Kategorie: Dolcetto
Der Bauernwein, der zu Unrecht unterschätzt wurde
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Enzo Boglietti - Dolcetto d´Alba 2022 BIOBIO
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Während Nebbiolo die besten Lagen des Piemont für sich beanspruchte, musste sich Dolcetto lange mit den kühleren, weniger begehrten Hängen begnügen. Heute zeigt eine neue Winzergeneration, dass gerade diese vermeintlichen Nachteile den vielleicht unterschätztesten Rotwein Norditaliens hervorbringen.
Auf einen Blick
Dolcetto ist eine autochthone rote Rebsorte aus dem Piemont, deren Name übersetzt "der kleine Süße" bedeutet, eine Anspielung auf die süßen, frühreifen Trauben, nicht auf den fertigen Wein, der stets trocken ausgebaut wird. Rund 98 Prozent des weltweiten Bestands von gut 6.000 Hektar stehen im Piemont, mit weiteren kleineren Vorkommen in der Lombardei, in Ligurien, wo die Sorte als Ormeasco firmiert, sowie in Umbrien unter dem Namen Nibièu. Die Herkunft der Rebe gilt als nicht abschließend geklärt: Manche Rebenforscher vermuten einen französischen Ursprung mit Einwanderung ins Piemont im 11. Jahrhundert, andere verorten die Wiege der Sorte direkt in der südpiemontesischen Gemeinde Dogliani, wo sie unter dem Namen Dozetti erstmals Ende des 16. Jahrhunderts urkundlich erwähnt wurde. Innerhalb des Piemont existieren 7 eigenständige DOC- und DOCG-Zonen für Dolcetto, angeführt von den beiden DOCG-Gebieten Dogliani und Dolcetto di Ovada Superiore, ergänzt durch Dolcetto d'Alba, Diano d'Alba, Dolcetto d'Asti, Dolcetto d'Acqui und Dolcetto delle Langhe Monregalesi.
Herkunft und Geschichte
Die genaue Herkunft von Dolcetto bleibt bis heute Gegenstand unterschiedlicher Theorien. Eine Hypothese verortet den Ursprung der Sorte in Frankreich, von wo sie im 11. Jahrhundert ihren Weg in die piemontesische Grafschaft Monferrato gefunden haben soll, eine andere sieht ihre eigentliche Heimat direkt in Dogliani im südlichen Piemont. Für beide Theorien fehlen bislang sichere Belege, gesichert ist jedoch, dass die Sorte unter dem historischen Namen Dozetti bereits Ende des 16. Jahrhunderts auf einer Bestandsliste der Gemeinde Dogliani auftaucht und Ende des 18. Jahrhunderts vom Grafen Nuvolone aus Monferrato ausdrücklich erwähnt wird. Traditionell galt Dolcetto über Jahrhunderte als der Wein der Bauern, ein tägliches Nahrungsmittel und keine Rarität für besondere Anlässe wie Barolo oder Barbaresco. Der Grund dafür war ebenso praktisch wie prägend für den Charakter der Sorte: Da Dolcetto deutlich früher reift als Nebbiolo oder Barbera, gedieh er zuverlässig auch auf den kühleren, weniger privilegierten Lagen, während die besten, wärmsten Hänge traditionell dem prestigeträchtigeren Nebbiolo vorbehalten blieben. Über italienische Auswanderer gelangte die Rebe im 19. Jahrhundert zudem nach Kalifornien und Australien, wo bis heute teils über 150 Jahre alte Rebstöcke existieren. Erst in den vergangenen Jahrzehnten haben viele Winzer das eigentliche Qualitätspotenzial der Sorte erkannt und pflanzen Dolcetto zunehmend bewusst auch auf ihren besten Lagen.
Charakter und typische Aromen
Dolcetto-Weine zeigen sich im Glas tief purpurrot und präsentieren ein frisches, ausgesprochen fruchtiges Aromenprofil mit Noten von Schwarzkirsche, Brombeere, Heidelbeere und Pflaume, häufig begleitet von einer feinen, charakteristischen Mandel-Bitternote im Abgang sowie gelegentlichen Anklängen von Lakritz. Geschmacklich zeigt die Sorte eine ungewöhnliche Kombination: vergleichsweise wenig Säure bei gleichzeitig spürbaren, gut eingebundenen Tanninen, was den Wein vollmundig, harmonisch und angenehm zugänglich macht, gerade auch für Genießer mit empfindlicherem Magen. Diese geringe Säure unterscheidet Dolcetto deutlich von seinen beiden piemontesischen Verwandten Barbera und Nebbiolo, die beide für ihre ausgeprägte Säurestruktur bekannt sind. Im Weinberg gilt die Sorte trotz ihrer unkomplizierten Trinkfreude als alles andere als pflegeleicht: Sie neigt zum Verrieseln, benötigt gute Lagen für befriedigende Erträge und zeigt sich anfällig für verschiedene Pilzkrankheiten. Während einfache Dolcetto-Weine für den frühen, unkomplizierten Genuss gedacht sind, zeigen die besten Vertreter aus Toplagen zunehmend Komplexität, Struktur und ein bemerkenswertes Reifepotenzial, insbesondere in der gehobenen Superiore-Kategorie, die eine längere Reifezeit voraussetzt.
