Kategorie: Frühburgunder
Deutschlands seltene Rotweinrarität
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Burggarten - Blauer Frühburgunder 2023
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Frühburgunder ist einer der spannendsten Geheimtipps unter den deutschen Rotweinen. Fast verschwunden, heute wiederbelebt, steht diese seltene Rebsorte für samtige Eleganz und eine Geschichte, die eng mit dem Weinbaugebiet Ahr verwoben ist.
Auf einen Blick
Frühburgunder ist eine rote Rebsorte, die durch eine natürliche Mutation aus dem Spätburgunder, also Pinot Noir, entstanden ist und ihre Trauben mindestens 2 Wochen früher reifen lässt als ihre Ursprungssorte, woraus sich auch der Name ableitet. In Deutschland waren im Jahr 2022 lediglich 222 Hektar mit Frühburgunder bestockt, was gerade einmal 0,2 Prozent der gesamten deutschen Rebfläche entspricht und die Sorte zu einer der seltensten deutschen Rotweinreben macht. Die Anbauschwerpunkte liegen an der Ahr, in Rheinhessen, Franken und der Pfalz, wobei die Ahr historisch als eigentliche Heimat der Rebsorte gilt. Erste schriftliche Belege reichen bis ins Jahr 1690 zurück, unter dem heutigen deutschen Namen wurde die Sorte erstmals 1824 erwähnt. Aufgrund ihres geringen Ertrags und ihrer Anfälligkeit für Verrieseln stand Frühburgunder in den 1960er Jahren mit nur noch rund 15 Hektar bundesweit kurz vor dem Aussterben, bevor eine gezielte Klonselektion der Forschungsanstalt Geisenheim ab den 1970er Jahren die Rettung einleitete. Seit 2005 zählt Frühburgunder zur Arche des Geschmacks von Slow Food, einem internationalen Projekt zum Schutz regionaltypischer Lebensmittel. Favino.de führt Frühburgunder aus deutschen Spitzenlagen im Sortiment.
Herkunft und Geschichte
Wie genau Frühburgunder entstand, lässt sich bis heute nicht abschließend klären, gesichert ist jedoch, dass es sich um eine spontane Mutation des Spätburgunders handelt, deren genaues Alter unbekannt bleibt. Französische Synonyme wie Madeleine Noire oder Morillon Noir tauchen bereits im späten 17. Jahrhundert in schriftlichen Aufzeichnungen auf, ein Hinweis darauf, dass die Sorte deutlich älter ist als ihr heutiger deutscher Name vermuten lässt. In Deutschland war Frühburgunder an der Ahr bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sogar die vorherrschende Pinot-Sorte und prägte den dortigen Weinbau maßgeblich. Der Niedergang der Rebsorte im 20. Jahrhundert war vor allem wirtschaftlich bedingt: Geringe Erträge, eine ausgeprägte Neigung zum Verrieseln sowie Viruskrankheiten in den alten Rebbeständen machten sie für viele Betriebe zunehmend unrentabel, sodass ein Weingut nach dem anderen auf ertragreichere Sorten umstellte. In den 1960er Jahren standen bundesweit nur noch etwa 15 Hektar, die Sorte stand faktisch kurz vor dem Verschwinden. Die Rettung gelang durch das Zusammenspiel zweier Entwicklungen: Ein rheinhessisches Weingut in Ingelheim hielt der Sorte als Erhaltungszüchter über die kritischen Jahre die Treue, während die Forschungsanstalt Geisenheim ab Mitte der 1970er Jahre systematisch virusfreie, ertragssicherere Klone selektierte. Die meisten der heute angepflanzten Frühburgunder-Klone gehen auf diese rheinhessische Selektionsarbeit zurück, deren Ursprung wiederum mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Ahr liegt. Rechtlich wurde Frühburgunder in Deutschland erst 1971 als eigenständige Rebsorte anerkannt.
