Viura, in weiten Teilen Spaniens als Macabeo bekannt, ist eine der wandlungsfähigsten weißen Rebsorten des Landes. Als Basis für frische Alltagsweine ebenso geschätzt wie für jahrzehntelang reifende Gran-Reserva-Weißweine aus der Rioja, zeigt Viura eine stilistische Bandbreite, die nur wenige Sorten erreichen.
Auf einen Blick
Viura, auch Macabeo, katalanisch Macabeu, ist die am häufigsten angebaute weiße Rebsorte Nordspaniens mit rund 35.000 bis 38.000 Hektar Anbaufläche im Land. In der Rioja, wo sie unter dem Namen Viura geführt wird, macht sie rund 90 Prozent des gesamten weißen Rebbestands aus, während sie in Katalonien, insbesondere in den Regionen Penedès und Conca de Barberà, unter dem Namen Macabeo eine der 3 zentralen Rebsorten für den spanischen Schaumwein Cava bildet, gemeinsam mit Parellada und Xarel·lo. Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Sorte Anfang des 17. Jahrhunderts in der Region Penedès. DNA-Analysen haben inzwischen gezeigt, dass Macabeo von den beiden heute nahezu ausgestorbenen Rebsorten Hebén und Brustiano Faux abstammt, wodurch sie genetisch eng mit der katalanischen Sorte Xarel·lo verwandt ist. Neben Spanien wird die Sorte unter dem Namen Macabeu auch im französischen Roussillon und im Languedoc angebaut. Favino.de führt Viura- und Macabeo-Weine aus verschiedenen spanischen Herkunftsregionen im Sortiment.
Herkunft und Geschichte
Die Ursprünge von Viura beziehungsweise Macabeo liegen mit großer Wahrscheinlichkeit in der katalanischen Region Penedès, wo die Sorte erstmals im Jahr 1617 vom Agrarschriftsteller Fray Miquel Agustí schriftlich erwähnt wurde. Von dort aus verbreitete sich die Rebe entlang des Ebro-Flusses nach Aragón und in die Rioja sowie in den Mittelmeerraum bis nach Valencia, Murcia und Andalusien. Bereits im 18. Jahrhundert gelangte die Sorte zudem ins damals unter spanischem Einfluss stehende Roussillon in Südfrankreich, wo sie bis heute unter dem Namen Macabeu kultiviert wird. In der Rioja verdrängte Viura im Lauf der Zeit die früher dominierenden weißen Verschnittpartner Malvasía Riojana und Garnacha Blanca, die vor der Reblauskatastrophe des späten 19. Jahrhunderts deutlich verbreiteter waren. Genetisch gilt die Abstammung der Sorte heute als weitgehend geklärt: Sie entstand aus einer natürlichen Kreuzung der beiden fast verschwundenen Sorten Hebén, von der noch einzelne Rebstöcke in Andalusien existieren, und Brustiano Faux, einer vermutlich französischen Sorte, die ebenfalls Ursprung der katalanischen Sorte Xarel·lo ist.
Charakter und typische Aromen
Viura beziehungsweise Macabeo gilt als ausgesprochen wandlungsfähige Rebsorte, deren Charakter stark vom Erntezeitpunkt und Ausbaustil abhängt. Früh gelesen und im Stahltank vergoren, ergibt die Traube leichte, frische und blumige Weißweine mit moderater bis eher niedriger Säure und Aromen von Zitrusfrüchten, grünem Kernobst, Wiesenblumen und unreifen Mandeln, die für den unkomplizierten, jungen Genuss gedacht sind. Wird die Traube dagegen reifer gelesen, entwickelt sie alkoholreichere, blumigere Weine mit ausgeprägterem Körper. Die vielleicht bemerkenswerteste Eigenschaft der Sorte zeigt sich jedoch im Holzfassausbau: Viura neigt nur wenig zur Oxidation und eignet sich dadurch außergewöhnlich gut für längere Reifung im Barrique, bei der sie goldene Farbtöne, cremige Textur und aromatische Komplexität entwickelt. Diese Eigenschaft macht sie zur Basis einiger der langlebigsten weißen Rioja-Gran-Reservas, die teils Jahrzehnte im Fass und in der Flasche reifen und dabei eine für Weißweine ungewöhnliche Größe und Vielschichtigkeit erreichen können. Der Alkoholgehalt der Weine bewegt sich meist zwischen 11 und 13 Volumenprozent.