Anbaugebiete im Piemont
Innerhalb des Piemont zeigt Dolcetto je nach Herkunftsgebiet deutlich unterschiedliche Stilrichtungen. In Dogliani, wo die Sorte auf kalkhaltigen Mergelböden in Hügellagen zwischen 250 und 800 Metern Höhe besonders gut gedeiht, zeigt sich Dolcetto am kraftvollsten und floralsten, seit 2005 unter dem Status DOCG. Ovada im nördlichen Piemont brachte 2008 ebenfalls den DOCG-Status hervor, dort entstehen mitunter die würzigsten und tiefgründigsten Ausprägungen der Sorte. In Alba, dem größten und bekanntesten Anbauzentrum mit knapp 1.500 Hektar, präsentiert sich Dolcetto besonders körperreich, während die Gemeinde Diano d'Alba für ihre besonders ausgewogenen Vertreter geschätzt wird. Ergänzt wird das Angebot durch die kleineren Zonen Dolcetto d'Asti, Dolcetto d'Acqui und Dolcetto delle Langhe Monregalesi. Innerhalb der DOCG-Zonen existiert zudem eine gehobene Superiore-Stufe, die eine längere Reifezeit von mindestens einem Jahr, davon mindestens 6 Monate im Holzfass, voraussetzt und dabei Weine mit deutlich mehr Struktur und Komplexität hervorbringt als die reguläre Basisqualität.
Dolcetto als Speisebegleiter
Als traditioneller Alltagswein des Piemont begleitet Dolcetto seit jeher die tägliche Küche der Region und zeigt sich dabei überraschend vielseitig. Klassische Kombinationen umfassen piemontesische Gerichte wie Tajarin mit Butter und Salbei, Vitello Tonnato, gefüllte Agnolotti del Plin oder die traditionelle Sauce Bagna Cauda, aber auch zu Pizza, Salami, gereiftem Käse und kräftigen Pastagerichten zeigt sich die Sorte als unkomplizierte, verlässliche Wahl. Serviert wird Dolcetto am besten bei 16 bis 18 Grad Celsius, eine Temperatur, die seine fruchtige Frische optimal zur Geltung bringt, ohne die feinen Tannine zu stark zu betonen.
Häufig gestellte Fragen zu Dolcetto
Bedeutet Dolcetto, dass der Wein süß schmeckt? Nein, der Name bezieht sich auf die süßen, frühreifen Trauben, der daraus gekelterte Wein wird jedoch stets trocken ausgebaut.
Woher stammt die Rebsorte Dolcetto? Die genaue Herkunft ist nicht abschließend geklärt, eine Theorie vermutet einen französischen Ursprung mit Einwanderung im 11. Jahrhundert, eine andere sieht die Wiege der Sorte direkt in der piemontesischen Gemeinde Dogliani.
Was ist der Unterschied zwischen Dolcetto, Barbera und Nebbiolo? Dolcetto zeigt im Vergleich zu den beiden anderen piemontesischen Leitrebsorten deutlich weniger Säure bei spürbaren Tanninen, während Barbera für seine ausgeprägte Säure und Nebbiolo für Tanninkraft und Komplexität bekannt ist.
Welche sind die besten Anbaugebiete für Dolcetto? Die beiden DOCG-Zonen Dogliani und Dolcetto di Ovada Superiore gelten als hochwertigste Herkünfte, ergänzt durch die DOC-Gebiete Dolcetto d'Alba und Diano d'Alba.
Wie schmeckt ein typischer Dolcetto-Wein? Typisch sind Aromen von Schwarzkirsche, Brombeere und Pflaume, oft ergänzt durch eine feine Mandel-Bitternote im Abgang, bei geringer Säure und harmonisch eingebundenen Tanninen.
Ist Dolcetto auch außerhalb des Piemont bekannt? Ja, unter dem Namen Ormeasco wird die Sorte in Ligurien angebaut, zudem existieren kleinere Bestände in Umbrien sowie, durch italienische Auswanderer eingeführt, teils über 150 Jahre alte Rebstöcke in Kalifornien und Australien.