Kaum eine Rebsorte hat ihre Karriere so sehr einer einzigen Verordnung zu verdanken wie Glera. Bis 2010 trug sie noch den Namen des Weins, den sie berühmt gemacht hat, seither führt sie ihr eigenes Leben, während Prosecco zur geschützten Herkunft wurde.
Auf einen Blick
Glera ist eine autochthone weiße Rebsorte aus dem Nordosten Italiens, deren Heimat in der Region Venetien und im angrenzenden Friaul-Julisch Venetien liegt und aus der nahezu ausschließlich der weltberühmte Schaumwein Prosecco gekeltert wird. Bis zum 1. Januar 2010 trug die Traube selbst noch den Namen Prosecco, bis ein Dekret des italienischen Landwirtschaftsministeriums die Bezeichnung neu regelte: Seither ist Prosecco ausschließlich eine geschützte Herkunftsbezeichnung, während die Rebsorte offiziell Glera heißt, benannt nach einem Ort bei Triest. Diese Umbenennung schützte das Produkt wirksam vor zunehmenden internationalen Nachahmungen, da fortan nur noch Schaumweine aus dem festgelegten Anbaugebiet in Venetien und Friaul-Julisch Venetien als Prosecco vermarktet werden dürfen. Prosecco muss mindestens zu 85 Prozent aus Glera bestehen, wobei die Weine je nach Herstellungsverfahren als stiller Wein, Perlwein (Frizzante) oder Schaumwein (Spumante) in den Handel kommen. Das prestigeträchtigste Teilgebiet, die 2019 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannte Kulturlandschaft von Conegliano Valdobbiadene, trägt den höchsten italienischen Qualitätsstatus DOCG. Favino.de führt Prosecco aus den klassischen Glera-Anbaugebieten im Sortiment.
Herkunft und Geschichte
Die Ursprünge der Glera-Traube reichen weit zurück: Bereits in der römischen Antike wurde in der Region um Triest ein Wein namens Vinum Pucinum geschätzt, der Überlieferungen zufolge sogar von Livia Drusilla, der Gattin Kaiser Augustus', wegen seiner vermeintlichen gesundheitlichen Wirkung besonders geliebt wurde. Der Name Prosecco selbst geht auf ein kleines Dorf unweit von Triest zurück, das im Altertum von der slowenischsprachigen Bevölkerung als Prosekar oder Prosegker bezeichnet wurde und wo die Rebe im adriatischen Küstenstreifen kultiviert wurde. Die erste schriftliche Erwähnung der Rebsorte unter diesem Namen stammt bereits aus dem Jahr 1772, als der Akademiker Francesco Maria Malvolti im Giornale d'Italia über die Qualität lokaler Rebsorten schrieb. Über Jahrhunderte hinweg blieb die Traube fast ausschließlich auf ein überschaubares Gebiet im Veneto beschränkt, ehe der internationale Erfolg des daraus gekelterten Schaumweins ab den 1990er und 2000er Jahren dazu führte, dass zunehmend auch Erzeuger außerhalb der Ursprungsregion Schaumwein aus derselben Traube unter der Bezeichnung Prosecco vermarkteten. Um diesem Missbrauch entgegenzuwirken, beschloss das italienische Landwirtschaftsministerium per Dekret vom 17. Juli 2009, das zum 1. Januar 2010 in Kraft trat, die Rebsorte offiziell in Glera umzubenennen, während Prosecco fortan ausschließlich als geschützte Herkunftsbezeichnung für Weine aus dem definierten Anbaugebiet gilt. Diese Regelung wurde durch die EG-Verordnung Nr. 1166/2009 auf europäischer Ebene bestätigt.
Charakter und typische Aromen
Glera zählt zu den spät reifenden Rebsorten und wird etwa 45 Tage nach dem Gutedel geerntet, was sie klimatisch anspruchsvoller macht als früher reifende Sorten. Die Trauben sind walzen- bis kegelförmig, groß und dichtbeerig mit rundlichen, goldgelben Beeren, wobei die Rebe empfindlich auf Trockenheit reagiert und zu Verrieselung sowie Kleinbeerigkeit neigt, was die Erträge begrenzen kann. Rein sortenrein als Stillwein ausgebaut, gilt Glera als aromatisch eher neutral und zurückhaltend, ihr eigentliches Potenzial entfaltet sie jedoch erst in der Versektung. Typische Aromen des daraus entstehenden Prosecco sind grüner Apfel, Birne, weißer Pfirsich und florale Nuancen wie weiße Blüten, ergänzt durch gelegentlich nussige Noten und einen leicht bitteren Nachklang. Die von Natur aus ausgeprägte Säurestruktur der Traube prädestiniert sie geradezu für die Schaumweinproduktion, der sie Frische, Frucht und die charakteristische Lebendigkeit verleiht, die Prosecco weltweit auszeichnet.