Charakter und typische Aromen
Frühburgunder unterscheidet sich von seinem berühmteren Verwandten Spätburgunder trotz nahezu identischer Genetik durch eine deutlich frühere Blüte und Reife sowie dickere, kleinere Beeren mit einem höheren Verhältnis von Schale zu Fruchtfleisch. Da viele Geschmacksstoffe in der Beerenschale sitzen, bringt diese Eigenschaft in Kombination mit dem generell niedrigeren Ertrag oft samtigere und gehaltvollere Weine hervor als beim Spätburgunder. Farblich zeigt sich Frühburgunder meist ziegelrot bis dunkelrot und dabei transparenter als sein Geschwister. Typische Aromen umfassen Kirsche, Brombeere, schwarze Johannisbeere und Himbeere, ergänzt durch würzige Noten von Mokka, Nelke, Herbstlaub oder Rauch. Im Geschmack präsentiert sich die Sorte samtig und vollmundig mit angenehmer, meist etwas geringerer Säure als der Spätburgunder, was Frühburgunder gerade für Einsteiger zu einem zugänglichen Weg in die Welt komplexerer Pinot-Weine macht, ohne dabei an mineralischer Struktur zu verlieren. Aufgrund ihrer frühen Reife und dickeren Schale ist die Rebsorte zudem deutlich weniger anfällig für Grauschimmelfäule als der Spätburgunder, neigt dafür aber stärker zum Verrieseln, was die Erträge zusätzlich begrenzt.
Anbaugebiete in Deutschland
Das unangefochtene Zentrum des Frühburgunder-Anbaus liegt an der Ahr, wo die Sorte historisch verwurzelt ist und heute auf rund 34 bis 40 Hektar kultiviert wird, überwiegend mit den aus Rheinhessen stammenden Klonen. Rheinhessen selbst, insbesondere die traditionelle Rotweinstadt Ingelheim, stellt mit rund 85 Hektar sogar die größte zusammenhängende Anbaufläche der Sorte in Deutschland und war zugleich der entscheidende Rettungsanker während der kritischen Jahre des Sortenrückgangs. In Franken, rund um Miltenberg, sowie in der Pfalz und in Baden-Württemberg finden sich weitere, kleinere Bestände, meist in Lagen, die traditionell bereits für den Anbau von Spätburgunder genutzt wurden. Außerhalb Deutschlands spielt Frühburgunder nur eine untergeordnete Rolle, kleinere Anpflanzungen unter dem französischen Namen Pinot Noir Précoce existieren etwa im belgischen Anbaugebiet Côtes de Sambre et Meuse sowie vereinzelt in Luxemburg, der Schweiz und Italien.
Eine ungewisse Zukunft im Klimawandel
Paradoxerweise könnte ausgerechnet der Klimawandel, der viele spätreifende Rebsorten begünstigt, dem Frühburgunder zum Verhängnis werden. Durch die steigenden Durchschnittstemperaturen reift die ohnehin früh reifende Sorte inzwischen so zeitig, dass ihr mitunter die notwendige Vegetationsdauer fehlt, um ihr volles aromatisches Potenzial zu entfalten. Diese Entwicklung macht die langfristige Zukunft des Frühburgunders trotz seiner erfolgreichen Wiederbelebung in den vergangenen Jahrzehnten erneut ungewiss und rückt die Sorte zusätzlich in den Fokus von Erhaltungsinitiativen wie der Arche des Geschmacks von Slow Food.
Häufig gestellte Fragen zu Frühburgunder
Was ist der Unterschied zwischen Frühburgunder und Spätburgunder? Frühburgunder ist eine natürliche Mutation des Spätburgunders, die rund 2 Wochen früher reift, kleinere, dickschaligere Beeren besitzt und meist samtigere, weniger säurebetonte Weine hervorbringt.
Woher kommt der Name Frühburgunder? Der Name bezieht sich auf die im Vergleich zum Spätburgunder deutlich frühere Reifezeit der Trauben, die bereits Mitte bis Ende September beginnt.
Warum wäre Frühburgunder fast ausgestorben? Geringe Erträge, eine starke Neigung zum Verrieseln und Viruskrankheiten machten die Rebsorte wirtschaftlich unattraktiv, sodass in den 1960er Jahren nur noch rund 15 Hektar bundesweit bestanden.
Wer rettete den Frühburgunder vor dem Aussterben? Ein rheinhessisches Weingut in Ingelheim erhielt die alten Bestände, während die Forschungsanstalt Geisenheim ab den 1970er Jahren gezielt virusfreie, ertragssicherere Klone selektierte.
Wo liegt der Schwerpunkt des Frühburgunder-Anbaus in Deutschland? Die größte Anbaufläche liegt in Rheinhessen, insbesondere um Ingelheim, während die Ahr als historische Ursprungsregion der Sorte gilt.
Wie schmeckt ein typischer Frühburgunder? Typisch sind Aromen von Kirsche, Brombeere und schwarzer Johannisbeere, ergänzt durch würzige oder rauchige Noten, bei samtiger Textur und angenehm ausgewogener Säure.