus, oft mit dem Beigeschmack geschmacklicher Kompromisse gegenüber klassischen Rebsorten. Diese Wahrnehmung hat sich in den vergangenen Jahren spürbar gewandelt: Moderne PIWI-Generationen wie Souvignier Gris, Cabernet Blanc oder Cabernet Cortis beweisen zunehmend, dass Nachhaltigkeit und önologische Qualität keine Gegensätze sein müssen. Auch die oft künstlich klingenden Namen vieler Sorten, ein Ergebnis wissenschaftlicher Züchtungsprogramme statt traditioneller Herkunft, sorgen bei manchen Weintrinkern zunächst für Zurückhaltung, da die Sorten schlicht noch nicht denselben Bekanntheitsgrad wie Riesling oder Spätburgunder erreicht haben. Immer mehr renommierte Weingüter, auch solche mit langer klassischer Tradition, integrieren PIWI-Sorten jedoch bewusst in ihr Portfolio und zeigen damit, dass diese Rebsorten längst im qualitätsorientierten Weinbau angekommen sind.

Häufig gestellte Fragen zu PIWI-Rebsorten

Was bedeutet PIWI? PIWI steht für pilzwiderstandsfähig und bezeichnet Rebsorten mit erhöhter natürlicher Resistenz gegenüber Pilzkrankheiten wie Echtem und Falschem Mehltau.

Wie entstehen PIWI-Rebsorten? Sie entstehen durch gezielte Kreuzung europäischer Vitis-vinifera-Reben mit amerikanischen oder asiatischen Rebenarten, die von Natur aus widerstandsfähiger gegenüber Pilzkrankheiten sind.

Kommen PIWI-Rebsorten komplett ohne Pflanzenschutz aus? Nein, auch wenn der Pflanzenschutzaufwand um bis zu 80 Prozent reduziert werden kann, bleibt ein punktueller Einsatz von Kupfer und Schwefel meist notwendig, da die Sorten widerstandsfähig, aber nicht hundertprozentig resistent sind.

Welche PIWI-Sorten sind in Deutschland am weitesten verbreitet? Bei den roten Sorten dominiert Regent mit rund der Hälfte der gesamten PIWI-Fläche, bei den weißen Sorten hat Souvignier Gris inzwischen Cabernet Blanc als meistangebaute Sorte abgelöst.

Schmecken PIWI-Weine anders als klassische Rebsorten? Viele PIWI-Sorten orientieren sich aromatisch an bekannten Vorbildern, Cabernet Blanc erinnert etwa an Sauvignon Blanc, unterscheiden sich aber im Detail und entwickeln zunehmend einen eigenständigen, qualitativ überzeugenden Charakter.

Sind PIWI-Weine automatisch Bio-Weine? Nicht zwingend, PIWI-Rebsorten lassen sich zwar deutlich einfacher biologisch bewirtschaften, eine offizielle Bio-Zertifizierung ist damit aber nicht automatisch verbunden.

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