Anbaugebiete und Bedeutung für Rioja und Cava
In der DOCa Rioja ist Viura die dominante weiße Rebsorte und bildet dort die Grundlage sowohl für frische, früh trinkbare Weißweine als auch für die traditionsreichen, im Barrique gereiften Weißweine des Gebiets, deren bekannteste Vertreter mitunter zu 90 bis 100 Prozent aus reinem Viura bestehen. Legendäre Beispiele wie der Castillo Ygay Gran Reserva Blanco von Marqués de Murrieta oder der Viña Tondonia Gran Reserva von López de Heredia demonstrieren eindrucksvoll das Reifepotenzial der Sorte und zählen zu den renommiertesten Weißweinen Spaniens überhaupt. In Katalonien, vor allem im Penedès und in der Conca de Barberà, tritt die Traube unter dem Namen Macabeo auf und bildet gemeinsam mit Parellada und Xarel·lo die klassische Assemblage für Cava, wobei Macabeo dem Schaumwein Frische und Körper verleiht, ohne die Säurestruktur zu dominieren. Darüber hinaus wird die Sorte in zahlreichen weiteren spanischen Herkunftsgebieten angebaut, darunter Navarra, Aragón, Castilla-La Mancha, Valencia sowie Rueda, wo sie häufig als ausgleichender Cuvée-Partner für Verdejo eingesetzt wird, ähnlich der Rolle, die Sémillon im Zusammenspiel mit Sauvignon Blanc in Bordeaux einnimmt.
Verwendung als Cuvée-Partner
Viura wird traditionell nicht nur sortenrein, sondern auch häufig im Verschnitt mit anderen weißen Rebsorten ausgebaut, was ihre stilistische Bandbreite zusätzlich erweitert. Besonders bekannt ist die Kombination mit Parellada und Xarel·lo für Cava, während die Sorte in Rueda gezielt eingesetzt wird, um dem oft rustikaleren Verdejo zusätzliche Geschmeidigkeit zu verleihen. Auch auf der zentralspanischen Hochebene von Castilla-La Mancha dient Viura als Cuvée-Partner, um die dort verbreitete, ertragreiche Sorte Airén aufzuwerten und gehaltvollere Weine zu erzeugen. Diese Vielseitigkeit als Verschnittpartner macht die Sorte zu einem festen Bestandteil zahlreicher spanischer Weißweinstile, ganz unabhängig davon, ob sie sortenrein oder als ausgleichende Komponente zum Einsatz kommt.
Häufig gestellte Fragen zu Viura und Macabeo
Was ist der Unterschied zwischen Viura und Macabeo? Es handelt sich um dieselbe Rebsorte, die in der Rioja unter dem Namen Viura geführt wird, während sie in Katalonien und weiten Teilen Spaniens sowie in Frankreich als Macabeo beziehungsweise Macabeu bekannt ist.
Woher stammt Viura ursprünglich? Die Sorte stammt vermutlich aus der katalanischen Region Penedès, wo sie erstmals 1617 schriftlich erwähnt wurde, und ist genetisch aus einer Kreuzung der heute fast ausgestorbenen Sorten Hebén und Brustiano Faux entstanden.
Warum eignet sich Viura besonders gut für den Barrique-Ausbau? Viura neigt nur wenig zur Oxidation, wodurch sie im Holzfass goldene Farbtöne, cremige Textur und aromatische Komplexität entwickeln kann, was sie zur Basis einiger der langlebigsten weißen Rioja-Gran-Reservas macht.
Welche Rolle spielt Viura beim Cava? Unter dem Namen Macabeo bildet sie gemeinsam mit Parellada und Xarel·lo die klassische Assemblage für Cava und sorgt dabei für Frische und Körper im Schaumwein.
Ist Viura eine säurereiche Rebsorte? Nein, Viura zeigt in der Regel eine moderate bis eher niedrige Säure, was sie zu einem guten Ausgleichspartner für säurereichere Sorten wie Verdejo in Rueda macht.
Kann Viura auch als Süßwein ausgebaut werden? Ja, bei später Lese und optimalen klimatischen Bedingungen kann die Traube auch zur Herstellung von Süßweinen verwendet werden, wobei dies deutlich seltener vorkommt als der trockene Ausbau.