Das Anbaugebiet und seine Klassifikationen
Das Kerngebiet des Glera-Anbaus liegt in der Provinz Treviso in Venetien sowie im angrenzenden Friaul-Julisch Venetien, wo die Rebsorte auf mittlerweile über 20.000 Hektar kultiviert wird. Innerhalb dieses Gebiets existieren mehrere Qualitätsstufen: Der einfache Prosecco DOC darf aus 9 Provinzen in den beiden Regionen Venetien und Friaul-Julisch Venetien stammen, während das prestigeträchtigere Kerngebiet Conegliano Valdobbiadene, das lediglich 15 Gemeinden umfasst, seit 2010 den höheren Status DOCG trägt. Die steilen, historisch von Hand bewirtschafteten Hänge dieser Region gelten als die Wiege des hochwertigsten Prosecco und wurden 2019 aufgrund ihrer jahrhundertealten Kulturlandschaft von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Nach dem Reinheitsgebot der Appellation müssen Weine aus diesem Gebiet mindestens 85 Prozent Glera enthalten, die restlichen 15 Prozent dürfen aus traditionellen lokalen Sorten wie Verdiso, Perera oder Bianchetta stammen, teils auch aus den internationalen Burgundersorten Pinot Bianco, Pinot Grigio, Pinot Noir und Chardonnay. Erfahrene Winzer schätzen Verdiso dabei für seine Säure und Würze sowie Perera für sein charakteristisches Aroma.
Die drei Gesichter des Prosecco
Aus Glera-Trauben entstehen 3 unterschiedliche Weinstile, die sich vor allem im Kohlensäuregehalt unterscheiden. Der Prosecco Spumante ist der klassische Schaumwein mit vollem Druck und ausgeprägter, lang anhaltender Perlage, hergestellt im Tankgärverfahren, der sogenannten Metodo Charmat, im Unterschied zur Flaschengärung des französischen Champagners. Der Prosecco Frizzante zeigt sich dagegen deutlich zurückhaltender mit nur leichtem Prickeln und wird häufig mit gewöhnlichem Kronkorken oder Schraubverschluss abgefüllt. Seltener, aber ebenfalls existent ist der stille Prosecco, außerhalb des geschützten Kerngebiets auch als Prosecco spento oder tranquillo bezeichnet, der gänzlich ohne Kohlensäure auskommt. Auch wenn die Versektung den ursprünglichen Traubencharakter überlagert, bleiben Herkunftsunterschiede zwischen den einzelnen Lagen für geschulte Verkoster ähnlich wie beim Champagner durchaus erkennbar.
Häufig gestellte Fragen zu Glera
Was ist der Unterschied zwischen Glera und Prosecco? Glera ist der Name der Rebsorte, während Prosecco seit 2010 ausschließlich eine geschützte Herkunftsbezeichnung für Schaumweine aus dem definierten Anbaugebiet in Venetien und Friaul-Julisch Venetien ist.
Warum wurde die Rebsorte umbenannt? Die Umbenennung von Prosecco in Glera im Jahr 2010 sollte verhindern, dass Erzeuger außerhalb der geschützten Herkunftsregion Schaumweine aus derselben Traube unter dem Namen Prosecco vermarkten konnten.
Woher stammt der Name Prosecco? Der Name geht auf ein Dorf unweit von Triest zurück, wo der Wein bereits in der römischen Antike als Vinum Pucinum geschätzt wurde, und hat nichts mit dem italienischen Wort "secco" für trocken zu tun.
Wie viel Glera muss in einem Prosecco enthalten sein? Nach den Vorschriften der Appellation müssen Prosecco-Weine mindestens 85 Prozent Glera enthalten, die übrigen 15 Prozent können aus traditionellen lokalen oder ausgewählten internationalen Sorten stammen.
Was ist der Unterschied zwischen Prosecco Spumante und Frizzante? Spumante ist ein vollwertiger Schaumwein mit hohem Kohlensäuredruck und ausgeprägter Perlage, während Frizzante nur leicht perlt und deutlich weniger Druck aufweist.
Welches Anbaugebiet gilt als das hochwertigste für Prosecco? Das Gebiet Conegliano Valdobbiadene mit DOCG-Status gilt als das prestigeträchtigste Teilgebiet und wurde 2019 aufgrund seiner historischen, steil bewirtschafteten Kulturlandschaft zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.